Consumer Electronics Show 2016 Was Thjnk-Vorstand Michael Trautmann auf der CES gelernt hat

Donnerstag, 14. Januar 2016
Michael Trautmann auf der CES
Michael Trautmann auf der CES
Foto: Thjnk

What happens in Vegas, stays in Vegas: Diesen Spruch lernt jeder, der "Sin City" besucht. Für Teilnehmer der Consumer Electronics Show - kurz CES - hat der Satz allerdings keine Gültigkeit. Michael Trautmann war in diesem Jahr zum ersten Mal auf der CES in Las Vegas. Zurück in Deutschland hat der Thjnk-Vorstand die Fragen von HORIZONT Online zu seinen Erfahrungen beantwortet. Trautmann erläutert unter anderem, welche Themen die Mega-Messe prägen - und was Agenturvertreter auf der CES lernen können.
Welche Trends haben Sie auf der diesjährigen CES am meisten beeindruckt?
Ich bin immer noch dabei, meine Eindrücke zu sortieren, aber lassen Sie mich versuchen, es auf 5 große Themengebiete zusammenzufassen. 1. Fernsehen lebt
Allen Propheten zum Trotz präsentiert sich das Thema "Fernsehen" äußerst robust. Mit dem Auftritt von Netflix-Gründer und CEO Reed Hastings, der in seiner Keynote unter dem Hashtag #netflixeverywhere die weltweite Verfügbarkeit von Netflix bekannt gab, ist endgültig klar geworden, dass ein neuer, vielleicht der erste weltweite Player die Bühne betreten hat. Technisch drehte sich alles um den neuen Standard 4K und um noch flachere, größere und gebogene Screens.

2. Virtual Reality ist das echte 3D-Erlebnis
Virtual Reality läuft sich warm, um die Bereiche "Gaming" und meiner Meinung nach auch Produktpräsentationen, Messeauftritte, Film und Fitness nachhaltig zu verändern. Mit einer Mischung aus Trainingsgerät und Simulator präsentierte die Münchner Firma hyve hierzu einen interessanten Beitrag. Kamerahersteller und -ausrüster bieten diverse Geräte und Toolkits dafür an, z.T. auch schon für den Privatgebrauch.

3. 3D-Printing erobert immer mehr Anwendungsbereiche
Das Thema "3D-Printing" entwickelt sich in großen Schritten weiter. Mittlerweile gibt es Drucker, die mit Karbon oder sogar Titan drucken können. Ein aus Titan gedruckter Fahrradrahmen hat mich besonders beeindruckt. Aber auch Essen und menschliche Organe und Prothesen scheinen für diese Technologie kein Problem darzustellen.

4. Alles wird in Zukunft gemessen
Die Bereiche "Sport" und "Healthcare" finden ihre neue Schnittstelle mit einer großen Anzahl von Wearables und Services, um die Aktivitäten von Menschen immer genauer zu tracken. Mit "Under Armour" präsentierte sich einer der großen Player der Sportartikelbranche hier besonders ambitioniert. Aber auch viele kleinere Anbieter, die beispielsweise Systeme für Fußballer (Messung aller Bewegungsparameter) oder Extremsportler (z.B. zur Messung von Flughöhe, -weite und -dauer von Kite- und Windsurfern oder Snowboardern) und zur Optimierung von Bewegungsabläufen (Tennis, Golf, Baseball etc.) anbieten, waren dort zu sehen. Ob Ohren, Gehirn oder Füße, nahezu alle Körperteile können mittlerweile zur Erfassung von Daten genutzt werden. Geräte zur Erfassung der Kalorien runden das Spektrum ab und nicht nur am Tag, sondern auch beim Schlafen, während der Nacht, können Daten erfasst und daraus Empfehlungen für eine gesündere Lebensweise generiert werden.

5. Alles wird in Zukunft miteinander verbunden
Ein weiterer Trend, der sich wie ein roter Faden durch die CES zog, war das Thema "Connectivity". Der US-amerikanische Unternehmensberater und Futurist Shelly Palmer, der übrigens auf der CES Führungen in den Preiskategorien von 1.500 bis 20.000 $ (Privatführung) anbot, fasst das Phänomen in seinem Blog wie folgt zusammen: "Everything, that can be connected will be connected."

Am Beispiel der Küche von Morgen lässt sich dieser Trend besonders gut veranschaulichen. Der Kühlschrank, das virtuelle Rezeptbuch, die Körperdaten der Familie, die Verkehrslage und die Stundenpläne der Kinder bzw. die Kalender der Eltern kommunizieren miteinander und geben im Livemodus angepasste Empfehlungen für das Frühstück: "Da sich der Verkehr auf der xyz-Road heute staut, sollte Tony heute einen Bus früher nehmen und sein Frühstück im Bus essen. Er könnte z.B, eine Banane und einen Joghurt mitnehmen."

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Smartphone seine Funktion als verbindendes Element und seine Rolle als Fernbedienung für das Leben auf absehbare Zeit beibehalten oder sogar ausbauen wird.
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    (Bild: Michael Trautmann)
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    (Bild: Michael Trautmann)
Wer tummelt sich auf der CES: Wie ist das Verhältnis Werbungtreibende / Agenturvertreter?
Angesichts von fast 170.000 Besuchern ist das für mich schwer abzuschätzen. Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Besucher zur Kategorie "Buyer", also den Einkäufern, gehört. Nicht alles, was auf der CES gezeigt wird, ist wirklich innovativ. Vieles ist vielmehr das, was sich in (amerikanischen) Handelsgeschäften in der Kategorie "Unterhaltungselektronik" findet. Für Agenturen gab es mit dem sogenannten "C-Space" einen eigenen Bereich, der nicht nur für meinen Geschmack noch deutlichen Verbesserungsbedarf hat, damit sich die Besucher hier gerne und lange aufhalten. Die Autoindustrie hat die CES für sich entdeckt und die Hersteller und bedeutenden Zulieferer schicken mittlerweile große Teams zur CES. Für Investoren gibt es ebenfalls einen Grund, nach Las Vegas zu kommen. In einem eigenen Bereich präsentieren sich hunderte von Startups mit ihren Ideen und Produkten.Wie können Sie das, was Sie auf der CES gesehen haben, für Ihr alltägliches Business nutzen?
Diese Frage stellen Sie mir am besten noch einmal am Ende des Jahres, aber ich bin mir sicher, dass ich Ihnen dann einige Beispiel nennen kann. Ganz konkret werden uns die Learnings auf der CES helfen, unser neues Hamburger Büro, das wir im April beziehen, noch besser zu gestalten.

Wie beurteilen Sie die CES im Vergleich zu den Cannes Lions: Welches Event ist für die Werbeindustrie relevanter?
Für die Kreativen ist und bleibt Cannes die Referenzveranstaltung. Planner und Kundenberater und auch die anderen Funktionsträger (Media, Producer etc.) einer Agentur sind gut beraten, auch die CES auf die Liste der wichtigen Veranstaltungen zu nehmen.

 
Warum wäre es aus Ihrer Sicht wünschenswert, wenn mehr Werber aus Deutschland nach Las Vegas reisen würden?
Für uns Werber ist der Blick in die Zukunft immens wichtig und ich denke, dass der Termin gleich zu Beginn des Jahres hilft, den Kollegen zu Hause eine Menge Denkanstöße und Inspiration mit auf den Weg ins neue Jahr zu geben. Die Fragen formulierte Ingo Rentz
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