Cannes Lions "Nur 12 Prozent weibliche CDs - das ist schwach"

Montag, 19. Juni 2017
La-Red-Texterin Hannah Johnson ist eine von 15 Teilnehmerinnen von See it Be it
La-Red-Texterin Hannah Johnson ist eine von 15 Teilnehmerinnen von See it Be it
© Hannah johnson

Die Britin Hannah Johnson, Senior Texterin bei der Digitalagentur La Red in Hamburg, ist eine von 15 Teilnehmerinnen des Frauenförderprogramms "See it. Be it" der Cannes Lions. Hier erzählt sie, was sie sich von Cannes und für Frauen in Agenturen erhofft.

Sie fahren als Teilnehmerin des "See it. Be it"-Programms zu den Cannes Lions. Ihr 1. Mal  Cannes? Ja. Und das wird ein einzigartiger Trip!

Was erhoffen Sie sich von der Teilnahme an dem Programm See it Be it it?
Meinen Horizont zu erweitern - indem ich ein paar der einflussreichsten und prägendsten Frauen unsere Branche treffe und die so gewonnenen Eindrücke und Anregungen mit zurück nach Deutschland bringe.

Cannes treibt ja seit ein paar Jahren konsequent den Anteil von Frauen in den Juries nach oben. Im Programm der Cannes Lions sind diverse Veranstaltungen zu Themen wie Diversity und Gender Equality zu finden. Und seit ein paar Jahren wird der Glass Lion an Arbeiten vergeben, die sich mit dem Thema Geschlechterstereotype auseinandersetzen. Spiegelt diese Entwicklung die Realität in Agenturen wieder oder haben Agenturen noch Nachholbedarf bei diesen Themen?
Die meisten Agenturen verpassen den Anschluss. 85 Prozent aller Einkäufe werden von Frauen getätigt, und dennoch stehen dem gerade einmal 12 Prozent weibliche Kreativdirektoren gegenüber. Für einen der am meisten entwickelten Witschaftszweige mit all seinen geschlechtsneutralen Jobs ist das ziemlich schwach. Und wenn nicht einmal Deutschland das schafft, welche Hoffnung bleibt den anderen Ländern und Industrien dann noch?

Welche Erfahrung haben Sie als Frau in Agenturen bislang gemacht?
Mit wem auch immer ich spreche - über alle Grenzen hinaus fühlen sich Frauen übersehen und ungehört. Gleichzeitig wissen sie nicht, wie sie die Dinge ändern können. Aktuelle Studien belegen, dass eine vernünftige Unternehmenskultur in den Agenturen die beste Voraussetzung für den Aufstieg von Frauen ist - und diese Kultur liegt allein in den Händen der Geschäftsführung.

Es ist an der Zeit, dass Agenturen proaktiv jenen Wandel gestalten, den sie so gerne sehen möchten. Sich "warum nicht?" anstelle eines einfachen "warum" fragen und die so erkannten Talente bis an die Grenzen ihrer Fähigkeiten fördern - selbst wenn das bedeutet, ein wenig unbequem "out of the box" zu denken. Das Resultat wird nicht nur die Unternehmenskultur stärken, sondern auch neues kreatives und geschäftliches Potenzial freisetzen. Die Cannes Lions sind ein tolles Beispiel hierfür.

Wohin soll Sie Ihre Karriere als Kreative führen?
Kreativ zu arbeiten bedeutet, die Dinge kontinuierlich neu zu erfinden. Dafür gibt es keine Grenzen und ich bin gespannt, wohin mich das führen wird.

Was war Ihr bisheriges berufliches Highlight?
Dort anzukommen, wo ich heute stehe. Nach einem kurzen Intermezzo in der Finanzbranche, einer Unternehmensgründung und dem Einstieg in unsere Branche als Strategin, war es schon ein ziemlicher Zick-Zack-Kurs hin zur Kreativen. Heute liebe ich, was ich tue und weiß genau, diesen Umstand zu würdigen. Nicht jeder hat das Glück, einen Beruf zu finden, den er so liebt, wie ich meinen.

Welche Programmpunkte wollen Sie sich in Cannes auf jeden Fall anschauen?
Sheryl Sandberg, Dame Helen Mirren, David Droga  und natürlich das gesammte „See it. Be it“-Programm - das wird eine Erfahrung, die man nur einmal im Leben macht. Interview: ems

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