Cannes Veteranentreff an der Croisette: Was die Cannes-Juroren vom diesjährigen Kreativfestival erwarten

Mittwoch, 12. Juni 2013
Diese deutschen Juroren fahren nach Cannes
Diese deutschen Juroren fahren nach Cannes

Am Wochenende öffnet das weltweit größte Kreativfestival in Cannes seine Pforten. Die 14 deutschen Juroren haben sich zum Teil bereits auf den Weg zur Côte d Azur gemacht. Auf sie wartet eine wahre Mammutaufgabe: In diesem Jahr wurden 35.764 Arbeiten eingereicht Rekord! Verteilt sind diese auf insgesamt 16 Kategorien. 12 davon sind mit deutscher Beteiligung. HORIZONT.NET hat sich unter den deutschen Juroren umgehört, wie Ihre Erwartungen an den Festival sind.

Cyber Lions: Elke Klinkhammer, Executive Creative Director, Razorfish

Elke Klinkhammer
Elke Klinkhammer
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Eine gewisse Branchensicht ist sicherlich gegeben, schon durch meine Arbeit und unseren Anspruch bei Razorfish. Dieses Jahr helfen mir zudem meine Studenten und zeigen im Vorfeld ihre persönlichen Cannes Löwen. Bin gespannt wer den richtigen Riecher hat.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Einer internationalen Delegation anzugehören, die mehrere Tage über Kreativität und Innovation diskutiert ist grandios.

In den vergangenen Jahren haben die hiesigen Agenturen bei den Cyber Lions eher bescheiden abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Natürlich bilde mir ein die meisten deutschen Arbeiten zu kennen und sicher landet die ein oder andere auf der Shortlist. Allerdings lasse mich gerne von neuen und ungesehenen Ideen überraschen.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass Sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Tatsächlich bin ich begeistert von einigen Projekten und der Entwicklung in der digitalen Kommunikation. Es entstehen neue Produkte statt die Werbung dafür und die Menschen (User) sagen, was sie wollen und was für ihr Leben Sinn macht. Ob diese Ideen punkten, werden wir sehen. Da das Voting bereits läuft möchte ich mich über Arbeiten nicht äußern, nur soviel: Eine Arbeit aus Deutschland ist spannend und eine vom schönsten Ende der Welt.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Genau diese.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Das Cannes Festival zeigt das große Ganze, das big picture. Die Anzahl der Einreichungen ist extrem hoch, was nichts über die Qualität aussagt, aber die Relevanz der Sache. Dass Experten tagelang vor Ort diskutieren ist Premium. Es gibt aber durchaus Veranstaltungen, die eine andere Sicht der Dinge erlauben vielleicht experimenteller sind und relevante Tendenzen zeigen, wie SXSW oder die Webby's. Und das ist auch gut so.

Design Lions: Heinrich Paravicini, Geschäftsführer Kreation Mutator

Heinrich Paravicini
Heinrich Paravicini
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Indem ich mich jeden Tag darauf freue, bald wieder Rosé im richtigen Ambiente zu trinken. Und: nein, ich schaue mir nicht jetzt schon Arbeiten an, es werden dort tausende zu begutachten sein.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Auf die intensiven Diskussionen mit den internationalen Kollegen, das macht für mich die Zeit in Cannes aus. Man lernt Arbeiten aus ganz anderen Blickwinkeln zu sehen und öffnet seine Augen für ganz andere Kriterien. Was einem Deutschen gefällt, muss einen Brasilianer oder Südafrikaner noch lange nicht begeistern.

In den vergangenen Jahren haben die hiesigen Agenturen bei den Design Lions stets sehr gut abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Ich hoffe schon, wir haben jedenfalls mehrere Sachen eingereicht. Verdient hätte es das deutsche Design allemal, aber Asien wird wieder sehr stark sein.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Zum einen Arbeiten, die wahrhaftig und anfassbar sind und mich nicht nur als Kreativen, sondern als Mensch faszinieren - gerne auch völlig undigital. Zum anderen Arbeiten, die technologisch ganz weit vorne sind, mich inspirieren und neue Geschichten entstehen lassen.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Letztes Jahr gab es über 6000 Arbeiten bei den Design Lions von Packaging bis zu innovativen digitalen Installationen, vor Jahren wurde das weltweite neue Corporate Design für Coca Cola mit einem Grand Prix bedacht - ich denke das spricht für sich. Für mich sind die Design Lions international inzwischen der wichtigste kreative Design Award.

Welche Bedeutung messen Sie dem Event für die Designszene zu? Da es die Design Lions noch keine zehn Jahr gibt, ist hier noch Potential nach oben. Aber bei der Relevanz der Einreichungen und der internationalen Bandbreite wird der Widerhall in der Branche früher oder später kommen. Genauso wie sich Werbung für Designthemen öffnet, sollten Designer sich auch für die Kreativszene öffnen - wir sind relevanter geworden, aber trauen uns den großen Auftritt noch nicht zu.

Direct Lions: Alex Schill, Chief Creative Officer Serviceplan-Gruppe

Alex Schill
Alex Schill
Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen?
Ich möchte klare, einfache Ideen sehen und nicht solche, die aus jedem Loch pfeifen, nur weil es technisch möglich ist.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Für mich sind die Cannes Lions nach wie vor die Mutter aller Festivals, da die Veranstaltung und die Sessions mittlerweile eine mindestens so wichtige Bedeutung haben wie die eigentlichen Auszeichnungen.

Film Craft Lions: Sebastian Strasser, Regisseur Radical Media / Stink / Wanda

Sebastian Strasser (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Sebastian Strasser (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Da ich inmitten von langen Dreharbeiten bin, bleibt keine Zeit sich vorzubereiten. Zudem ist das glaube ich nicht nötig. Alle Jurymitglieder werden sich in Cannes zusammensetzen und die über 2000 Arbeiten gemeinsam anschauen, sortieren und analysieren. Ich habe heute eine Email von unserem Jurypräsidenten Joe Pytka bekommen, darin erwähnt er, dass er sich im Vorfeld den Film "Die 12 Geschworenen" ansehen wird - eine lustige Anspielung auf die spannenden Debatten, auf die wir uns in Cannes freuen dürfen.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Auf meine Jurykollegen. Das sind alles sehr spannende Persönlichkeiten aus unserem Business. Außerdem war ich einige Jahre nicht mehr in Cannes, auch dann nicht, als ich selbst Löwen gewonnen habe. Das Drumherum war nie so richtig mein Ding. Aber diesmal gibt mir die Jury einen guten Grund, hin zu fahren und da ich mittlerweile zudem sehr viele spannende und nette Menschen aus unserer Branche kenne, freue ich mich natürlich, sie alle wieder zu sehen.

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Agenturen bei den Film und Film Craft Lions miserabel abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Ich habe keinen Überblick über die deutschen Einsendungen, kann also keine Prognose dazu abgeben. Es bleibt mir nur zu hoffen dass es gut geht.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Mutige, unangepasste Arbeiten, die den Zuschauer nicht beleidigen, indem sie sich bei ihm anbiedern, sondern ihn respektvoll herausfordern und mit besonderer Kreativität beschenken. Kein süsslicher, klischeehafter Babybrei. Sondern merkfähige Arbeiten von Rebellen, Visionären und Querdenkern, die die weltweite Werbung wieder nach vorne bringen.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Die Frage gibt es auch in der Filmbranche. Da sind die Oscars die Größten und bekommen die größte Beachtung. Sie ergeben aber sicherlich nicht das beste Filmfestival. Allgemein kann man sagen, dass ein Festival in seiner Auswahl so gut ist wie seine Jury. Diese muss in der Lage sein, sich nur ihrem eigenen hohen Anspruch zu beugen und jede Art von Politik zu vermeiden. Cannes hat in unserer Branche sicherlich die größte Beachtung. Ist die Jury dieses Jahr auch sehr gut und entscheidet allein nach Qualitätskriterien, dann ist das wahrscheinlich auch das beste Festival. Ich persönlich habe schon immer am meisten nach Cannes geschielt. Meine Kinder allerdings finden die großen Engel aus London (LIA) viel schöner.

Film Lions: Guido Heffels, Geschäftsführer Kreation Heimat

Guido Heffels (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Guido Heffels (Foto: Björn-Arne Eisermann)
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Gar nicht. Denn wer in der Jury sitzt, der sollte ja schon irgendwie drin sein, wissen was läuft etc. Das kann man nicht mit Schnappatmung in ner Woche nachholen.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Über die Jahre haben sich über all die Jurys hinweg einige globale Freundschaften entwickelt. In Cannes sind die meisten von diesen zugegen. Das ist ein wenig wie ein Veteranentreff. Die größte Freude erzeugen bei mir jedoch die Werbefilmproduktions-Drückerkolonnen, die zum Abendessen ins nahe Geramond, Blanchet oder Mon Cherie einladen, wo dann auch der Regisseur XY zugegen ist, den man natürlich unbedingt kennenlernen muss. Das ist mein Größtes.

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Agenturen bei den Film und Film Craft Lions miserabel abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Es wird weitaus besser sein als 2012. Dafür reicht ja schon ein Löwe für Deutschland. Das sollte drin sein.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass Sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Dumb ways to die , Southern Comfort - ganz klare Gewinner. Aus Deutschland sicher der Smart-Spot Gelände . Die letzten Saturn-Spots Jamaika und Kneipe , die mag ich sehr gern.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Arbeiten, die mehr sind als nur ein Werbefilm. Arbeiten, die mehr sind als Lachnummern, sondern tiefer gehen und wirklich etwas bewegen, jenseits des Wohnzimmers. Filme, die sperrig sind, nicht jedem gefallen, aber anderen dafür um so mehr. Meistens ist das nicht der Fall. Einen Cannes-Film-Löwen gewinnen, das heißt auch im Idealfall die größtmögliche Oberflächlichkeit zu inszenieren. USPs, die weltweit verstanden werden, nichtsdestotrotz aber total profan sind: "Klimaanlage - kalt", "Auto - schnell", "Käse - lecker". "Kleber - fest". Das liest sich, als würde man mit 4-Jährigen kommunizieren.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? 2002 stand mein diesjähriger Jurypräsident John Hegarty einmal mit Badeschlappen und Shorts vor mir im Carlton Hotel. Das sollte hoffentlich gut zehn Jahre später kein Thema mehr sein.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Cannes war einmal ein Film-Festival, nun ist es ein komplexer Werbezirkus geworden.
23 Leute sitzen in meiner Film Jury, die sich einigen müssen, hmmm, das kann ja nur zum größten gemeinsamen Nenner führen. Bin mir nicht sicher, ob das wirklich die Spitzen, eben Dinge, das immerhin weitaus ausgabenintensivste Medium weiterbringen, zu Tage fördert. Bei den Clios und den LIAAs sitzen so um die 8 Leute, das führt logischerweise zu sehr individuellen Ergebnissen, was ich extrem begrüße. Sonst bestätigt das eine Festival ja nur noch die Ergebnisse des anderen. Das kann nicht Sinn und Zweck der Award Shows sein.

Media Lions: Sven Traichel, CEO Havas Media Group Deutschland

Sven Traichel
Sven Traichel
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Wir sind gut beschäftigt bei Havas Media, ein spezielles Vorbereitungsprogramm ist daher nicht geplant. Wir als Media Jury Delegierte haben uns auf Guidelines verständigt, wie wir die Einreichungen bewerten werden, um die besten Arbeiten zu ermitteln. Im Vorfeld gibt es auch mehr Anfragen von Presse und Medien an mich.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freue mich am meisten darauf, innerhalb meiner Jury-Tätigkeit viele interessante und inspirierende Menschen und Cases kennen zu lernen.

In den vergangenen Jahren haben die hiesigen Agenturen bei den Media Lions ganz ordentlich abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Ich freue mich auf viele deutsche Beiträge, ähnlich wie letztes Jahr die Einreichung von AM und Havas Media für die Sparkasse.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Aus unserem Havas-Netzwerk ist die neue Evian-Kampagne Baby & me von BETC sicher ein heißer Kandidat.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Arbeiten, die der veränderten Mediennutzen Rechnung tragen und zu messbaren Erfolgen für die Werbungtreibenden geführt haben.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Die Anziehungskraft von Cannes ist mit Abstand die stärkste, daher werden alle guten Arbeiten weltweit angezogen und finden sich in Cannes. Da die Qualität des Festivals über die Qualität der Arbeiten bestimmt wird, halte ich es auch für das beste Festival.

Welche Bedeutung hat das Event für die Mediazene? Der Event ist für die Mediaszene vielleicht weniger ein Schaulaufen als für die Kreativagenturen, aber als Inspiration durch die besten Media-Lösungen weltweit natürlich ebenfalls sehr wichtig.

Mobile Lions: Dirk Freytag, CEO YOC

Dirk Freytag
Dirk Freytag
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Wir hatten schon einige Hausaufgaben zu erledigen wie beispielsweise alle Einreichungen einmal ansehen. Das sind allein im mobilen Bereich mehr als 300. Ich habe jetzt eine ganze Menge neue Apps und versuche einige zu nutzen. Jede Einreichung hat ein Video, das zwischen 1 und 4 Minuten lang ist sowie zusätzliches Material. Das hat mich schon einige Zeit gekostet. Einige Einreichnungen habe ich zusammen mit meinen Kindern angesehen und konnte schon mal üben, meine Bewertung zu rechtfertigen.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Das Cannes Feeling mal von einer anderen Seite kennen zu lernen. Ich bin das erste Mal als Jury-Mitglied in Cannes. Wir sind die ersten vor Ort und haben unseren Job getan, wenn der Rest kommt. Spannend wird natürlich auch zu sehen, wie das Publikum auf unsere Wertung reagiert. Das ist bei so einem internationalen Festival schon sehr besonders.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Mobile Lions sehr gut abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Natürlich wünsche ich mir das, aber ich habe im Vorfeld einige tolle Kampagnen gesehen und kann nur sagen, dass es sehr schwer werden wird. Einige Einreichungen aus Australien oder US haben mich wirklich umgehauen.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Ja, es gibt drei Kampagnen, die für mich ganz vorn sind. Ich darf leider nicht verraten welche. Am meisten beeindruckt haben mich Kampagnen, die Elemente verbinden, die wir mobil täglich benutzen. Zum Beispiel eine Einreichung, die dem User das Bild des Hauses, vor dem er gerade steht, über Google Maps zeigt und das mit der Kampagne kombiniert - super! Auch gibt es eine Reihe an Kampagnen, die Foursquare in einer Art und Weise einbinden, die einfach beeindruckend ist.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Kampagnen, die die User ansprechen und nur über Handys funktionieren. Das Handy wird das verbindende Element für die Werbung der Zukunft. Ich habe einige Kampagnen gesehen, die klar in diese Richtung gehen. Die will ich auf dem Treppchen sehen.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Cannes verbindet die Werbewelt und fördert den intensiven Austausch. Das ist einmalig und damit das Beste.

Outdoor Lions: Armin Jochum, Vorstand Kreation Thjnk

Armin Jochum
Armin Jochum
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Ich beschäftige mich intensiv mit den Lebensläufen und Arbeiten meiner Mitjuroren. Wir verbringen eine sehr intensive Woche in dunklen, stark klimatisierten Räumen miteinader- da finde ich es respektvoll und angemessen, mindestens zu wissen, wer da neben einem sitzt. (Für Jungelcamp-mäßige Gesprächstherapie bleibt da nämlich erfahrungsgemäß wenig Zeit.)

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freue mich auf die Jury. Und ein frisch gezapftes Paulaner im Martinez.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Outdoor Lions sehr gut abgeschnitten - es gab sogar einen Grand Prix für Ihren Ex-Arbeitgeber Jung von Matt. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Das ist schwer vorherzusagen. Outdoor ist eine der Kategorien, die jedes Jahr inhaltliche Quantensprünge macht. Vor wenigen Jahren waren da nur Plakate - heute geht es auch um spektakuläre Inszenierungen, die man oft in anderen Kategorien vermuten würde.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Nein.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Wie immer: Arbeiten die zeigen, wo der Hammer hängt. Dafür ist Cannes gemacht.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Cannes ist immer noch mit Abstand die härteste Währung. In Cannes auf der Shortlist zu stehen, bedeutet wirklich etwas. Und es ist das einzige Festival, bei dem man, unabhängig davon, ob man etwas gewonnen hat, wirklich schlauer nach Hause fährt. Das gilt natürlich auch für Thjnk. Das ist unser erstes Jahr in Cannes nach unserem Start. Wir sind mit ersten Arbeiten dabei - Arbeiten, die für uns große Bedeutung haben, weil sie für einen neuen Kurs unserer jungen Agentur stehen. Wir üben uns in Geduld und Demut. Alles andere wäre, zumindest aus meiner Sicht, nicht nachvollziehbar.

PR Lions: Mirko Kaminski, CEO Achtung Kommunikation

Mirko Kaminski
Mirko Kaminski
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Ich fühle mich eigentlich durch Lissabon und das Eurobest Festival im vergangenen Jahr sehr gut vorbereitet. Da war ich bereits Jurymitglied und habe mir offenkundig keine großen Schnitzer geleistet. Die Abläufe der Juryarbeit sind in Lissabon ähnlich. Nur hat es im Vergleich zu Cannes halt ein bisschen was von Miniaturwunderland. Weniger Einreichungen, weniger Juroren, weniger Referenten, weniger Teilnehmer. Familiärer, aber gerade deshalb eine gute Vorbereitung.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freue mich schon jetzt auf diesen Inspirations-Flash, der einen im Innersten erzittern lässt. Das ist der Moment, in dem du innerlich all das Beobachtete verdichtest, für Dich interpretierst und dann genau weißt, was du ab jetzt noch besser machen kannst und solltest.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den PR Lions ein respektables Ergebnis abgeliefert. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Deutschland wird gut dastehen. Auch weil immer mehr deutsche Agenturen immer besser verstehen, wie die Gestalt eines Projekts und die Gestalt der dazugehörenden Bewerbung beschaffen sein müssen, um gewinnen zu können. Allerdings gehören noch zu wenige PR-Agenturen dazu. Bewerbungen von Werbeagenturen dominieren die PR-Kategorie.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Dazu möchte ich noch gar nicht viel sagen. Nur soviel: Mir sind mehrere aufgefallen. Und sie alle eint, dass sie maximal emotional inszeniert sind und sich die Kernidee in einem Objekt manifestiert. Im Epizentrum steht stets immer etwas Greif- und Anfassbares.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? In der Kategorie "PR" möchte ich die Projekte und Kampagnen auf dem Siegertreppchen sehen, die sich tatsächlich kreativer PR-Mechaniken bedient haben und deren Kernidee wirklich PR-DNA in sich trägt. Ich habe Bewerbungen gesehen, die offenbar nur deshalb in der Kategorie "PR" eingereicht worden sind, weil da auch irgendwo am Rande auch ein Zeitungsartikel erschienen ist. Wenn aber im Zentrum eine Werbekampagne steht, die so kreativ ist, dass Medien darüber berichten, dann ist es auch und trotz Medienberichterstattung noch lange keine PR.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Ich könnte jetzt versuchen, auf cool und abgebrüht zu machen. Tue ich aber nicht. Ich bin echt aufgeregt und nervös. Cannes-Juror!? Wow! Ich habe tierischen Respekt davor.

Welche Bedeutung messen Sie dem Event für die PR-Branche im Allgemeinen zu? Die Bedeutung nimmt zu. Muss sie auch. Das haben nur noch nicht alle PR-Agenturen erkannt.

Press Lions: Dörte Spengler-Ahrens, Geschäftsführerin Kreation Jung von Matt/Fleet

Dörte Spengler-Ahrens
Dörte Spengler-Ahrens
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Ich tue alles, um am 13. Juni entspannt und frisch dort einzutreffen. Ich bemühe mich auch, alle freundlich und unaufgefordert zugesandten Publikationen mit Arbeiten, insbesondere aus Südamerika, zu ignorieren, um mir einen frischen, unvoreingenommenen Blick zu erhalten.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freue mich sehr auf den Austausch mit großartigen Kollegen aus aller Welt. Ich habe das große Glück und die Ehre, im Jubiläumsjahr dort zu sein, und das verheißt namhafte Jury-Vorsitzende wie Marcello Serpa in meinem Fall und andere große Namen. Nicht freuen tue ich mich auf die eiskalten Räume.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Press Lions mittelmäßig abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Es gibt oft noch Überraschungen, Arbeiten, die zum ersten Mal in Cannes zu sehen sind und von dort ihre Award-Show-Rundreise starten.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Herausragende, im Sinne von Impact-starke Arbeiten - Impact auf die Betrachter - nicht ausschließlich auf Award-Juroren.

Sind Sie traurig, dass Ihre Agentur Jung von Matt in diesem Jahr keine Arbeiten im Rennen hat? Traurig trifft es nicht wirklich. Die Juryarbeit ist ja genauso spannend. Natürlich ist während des Festivals der Adrenalinausstoß etwas geringer, wenn man nicht am Wettbewerb teilnimmt. Aber mit der Perspektive auf die nächste Festivalsaison lässt sich das ganz entspannt aushalten.

Print ist eine Kategorie, die zumindest hierzulande inzwischen recht stiefmütterlich von den Kreativen behandelt wird. Wie beurteilen Sie die Entwicklung dieses Mediums? Print ist ein tolles Medium, das imagebildend und impactstark sein kann wie kein zweites - gerade im Automobil-, Kosmetik- und Modebereich ist es extrem wichtig. In den Award Shows ist es immer noch eine der einreichungsstärksten Königsdisziplinen. Die Zurückhaltung kommt auch oft daher, dass diese Kategorie wahnsinnig schwer zu gewinnen ist, weil es schon so viel Gutes gab. In den etwas jungfräulicheren Kategorien kann eine innovative Media-Idee oder eine witzige App schneller punkten.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Cannes ist für Kreative wie die Olympischen Spiele für Sportler oder die WM für Fußballer. Hier einen goldenen Löwen zu gewinnen, das ist immer noch der Gipfel einer kreativen Laufbahn beziehungsweise für manche immer wieder kehrende Herausforderung.

Promo & Activation Lions: Arno Lindemann, Geschäftsführer Kreation Lukas Lindemann Rosinski

Arno Lindemann
Arno Lindemann
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Gar nicht. Ich will so unverkrampft und unbelastet wie möglich in die Jury gehen. Und will mich überraschen lassen. Außerdem kann man sich gar nicht vorbereiten. Tolle Arbeiten aus der ganzen Welt zu kennen gehört zu unserem täglichen Brot, also das allein kann es eh nicht sein!

Worauf freuen Sie sich am meisten? Am meisten freue ich mich all diese internationalen Kreativgeister zu treffen und die Vorträge von Sean Combs, Conan O Brian und Jack Black! Es ist in den Jurytagen wirklich konzentrierte Arbeit in dunklen, schlecht klimatisierten (also viel zu kalten Räumen) - das ist schon ein kleiner Wehrmutstropfen.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Promo & Activation Lions ganz ordentlich abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Da wir generell viel mehr über involvierende Arbeiten für unsere Kunden nachdenken, denke ich, dass wir uns auch dieses Jahr nicht verstecken müssen.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Ich bin mir sicher, dass wir wieder eine ähnlich außergewöhnliche Arbeit wie Amex Small Business Saturdays sehen werden, aber welche das ist, sag ich erstmal nicht. Das gehört sich nicht!

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Ich will allem Metall geben, was einen berührt und einfach umhaut/ überrascht- es muss zwingend sein und das spürt man sofort. Wenn es dann auch noch handwerklich perfekt umgesetzt ist, hat eine solche Arbeit gute Chancen, weit zu kommen. Das gilt aber für alle Kategorien. Es sind meist die Ideen, die man sofort weiter erzählen möchte, weil man so angetan ist.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? Ob es FAKE ist oder nicht. Jeder spürt, ob die Arbeit eine Relevanz hat oder nicht. Aber wir bewerten Ideen - Cannes ist da manchmal auch wie eine Prototype Car Show! Gott sei dank weiß man auch meist nicht, wie verbreitet eine Arbeit aus Mumbai wirklich war. Aber wenn die Idee grandios ist, dann wünschte man doch, die hätten das Geld, sie weit zu streuen, oder etwa nicht? Also!

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Cannes sind die Oscars der Werbung. Das war auch schon immer so und in diesem Jahr wird der Award 60 Jahre alt und nur das Who is Who ist dort in der Jury. Es ist eine große Ehre und besondere Verantwortung dort zu jurieren. Für mich ist und bleibt Cannes DIE Messlatte!

Promo & Activation Lions: Rolf Leger, Bodenleiter Kreation Kolle Rebbe

Rolf Leger
Rolf Leger
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Eigentlich ist vieles, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, schon eine Art von Vorbereitung: Die Juryarbeit bei verschiedensten Wettbewerben, das Befassen mit internationalen Cases, das Diskutieren mit englischsprachigen Kollegen. Da bekommt man schon einen Maßstab. Trotzdem habe ich großen Respekt vor der Aufgabe und bin gespannt, was mich so alles erwartet.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freue mich auf alles was kommt! Die spannenden Jurykollegen, die tollen Arbeiten und auch auf die wahrscheinlich etwas entspannteren Abende.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Promo & Activation Lions ganz ordentlich abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Dieses Jahr fehlen ja ein paar der üblichen Einsender - möglicherweise wird man das auch im Medaillenspiegel sehen. Dennoch bin ich sicher, dass es auch wieder einige Erfolge für die deutschen Kollegen geben wird. Das kreative Potential dafür ist jedenfalls in vielen Agenturen vorhanden.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Nein, diese Prognose wage ich jetzt noch nicht vielleicht nach dem Sichten der Shortlist. Denn - und das ist ja das Besondere an Cannes - die Jurys sind so heterogen und international besetzt, dass die Arbeiten aus ganz verschiedenen kulturellen Blickwinkeln bewertet werden. Was wir für besonders schlau halten, löst in Japan vielleicht nur ein Stirnrunzeln aus.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Wie jeder Kreative will ich dort Arbeiten sehen, auf die ich selbst neidisch bin. Etwas, das mich berührt und begeistert - und natürlich auch inhaltlich richtig und intelligent gemacht ist.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Für mich ist es das Größte und das Beste! Ich habe in meiner Jugend die Cannes-Rolle im Kino gesehen - und die Begeisterung von damals hält sich bei mir immer noch.

Radio Lions: Ralf Heuel, Geschäftsführer Kreation Grabarz & Partner

Ralf Heuel
Ralf Heuel
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Ich jogge viel, schwimme dreimal die Woche 40 Kilometer, esse ausschließlich Vollkorn-Reis und rohen Fisch. Den Rest überbrücke ich mit Sit-Ups, Power-Spinning und isotonischen Getränken.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freue mich auf interessante Jurykollegen, tolle Arbeiten, spannende
Diskussionen, eine volle Breitseite Inspiration, viele tausende Arbeiten, die zeigen, was alles geht in unserer Branche - und eine großartige Woche mit ein paar tollen Leuten aus unserer Agentur.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Radio Lions ganz ordentlich abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Wenn ich mir ADC und Ramses anschaue, denke ich, der deutsche Radiojahrgang 2013 ist nicht ganz so gut wie der 2012. Andererseits: Mit Cannes beginnt für viele Agenturen die Award-Saison von vorn. Insofern werden wir alle viele Sachen hören und sehen, die wir vorher noch nie gehört und gesehen haben.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Abgesehen von The most interesting man in the world und Old Spice lasse ich mich gern überraschen.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Ich möchte gern Arbeiten vorn sehen, die begeistern, die sprachlos machen, die mühelos mitreißen. Und weniger dieser üblichen extra für Cannes gepimpten Technik-Masturbationen, bei der der Casefilm verzweifelt das rausreißen will, was der Radiospot nicht liefert.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? Aus meiner Jury-Erfahrung von 2006 kann ich sagen: Mit den Mitgliedern der Jury in Cannes diskutiere ich über sehr gern und sehr lang über alles.

Radio ist eine Kategorie, die zumindest hierzulande recht stiefmütterlich von den Kreativen behandelt wird. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Mediums? Radio wird in Deutschland eigenartigerweise immer noch unterschätzt - und häufig wie eine auditive Postwurfsendung behandelt. Das ist schade und dumm. Kein anderes Medium bietet so viele kreative Möglichkeiten. Denn kein anderes Medium hat einen so starken Verbündeten: Die Fantasie des Hörers.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Cannes ist ein Phänomen. Es gibt sicher Wettbewerbe, die härter jurieren, der britische D&AD zum Beispiel. Insofern sollte ein D&AD Pencil mehr wert sein als ein Cannes-Löwe. In der Wahrnehmung ist aber ein Cannes-Löwe nach wie vor das Maß der Dinge. Praktisch der Ur-Meter der Award-Industrie; die Währung, auf die sich alle einigen können. Vielleicht liegt
es daran, dass Cannes das glamouröseste Festival ist. Vielleicht auch das internationalste. Vielleicht auch, weil Cannes die beste PR von allen macht. Oder einfach am Wetter und dem Rosé.
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