DDB-Europachef Tramontin "Das habe ich nicht erwartet"

Freitag, 22. Januar 2016
DDB-Europachef Pietro Tramontin
DDB-Europachef Pietro Tramontin
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DDB Thomas Funk Eric Schoeffler Mark Niedzballa


Eigentlich redet Pietro Tramontin nicht mit Journalisten. Als EMEA-Chef von DDB ist er für rund 60 Märkte zuständig. Wenn er sich überall um die Presse kümmern würde, bliebe nicht viel Zeit für anderes, sagt der 73-Jährige. Trotzdem macht er jetzt mal eine Ausnahme, weil mit Thomas Funk und Eric Schoeffler CEO und CCO der deutschen Gruppe gemeinsam zu Havas wechseln - und es Klärungsbedarf gibt.
Wie hart trifft es Sie und die Agentur, dass gleich zwei Topmanager die deutsche DDB-Gruppe verlassen?
Eric ist seit 17 Jahren bei DDB, Thomas seit fünf. Beide sind um die 50 und damit in einem Alter, wo man sich fragt, ob man noch mal einen letzten Karriereschritt machen möchte. Insofern kann ich sie gut verstehen. Aber habe ich erwartet, dass die beiden zusammen woanders hingehen? Nein, das habe ich nicht. Wann werden Sie die beiden Richtung Havas ziehen lassen?
Sie haben eine Kündigungsfrist von zwölf beziehungsweise sechs Monaten. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir gemeinsam entscheiden, wie es weitergeht. Die Nachricht ist ja noch sehr frisch. In zwei bis drei Monaten wissen wir sicher mehr. Bis dahin sind die beiden weiter bei uns und werden ihre Aufgaben gewissenhaft wahrnehmen. Es gibt jedenfalls keine Pläne, sie unmittelbar freizustellen.

Wollen Sie eine neue Gruppenführung installieren oder lieber direkt mit den einzelnen Büros zusammenarbeiten?
Das muss man sehen. Ich bewerte derzeit zusammen mit den Managementteams unserer drei großen Standorte in Hamburg, Berlin und Düsseldorf die Situation. Dafür wollen wir uns ausreichend Zeit nehmen. Oberste Priorität hatte, mit den Kunden zu sprechen, damit es dort keine Irritationen gibt. Das haben wir gemacht. Jetzt überlegen wir, wie die richtige Aufstellung für die Zukunft aussieht.

Aber kann es sich DDB überhaupt erlauben, in einem wichtigen Markt wie Deutschland auf eine Gruppenführung zu verzichten?
Noch einmal: Wir müssen erst die Situation und die verschiedenen Optionen bewerten. Mehr kann ich dazu im Augenblick wirklich nicht sagen.

Wie zufrieden sind Sie denn mit der Entwicklung von DDB Germany?
2015 war hier ein gutes Jahr für uns. Wir hatten ein Rekordjahr in Berlin, Hamburg lief auch sehr gut. Düsseldorf weniger, da haben uns ein paar vertragliche Altlasten beschäftigt. Aber insgesamt bin ich zufrieden. Thomas und Eric haben einen guten Job gemacht.

Im Markt ist aber auch zu hören, dass es nicht überall in der deutschen DDB-Gruppe gut läuft.
Ich kann nur sagen, was ich weiß. Und da kann ich Ihnen versichern, dass wir ein gutes Jahr in Deutschland hatten. Ich bin wie gesagt zufrieden. Das gilt für die gesamte deutsche Gruppe, die ja wesentlich mehr umfasst als die Kernmarke DDB. Wenn es anders wäre, würde ich nicht zögern, es mitzuteilen.

Aber mit der Entwicklung der Agentur Heye, die ebenfalls zu Ihrem Verantwortungsbereich gehört, können Sie doch nicht zufrieden sein, oder?
Heye ist in der Tat die Ausnahme. McDonald’s ist ein herber Verlust, da gibt es nichts zu beschönigen. Das hat uns hart getroffen. Inzwischen hat CEO Mark Niedzballa die Situation wieder stabilisiert. Für 2016 bin ich optimistisch. Aber um ganz ehrlich zu sein: Viel schlimmer konnte es für Heye nicht kommen.

Lokale Manager haben oft Angst, dass ihre Networks nicht genug vor Ort investieren. Wie wichtig ist der deutsche Markt für Sie und Ihre Gruppe?
Deutschland ist unser größter Markt in Europa, vor Großbritannien und Frankreich. Und weltweit die Nummer 2 hinter den USA, wobei es sein könnte, dass nach dem Zukauf von ABC Brasilien inzwischen größer ist. Aber seien Sie sicher: Wir wissen, wie wichtig Deutschland ist.

Interview: Mehrdad Amirkhizi
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