Cannes Lions Warum die diesjährige "Nacht der Löwen" lange im Gedächtnis bleiben wird

Donnerstag, 12. Oktober 2017
Weischer-Chef Florian Weischer und die diesjährigen Cannes-Gold-Gewinner
Weischer-Chef Florian Weischer und die diesjährigen Cannes-Gold-Gewinner
© Weischer Media

Gestern Abend wechselten bei der „Nacht der Löwen“ die 45 gewonnenen deutschen Cannes-Trophäen noch einmal auf heimischem Boden ihre Besitzer. Damit kehrte der hiesige Cannes-Repräsentant Weischer zu seinem früheren Erfolgsformat zurück, das er 2011 zugunsten des feierlichen „Winner Dinner“ aufgegeben hatte.

Allerdings war das gestrige Format dann doch weder mit der traditionellen „Nacht der Löwen“ noch mit dem „Winner Dinner“ vergleichbar. Und das hat mehrere Gründe: Weischer hat das Event im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verkleinert. Rund 200 Gäste waren gestern dabei. Dafür kamen die in den Genuss einer ganz besonderen Location: Gefeiert wurde im Hamburger Planetarium. Dabei verwandelten Weischer und Das Werk die große Kuppel in eine spektakuläre Videoleinwand.

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  • Pablo Bach (Liga 01); Tobias Ahrens (Grabarz & Partner), Peter Matz (loved), Gerrit Zinke (thjnk)
    Pablo Bach (Liga 01); Tobias Ahrens (Grabarz & Partner), Peter Matz (loved), Gerrit Zinke (thjnk) (© Weischer Media)
  • Christian Fischer (Stage Entertainment Veranstaltungsgesellschaft), Nils Wulf (makers & breakers)
    Christian Fischer (Stage Entertainment Veranstaltungsgesellschaft), Nils Wulf (makers & breakers) (© Weischer Media)
  • Udo Schendel (Jost von Brandis), Bianca Dyckhoff (Unilever); Nils Schilling (Weischer.Media)
    Udo Schendel (Jost von Brandis), Bianca Dyckhoff (Unilever); Nils Schilling (Weischer.Media) (© Weischer Media)
  • Hans Kilander (Mondelez), Dirk Eckelt (Beiersdorf)
    Hans Kilander (Mondelez), Dirk Eckelt (Beiersdorf) (© Weischer Media)
  • Florian Weischer, Geschäftsführer Weischer
    Florian Weischer, Geschäftsführer Weischer (© Weischer Media)
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  • Silke Sprätz (Hamburg Marketing), Mirko Kaminski (achtung)
    Silke Sprätz (Hamburg Marketing), Mirko Kaminski (achtung) (© Weischer Media)
  • Florian Weischer (Weischer.Media) und Goldgewinner-Teams
    Florian Weischer (Weischer.Media) und Goldgewinner-Teams (© Weischer Media)
  • Karl Wolfgang Epple (thjnk/loved), Matthäus Frost (thjnk/loved)
    Karl Wolfgang Epple (thjnk/loved), Matthäus Frost (thjnk/loved) (© Weischer Media)
  • Jakob Eckstein, Matthias Preuss – beide Grabarz & Partner
    Jakob Eckstein, Matthias Preuss – beide Grabarz & Partner (© Weischer Media)
  • Stefan Kuhlow (WerbeWeischer), Florian von Hornstein (Serviceplan), Marcus Weischer und Udo Schendel (Jost von Brandis)
    Stefan Kuhlow (WerbeWeischer), Florian von Hornstein (Serviceplan), Marcus Weischer und Udo Schendel (Jost von Brandis) (© Weischer Media)
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  • Get-together bei der „Nacht der Löwen“ im Planetarium Hamburg
    Get-together bei der „Nacht der Löwen“ im Planetarium Hamburg (© Weischer Media)
Gastgeber Florian Weischer moderierte durch den Abend, unterstützt von einer sonoren Stimme aus dem Off: Synchronsprecher Leon Boden, die deutsche Stimme von Denzel Washington und Idris Elba, bat die Preisträger auf die Bühne. Bevor es jedoch so weit war, sorgte Weischer für den emotionalsten Moment des Abend: Er nutzte die erste Zusammenkunft der deutschen Kreativszene nach der Sommerpause für eine ganz persönliche Laudatio an den kürzlich verstorbenen Stefan Kolle. Dabei erinnerte er an gemeinsame Zeiten in Cannes und machte einmal mehr deutlich, dass die deutsche Kreativszene mit dem Co-Gründer von Kolle Rebbe einen ihrer prägendsten und zugleich menschlichsten Persönlichkeiten verloren hat. Kolles Witwe Sigrid und seine Tochter Anna zählten gestern ebenfalls zu den Gästen. Die beiden nahmen die tröstlichen Worte dankbar entgegen - für sie war es sicherlich erst der Anfang einer ganzen Reihe offizieller Ehrungen auf einen großen Werber, die in den kommenden Monaten noch folgen werden. Nachdem der Abend so emotional startete, wurde es später dann noch politisch: Weischer ließ es sich nicht nehmen, noch einmal auf die Kritik an dem Gigantismus der Cannes Lions einzugehen. Dabei zeigte er wenig Verständnis für die großen Werbeholdings WPP und Publicis, die derzeit mit unterschiedlichen Maßnahmen Druck auf die Festivalveranstalter ausüben. WPP boykottiert bekanntlich die kleine Cannes-Schwester Eurobest. Weischer glaubt, dass die mächtige Werbefirma sich damit ein Eigentor schießen wird. Publicis wiederum nimmt ein Jahr lang gar nicht an Kreativwettbewerben teil, weil sie das so gesparte Geld in eine Plattform für künstliche Intelligenz investieren will. Dazu sagte Weischer: „Es scheint, als würden die Entscheidungen bei Publicis jetzt schon von einer künstlichen Intelligenz getroffen.“

Damit machte der deutsche Cannes-Repräsentant seine Haltung noch einmal deutlich und stellte sich hinter die Lions. Zugleich räumte Weischer ein, dass es in der Tat nicht darum gehen sollte, jedes Jahr mehr einzusenden und dabei das Maß zu verlieren. Stattdessen sollten die Agenturen lieber weniger, aber dafür die richtigen Arbeiten ins Rennen schicken und sich dafür feiern lassen.

Die eigentliche Verleihung der Löwen ging dann erstaunlich zügig über die Bühne. Mit 45 Trophäen hatten die hiesigen Werber allerdings auch weniger Preise zu bejubeln als in den Jahren zuvor. Die anschließende Party war dann auch eher ein ruhiges Get Together samt ungewollter Frischluftpause, nachdem alle Gäste aufgrund eines falschen Feueralarms das Gebäude zwischenzeitlich räumen mussten. Auch das sorgte dafür, dass der Abend im Gedächtnis bleiben wird. Nächstes Jahr soll übrigens alles wieder anders werden. Die „Nacht der Löwen“ wird es zwar erneut geben, dann aber wieder in einem größeren Rahmen. Man darf gespannt sein. bu

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