Cannes Lions Magere Zwischenbilanz für deutsche Agenturen / 15 weitere Löwen

Mittwoch, 21. Juni 2017
Die "Words of Welcome"-Kampagne von DDB räumt ab
Die "Words of Welcome"-Kampagne von DDB räumt ab
© Screenshot Youtube

So langsam müssen sich die deutschen Werber darauf einstellen, dass 2017 ein ziemlich schlechtes Jahr für sie wird. Zwar konnten sie bei den am heutigen Mittwoch entschiedenen fünf Wettbewerbssparten 15 Löwen gewinnen – an das im vergangenen Jahr bereits rückläufige Ergebnis von 64 Löwen dürften sie dennoch nicht mehr herankommen können. Denn insgesamt stehen damit zur Wochenmitte nur 35 Trophäen in der Zwischenbilanz.

Keine Löwen in den Sparten Product Design und Entertainment Lions for Music, zwei in Entertainment, drei in Media und 10 in Design, lautet die Bilanz des heutigen Tages.

Überraschend ist, dass die Deutsche Telekom mit „Sea Hero Quest“ auch 2017 bei den Cannes Lions am Start ist – diesmal mit seiner Mediaagentur Mediacom - und mit zwei silbernen Löwen in der Kategorie Media nach Hause geht. Denn im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen mit derselben Arbeit bereits neun Cannes Löwen in den Wettbewerben Promo & Activation, Health, Pharma, Direct, Cyber, Mobile und Entertainment gewonnen – allerdings mit seiner Agentur Saatchi & Saatchi London.

Die Nullrunden beziehungsweise schlechte Performance der deutschen Agenturen in Kategorien Product Design, Entertainment for Music, Entertainment und Media erklären die Juroren ähnlich wie ihre Kollegen es bereits bei anderen Sparten versucht haben: „Branded Entertainment wird in Deutschland von Agenturen und Kunden noch ein Stück weit zu klein gedacht. Außerdem leben wir in einem Land, in dem sich viele Marken es leisten können, viel Media einzukaufen, um ihre Bekanntheit zu erlangen. Die Notwendigkeit, out-of-the-Box zu denken ist bei uns nicht gegeben“, sagt Entertainment-Juror Toan Nguyen von JvM/Sports.

Unter den fünf vergebenen Grand Prixs sind erneut zwei Arbeiten zu finden, die sich gesellschaftlichen Themen widmen: Bei Product Design holt sich Grey Columbia mit der Payphone Bank den Grand Prix – der nebenbei erwähnt der erste ist, der jemals im Hauptwettbewerbt an eine Agentur aus dem südamerikanischen Land gegangen ist. Die Entwicklung der Payphone Bank ermöglicht Millionen von Einwohnern in Kolumbien, die bislang aufgrund ihres extrem niedrigen Einkommens keinen Zugang zum Finanzsystem hatten, sich daran zu beteiligen und ein Konto via Payphone zu eröffnen. „Unserer Jury war das soziale Anliegen der Arbeit sehr wichtig. Aber der Grand Prix hat außerdem alles, was er sonst noch braucht, um diesen Preis zu gewinnen: ein tolles Interface, Form, Function, Impact“, sagt Jury-Präsidenten Ruth Berktold (Yes Architecture).

In der Sparte Design hat AP Thailand das „Unusual  Football Field“ entworfen und umgesetzt, das aus zugemüllten Großstadtbrachen Spielflächen macht, die andere Maße haben als gewöhnliche Fußballfelder, aber eben Kindern neue Spielflächen bieten. „Die Arbeit zeigt den Willen, die Norm zu brechen mit einer großartigen, einfachen Idee“, lobt Jury-Chefin Sandra Planeta (Planeta Design).

Die weiteren Grand Prixs des heutigen Tages gehen dagegen an klassische Markenauftritte wie etwa in Music, wo Adidas und Johannes Leonardo als Sieger vom Platz gehen, sowie an den Retailer Jet.com mit R/GA in New York und die Santander Bank und die betreuenden Agenturen MRM/McCann Spanien in Madrid. ems/bu



Die deutschen Gewinner:

DDB Group Germany mit „Words of Welcome“ für Verein für Berliner Stadtmission (1x Gold, 1x Bronze in Design)

Heimat mit „Art Beats Hate“ für Legacy Berlin (1x Gold, 2x Bronze in Design, 1x Bronze in Entertainment)

Mediacom mit „Sea Hero Quest“ für Deutsche Telekom (2x Silber in Media)

 

Elastique mit „Threebots - The World of Mitsubishi Electric für Mitsubishi (Silber in Design)

Elastique mit „Threebots - The World of Mitsubishi Electric für Mitsubishi
Elastique mit „Threebots - The World of Mitsubishi Electric für Mitsubishi (Bild: Mitsubishi)

Serviceplan mit „Dot. The first Braille Smartwatch“ für Dot Corporation (Silber in Design)

Grey mit „Open Your Eyes“ für Terre des Femmes (2x Bronze in Design)

Grey überzeugt mit einem starken Statement gegen weibliche Genitalverstümmelung
Grey überzeugt mit einem starken Statement gegen weibliche Genitalverstümmelung (Bild: Cannes Lions)

Antoni mit „Grow Up“ für Mercedes-Benz (Bronze in Entertainment)

Loved mit „Ali Cola“ für Ali Getränke (Bronze in Design)

Ogilvy mit „Snapskate“ für Coca-Cola (Bronze in Media)

Die heutigen Grand-Prix-Sieger:

Design: Ogilvy & Mather in London mit „Interpretation“ für The UCL Centre for the Forensic Sciences
Entertainment: MRM/McCann in Madrid mit „Beyond Money“ für Santander Bank
Entertainment for Music: Johannes Leonardo in New York mit „Original is never finished“ für Adidas Originals“
Media: R/GA in New York mit „Innovating Saving“ für Jet.com
Product Design: Grey in Colombia mit „Payphone Bank“ für Tigo-Une

Die heutige Preisverleihung in Zahlen:

Design Lions: 112 Löwen insgesamt / 10 für Deutschland / 2780 Einsendungen (2016: 104 Löwen / 10 für Deutschland / 2856 Einsendungen)
Entertainment Lions: 78 Löwen insgesamt / 2 für Deutschland / 1793 Einsendungen (2016: 61 Löwen / 0 für Deutschland / 1843 Einsendungen)
Entertainment Lions for Music: 33 Löwen insgesamt, 0 für Deutschland / 511 Einsendungen (2016: 32 Löwen / 2 für Deutschland / 636 Einsendungen)
Media Lions: 95 Löwen insgesamt / 3 für Deutschland 2949 Einsendungen (2016: 97 Löwen / 3 für Deutschland / 2984 Einsendungen)
Product Design Lions: 22 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 435 Einsendungen (2016: 11 Löwen / 2 für Deutschland / 540 Einsendungen) bu/ems

 
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