Cheil-Kreativchef Rudolf "Content Marketing ist ein schlimmes Buzzword"

Dienstag, 18. April 2017
Roland Rudolf ist Chief Creative Officer für die Regionen D/A/CH und Nordic
Roland Rudolf ist Chief Creative Officer für die Regionen D/A/CH und Nordic
Foto: Cheil

Die Schwalbacher Agentur Cheil gehört nicht gerade zu den lautesten der Branche. Dabei hat der deutsche Ableger der koreanischen Networkagentur allen Grund, selbstbewusst zu sein: Im BVDW-Ranking der kreativsten deutschen Digitalagenturen kletterte Cheil dieses Jahr auf Platz 3 und folgt damit auf Serviceplan und Jung von Matt. Und in Sachen VR-Marketing gibt die Truppe ohnehin schon lange den Ton an. Im HORIZONT-Interview spricht Kreativchef Roland Rudolf über…

… Cheils Verständnis von Kreativität

Wir definieren Kreativität wahrscheinlich etwas anders. Das fängt schon damit an, dass es bei uns in der Agentur keine Kreationsabteilung gibt. Bei uns heißt das Ideation und hier arbeiten Strategen, UX-Designer, Content-Entwickler und Technologen in einem eigens dafür entwickelten Arbeitsprozess gemeinsam an Projekten. Dabei lautet unser Ziel stets, Branded Interaction für unsere Kunden in den Fokus unserer Lösungen zu setzen.

… den Status quo der deutschen Digitalwerbung

Kreative müssen viel mehr zu Problemlösern im Business-Bereich werden, indem sie relevante Anwendungen für die Konsumenten entwickeln. In Deutschland ist der Markt immer noch zu sehr zweigeteilt: Auf der einen Seite stehen diejenigen, die gut darin sind, Plattformen und Applikationen zu entwickeln. Auf der anderen die Geschichtenerzähler. Es geht darum, beides zu kombinieren. Das gelingt zu selten. Deshalb haben wir im internationalen Vergleich auch Nachholbedarf. Die wirklich relevanten Lösungen für den Konsumenten sind oftmals noch zu technisch gedacht. Es gibt viele tolle und richtig gute Ansätze, denen aber oft ein wirklich guter Konsumenten-Insight fehlt.

… das verstärkte Engagement von Cheil bei Kreativshows

Einem Data Analyst oder Developer ist es herzlich egal, ob wir Cannes-Löwen gewinnen oder nicht. Aber diese Mitarbeiter sind ein wichtiger Teil unserer Ideation. Mit echten Arbeiten Preise zu gewinnen, ist eine Sache. Vor allem aber wollen wir eine attraktive Infrastruktur für Arbeitnehmer schaffen. Unsere niedrige Fluktation zeigt, dass uns das offenbar gut gelingt.

… den Stellenwert von VR-Marketing

Wir stehen alle noch ganz am Anfang, was VR im Marketing betrifft. Da sind wir zum Teil noch auf der Experimentierebene. In den nächsten Jahren wird sich das massiv ändern. Da bin ich mir absolut sicher. Die Technologie schreitet so schnell voran, dass sie bald Einzug in unseren Alltag halten wird. Gemeinschaftliche VR-Erlebnisse sind die Zukunft. Wir arbeiten auch gerade an einer Studie, die den Status quo von VR aufzeigt. Ein Ergebnis daraus zeigt uns: Wer sich mit VR beschäftigt, sollte nicht versuchen, die Realität zu kopieren, sondern ein Erlebnis schaffen, das darüber hinausgeht. Also etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann.

… Creative Data und Content Marketing

Creative Data ist ein Riesenfeld, mit dem sich Kreative noch viel intensiver auseinandersetzen müssen, denn aus Daten ziehen wir Insights und daraus schaffen wir relevante Lösungen für den Verbraucher. Daneben beschäftigen wir uns sehr stark mit Programmatic Advertising und Retail Experiences. Content Marketing ist hingegen ein schlimmes Buzzword, über das blödsinnige, philosophische Diskussionen geführt werden. Es geht hier doch letztlich nur um Inhalte für Marken – und die sind entweder sinnstiftend oder dienen der reinen Unterhaltung. bu 

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Das gesamte Interview mit Roland Rudolf lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 15/2017 vom 13. April, die auch auf Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

 

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