Cannes Lions So drastisch wollen die Veranstalter das weltweit größte Kreativfestival verändern

Montag, 13. November 2017
Die Organisatoren der Cannes Lions haben kein Stein auf dem anderen gelassen
Die Organisatoren der Cannes Lions haben kein Stein auf dem anderen gelassen
© Cannes Lions

Es war bereits vor einigen Wochen durchgesickert, dass es nächstes Jahr einige Veränderungen bei den Cannes Lions geben wird. Die Unzufriedenheit in der Branche war zuletzt allgegenwärtig und gipfelte schließlich darin, dass WPP den Boykott der Lions-Schwester Eurobest bekannt gab. Die Organisatoren des Festivals reagieren mit mehreren großen Veränderungen auf die Kritik. Managing Director José Papa sowie Phil Thomas, CEO von Ascential Events, sprechen von der größten Reform in der Geschichte des Festivals.

Das wird sich alles ändern:

Dauer des Festivals: Statt wie zuletzt acht Tage finden die Cannes Lions nur noch an fünf Tagen statt - vom 18. bis 22. Juni. Die Verdichtung auf fünf Tage soll dazu führen, dass jeder die Möglichkeit hat, an allen Programmpunkten teilzunehmen. Bisher war es so, dass viele entweder Mittwochs abgereist oder erst dann angekommen sind. Neue Kategorienstruktur: Die Gesamtzahl der Subkategorien wurde um rund 120 reduziert. Die Sparten Cyber, Integrated und Promo & Activation fliegen raus, weil die Gewinnerarbeiten in diesen Sparten redundant zu den meisten anderen Kategorien sind. Stattdessen werden insgesamt fünf neue Lions-Kategorien eingeführt: Brand Experience & Activation, Creative E-Commerce und Social & Influencer sowie Industry Craft und Sustainable Development Goals.

Bekämpfung der Löwen-Inflation: Zuletzt wurden mehr als 1300 Cannes-Löwen vergeben. Mitunter erhielt dabei eine einzelne Kampagne ein Dutzend Preise oder mehr. Das soll künftig verhindert werden, indem eine Arbeit nur noch in maximal 6 Kategorien eingereicht werden kann. Bisher war es möglich, ein Projekt in beliebig vielen Kategorien einzusenden.

Aufwertung der Löwen: Bei der Ermittlung der Special Awards für die Agentur des Jahres, die Holding-Company des Jahres et cetera wird künftig ein anderes Bewertungssystem zugrunde gelegt. Künftig fließen Grands Prix mit 30 Punkten ein. Bis dato zählte ein Grand Prix nur 10 Punkte. Damit will man noch deutlicher als zuvor den Unterschied zwischen Edelmetall und Shortlist-Platzierungen herausstellen. Hier die Punkteübersicht des neuen Schema: Grand Prix = 30 Punkte (vorher 10 Punkte), Gold = 15 Punkte (vorher 7 Punkte), Silber = 7 Punkte (vorher 5 Punkte), Bronze = 3 Punkte (wie vorher), Shortlist = 1 Punkte (wie vorher).

Separate Beurteilung von Social-Kampagnen: Arbeiten für gemeinnützige Organisationen und NGOs sollen auch künftig ihren Platz in Cannes haben. Sie werden der Jury aber separat präsentiert, separat bewertet und auch bei der Preisverleihung separat gezeigt.

Gemeinsames Dach für Wettbewerb und Festival: Ab 2018 gibt es eine einheitliche Festivalstruktur mit neun Bereichen, unter denen die verschiedenen Kategorien und Kongressprogrammpunkte eingeteilt sind. Das soll die Navigation durch das Festival erleichtern und den Besuchern bessere Fokussierungsmöglichkeiten bieten. Die neun Bereiche sind: Reach, Comms, Craft, Experience, Innovation, Impact, Good, Entertainment und Health.

Seminare und Vorträge: Künftig kann sich jeder als Sprecher bei den Cannes Lions bewerben. Einzige Voraussetzung: Nachweisbare kreative Exzellenz.

Freie Pässe für Junioren: Jede Agentur, die 2017 mindestens 15 Arbeiten zu den Cannes Lions einreicht, erhält einen Young Lions Pass gratis. Damit gibt der Festivalveranstalter erstmals rund 650 kostenlose Festivalpässe heraus.

Live-Streaming von Seminaren und Preisverleihungen: Sämtliche Award Shows und eine deutlich größere Anzahl an Vorträgen werden live und kostenlos gestreamt - und zwar nicht nur online, sondern auch an vielen verschiedenen Ort in Cannes. Damit will das Festival mehr Menschen die virtuelle Teilnahme an dem Event ermöglichen.

Kostenbremse für Hotels, Taxis, Festivalpässe etc.: Es gibt eine Vereinbarung mit der Stadt Cannes, wonach die teilweise exorbitanten Hotelkosten in der Stadt künftig gedrosselt werden. Taxifahrten zum und vom Flughafen werden zum Fixpreis angeboten. Außerdem gibt es in mehreren Restaurants in der Stadt künftig so genannte „Delegate Menüs“ zu akzeptablen Preisen. Überdies wird der Delegate-Pass für das gesamte Festivial im Vergleich zu diesem Jahr um 900 Euro reduziert (allerdings ist der Event auch drei Tage kürzer).

Weiterhin betonen Thomas und Papa, dass in Cannes entgegen vieler kritischer Stimmen auch in Zukunft Kreativität im Fokus stehe. Das war zuletzt angesichts des Vormarsch der Technologiekonzerne von vielen angezweifelt worden. Die aktuelle Reform basiert auf dem intensiven Austausch mit wichtigen Branchenvertretern. Entsprechende Gespräch waren diesen Sommer, unmittelbar nach dem diesjährigen Festival, bereits angekündigt worden. bu

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