Cannes Lions Katerstimmung bei den deutschen Agenturen / Nur 4 weitere Löwen für PuK und G&P

Dienstag, 20. Juni 2017
Philipp und Keuntje gewinnt drei Löwen mit dem Rimowa Electronic Tag
Philipp und Keuntje gewinnt drei Löwen mit dem Rimowa Electronic Tag
© Rimova

Die Ausbeute der deutschen Teilnehmer war gestern schon bescheiden. Heute ging es noch schlechter weiter. Neben den Direct Lions waren die wichtigen Digitalkategorien Cyber und Mobile sowie die zukunftsweisenden Sparten Innovation und Creative Data an der Reihe. Die mickrige Bilanz für Deutschland: Je zwei Löwen bei Mobile und Cyber, darunter allerdings kein goldener und Nullrunden bei Direct, Innovation und Creative Data.

Zur Ehrenrettung tragen Philipp und Keuntje und Grabarz & Partner bei. PuK gewinnt einen silbernen und einen bronzenen Mobile-Löwen sowie einen weiteren bronzenen Cyber-Löwen für das "Electronic Tag" im Auftrag von Rimowa. Grabarz & Partner holt Bronze mit der Ikea-Kampagne "Pax it".
"Wenig Überraschendes" hatten die von deutschen Agenturen eingereichten Arbeiten laut dem Jury-Mitglied Mike-John Otto (PuK) zu bieten: "Die Arbeiten sind alle gut gemacht, aber im Vergleich zu den Gold- und Grand-Prix-Gewinnern haben sie Defizite, die letztendlich entscheidend sind", so Otto. Ähnlich versuchen auch HORIZONT-Online-Kolumnistin Diana Sukopp (Grabarz & Partner) und Timm Weber (Publicis Pixelpark) das schlechte Abschneiden bei Direct und Cyber zu erklären. Bei Direct hätten zudem die Resultate der deutschen Arbeiten häufig nicht mit den internationalen Cases mithalten können, was "ungerecht ist, da die Masse derer, die eine Kampagne in Deutschland erreichen kann, nicht der beispielsweise in Indien entspricht", moniert Sukopp.
Cannes Löwe Lion Grand Prix
Bild: Cannes Lions

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Unzufrieden waren Weber und Otto mit den Wettbewerbsbeiträgen, die mit Virtual Reality arbeiten. "Wir haben viele dieser Arbeiten abgestraft, weil die Innovation gefehlt hat. Meist waren sie nicht wirklich mobil gedacht, anders als viele Arbeiten im vergangenen Jahr, die wirklich gut waren", sagt Otto. Manche Arbeit hätte aber auch gar keine Chance gehabt, VR-Wirkung zu entfalten, da es für die Juroren keine Möglichkeit gab, sie mit entsprechender Ausrüstung anzuschauen, berichtet Weber. Das versprochene VR-Studio wurde von den Cannes Lions nicht eingerichtet: "Das Erlebnis war nicht möglich, deshalb hatte vieles keine Relevanz".

Bei den Innovation und Creative Data Lions fehlten deutsche Arbeiten bereits auf der Shortlist. Voriges Jahr holten die hiesigen Teilnehmer in diesen wichtigen Zukunftskategorien immerhin noch je einen Löwen. Dieses Jahr ging der Innovation Grand Prix nach Schweden. Bei dem gemeinsamen Projekt von Akestam Holst und Great Works, beide Stockholm, geht es darum, dass aus illegalen Waffen ein neues Metall zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen gewonnen wurde. „The Humanium Metal Initiative“ überzeuge in jedem Aspekt, der im Bereich Innovation relevant ist, so Jurypräsidentin Susan Lyne (BBG Ventures). Technologie, Einfallsreichtum, Kreativität und Wirkung seien hier durchweg überzeugend und auf überragendem Niveau. 

In der Sparte Creative Data geht der Grand Prix an die Whirlpool-Kampagne „Care Counts“ von Digitas LBI in Chicago. Hier konnte mithilfe von smarten Waschmaschinen, die in Schulen aufgestellt wurden, der Beweis angetreten werden, dass Schüler, die Zugang zu sauberer Kleidung haben, weniger häufig beim Unterricht fehlen und deshalb bessere Zukunftschancen haben.

Die heutigen Grand-Prix-Sieger:

Creative Data: Digital LBI in Chicago mit „Care Counts“ für Whirlpool“
Cyber, 3 Grands Prix: RBK Communication in Stockholm mit „Aland Index / Baltic Sea Project“ für the Bank of Aland; Clemenger BBDO in Melbourne mit „Meet Graham“ für Transport Accident Commission in Victoria; Droga5 in New York mit „Did you mean Mailchimp“ für Mailchimp
Direct: David in Miami für „Google Home of the Whopper“ für Burger King
Innovation: Akestam Holst und Great Works in Amsterdam mit „The Humanium Metal Initiative“ für IM Swedish Development Partner
Mobile: Dentsu Y&R in Tokio mit „The Family Way“ für Recruit Lifestyle“

Die heutige Preisverleihung in Zahlen:

Creative Data Lions: 38 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 690 Einsendungen (2016: 40 Löwen / 1 für Deutschland / 715 Einsendungen)
Cyber Lions: 110 Löwen insgesamt, 2 für Deutschland / 2893 Einsendungen (2016: 91 Löwen / 6 für Deutschland / 2886 Einsendungen)
Direct Lions: 76 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland 2719 Einsendungen (2016: 75 Löwen / 5 für Deutschland / 3097 Einsendungen)
Innovation: 12 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 298 Einsendungen (2016: 9 Löwen / 1 für Deutschland / 381 Einsendungen)
Mobile: 68 Löwen, 2 für Deutschland / 1297 Einsendungen (2016: 62 Löwen / 5 für Deutschland / 1259 Einsendungen) bu/ems

 
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