Coke vs. Pepsi So beurteilen deutsche Top-Werber die globalen Fußball-Kampagnen

Dienstag, 08. April 2014
Coke setzt in seiner WM-Kampagne auf Gemeinschaftsgefühl, Pepsi auf Lionel Messi
Coke setzt in seiner WM-Kampagne auf Gemeinschaftsgefühl, Pepsi auf Lionel Messi


Vergangene Woche haben Fifa-Sponsor Coca Cola und dessen großer Rivale Pepsi ihre weltweiten Fußball-Kampagnen gelauncht. Wie eigentlich immer bei den beiden Getränkeherstellern spielen Musik und Lebensfreude in den Auftritten eine große Rolle. Doch welche der beiden Kampagnen vermag mehr zu überzeugen? HORIZONT.NET hat deutsche Top-Werber um ihre Meinung zu den globalen Spots gebeten.

Hier die globalen Fußball-Spots von Coca-Cola und Pepsi:




Das sagen die Agenturverantwortlichen:

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Torben Hansen, Geschäftsführender Gesellschafter Philipp und Keuntje

Pepsi holt die Trophäe, vermittelt die WM-Stimmung mit leichterer Hand, unverkrampfter - da kommt schon ein Hauch brasilianischer Lebensfreude rüber. Obwohl sie "Heroes" von Bowie ziemlich verunstaltet haben.

Coke schießt dramatisch über das Ziel hinaus - es musste wieder die GANZE Welt sein; man brauchte Fukushima und Ramallah gleichermaßen, um wirklich moralisch erhaben genug zu sein. Und in der Mitmach-Aktion zur Happiness-Flagge wird einfach zu viel darauf herumgeritten, wie großartig die Idee doch sei, dass wirklich JEDER dabei sein könne (als Bild auf einer Werbeflagge, danke sehr). Verflixt - es ist doch nur eine kleine braune Brause, bürdet ihr doch nicht die Last auf, die GANZE Welt glücklich machen zu müssen! Ein Krisenlöser ist das Getränk beim besten Willen nicht - mit gutem Willen vielleicht ein Tröster, denn Zucker ist immer auch Trost. Aber Happiness kommt nicht mehr rüber, wenn man zu staatstragend werden will. Habt mehr Spaß und weniger Weltrettungs-Anspruch beim Ausdenken, trinkt ne Pepsi, werdet locker...



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Ralf Heuel, Geschäftsführer Kreation/Partner Grabarz & Partner

Die Frage "Welche Marke sorgt für die bessere WM Stimmung" ist natürlich eine heikle. Weil es für mich gar nicht darum geht. Jeder WM-Sponsor versucht gerade, mich irgendwie in eine WM-Stimmung zu versetzen (Torjubel, Konfetti, Fankurven!) - aber kaum einer schafft es, die WM wirklich neu und spannend mit der eigenen Marke zu verknüpfen und in dem ganzen LaOla-Einheitsbrei wirklich aufzufallen. Vergleiche ich beide Auftritte, macht Pepsi vielleicht ein wenig bessere Stimmung. Der Spot ist leichter verdaubar, fröhlicher, aber auch belangloser. Coke dagegen macht es klüger. Denn Coke schafft es, die WM (und damit die eigene Marke) mit etwas Eigenem aufzuladen: Mit Haltung, Sinnhaftigkeit, und mit einer Botschaft, die auf einem schlauen Insight basiert viel größer ist als nur gute Laune und schwarze Brause. Pepsi ist Me-Too, Coke ist Substanz. Übrigens genau so, wie ich beide Marken in meinem Kopf und Bauch einordne.



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Stefan Schmidt, Mitinhaber Dieckert Schmidt

Beide Filme sind nett anzuschauen. Aber Pepsi ist doch in Wirklichkeit ein Film über Musik (eigentlich Pepsis Kernthema). Der Protagonist sollte besser zu einem Konzert gehen. Nicht auf einen Bolzplatz, wo nur alle so irgendwie rumhüpfen. Die Fußballer auf seinem Weg machen auch recht wenig Sinn. Der Film von Coke hingegen ist durch und durch Fußball. Und das macht den Fußballverrückten in mir auch mehr an. Weltklasse ist der Claim des Films: "This is the world's cup. Everybody is invited."



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Stefan Wübbe, Geschäftsführer Kreation Kolle Rebbe

Coca Cola hat vieles richtig gemacht: ein großer Gedanke ("Everybody's invited"), eine schöne Storyline und tolle Bilder von Menschen aus den Randzonen unserer Welt. Die Frage ist nur, wollen wir diese Art Sozial-Projekte zur WM sehen? Und wollen wir dem milliardenschweren Getränkekonzern diese Geschichte glauben? (Warten die Eingeladenen jetzt in einer Hotellobby bis die WM anfängt?)

Na gut, Pepsi hat auch nicht Neues erfunden. Ein YouTube-Star, ein netter Soundmix, ein paar Superfußballer und ein bisschen WM-Vorfreude in Rio. Der Punkt ist, dass Pepsi gar nicht unter die Oberfläche einer WM-Stimmung will. Reicht das nicht für eine Brause? Fragen wir doch einfach YouTube. Aktueller Spielstand: 2.615 : 581 Likes für Pepsi.



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Michael Weigert, Geschäftsführer WeigertPirouzWolf

Vielleicht liegt's ja daran, dass der HSV noch im Abstiegskampf steckt und ich mich deshalb noch nicht so auf die WM konzentrieren kann. Aber so richtig World Cup-reif ist für mich keiner der 3 Filme. Am besten gefällt mir noch der internationale Cola Spot. Eine innere La Ola kommt zwar auch nicht auf, aber der Film berührt und nähert sich dem Thema WM doch auf eine angenehm andere und nachdenkliche Art. Pepsi ist mir zu banal. Brasilien-Klischees, die immer gleichen Fußballer Tricks und was "Heroes" von David Bowie dann mit südamerikanischer Lebensfreude zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Cola national ist mir zu platt. Die Message, dass Fußball für die Fans ist und nicht für böse Business Seats-Besitzer, ist ja nun schon mehrere Jahre durch. Fazit: Diese drei Spots gehören nicht zu meinen Favoriten auf den Titel!

Umfrage: Miriam Hebben und Ingo Rentz
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