Cannes Lions Jung von Matt erhitzt mit "Falter"-Gold die Gemüter

Mittwoch, 22. Juni 2016
Motiv aus der Falter-Kampagne
Motiv aus der Falter-Kampagne
Foto: Jung von Matt
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Jung von Matt Cannes Falter Effie


Jung von Matt sorgt einmal mehr für Wirbel. Die Agentur, die immer für eine Schlagzeile gut ist, erhitzt mit einer Einreichung in Cannes die Gemüter. In der Kritik steht die Arbeit für das Wiener Stadtmagazin "Falter", die mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit Gold. Die Medaillen und Punkte werden vom Festival-Veranstalter der JvM AG in Deutschland zugeschrieben, weil diese als Einreicher auftritt. Allerdings ist – vorsichtig ausgedrückt – zumindest umstritten, inwieweit es eine Beteiligung aus Deutschland an dieser Arbeit gibt.
Entstanden ist die Kampagne offenkundig bei JvM/Donau in Wien. Dafür sprechen nicht nur der gesunde Menschenverstand und der Kunde, sondern auch die Credits. Alle Mitarbeiter, die dort genannt sind, arbeiten bei der österreichischen Niederlassung der Agentur. Auch bei der beteiligten Filmproduktion Salon Alpin weiß man nichts von einer Zusammenarbeit mit anderen JvM-Büros. Das Gleiche gilt für die offiziellen Repräsentanten Austrias in Cannes. Beim CCA-Wettbewerb (dem Gegenstück zum deutschen ADC Award) holte "Falter" ebenfalls mehrere Preise. Dort taucht Jung von Matt auf der Gewinnerliste jedoch gar nicht auf – weder das Büro in Wien noch die Zentrale in Hamburg. Stattdessen werden nur der Kunde und die Produktionsfirma genannt. Jung von Matt teilt auf Anfrage mit, man habe dieses Jahr wegen "einiger Ungereimtheiten, von denen auch andere Agenturen betroffen waren", nicht am CCA teilgenommen.

Die "Falter"-Arbeit hat dieses Jahr auch schon beim D&AD gewonnen. Dort wurde sie von der JvM AG in Hamburg eingereicht. Auf Nachfrage hieß es damals, die Zentrale habe zwar eingesendet, die Kampagne sei aber bei JvM/Donau in Wien entstanden. Anlässlich des Erfolgs in Cannes korrigiert sich die Agentur nun und spricht von einem "Gemeinschaftswerk deutsch-österreichischer Freundschaft". Zudem weist Jung von Matt darauf hin, dass es durchaus üblich sei, nicht alle Beteiligten in die Credits zu schreiben, vor allem wenn es sich um Vorstände handelt. Bei der Arbeit für "Falter" sei beispielsweise Kreativvorstand Götz Ulmer bei der "illustrativen und filmischen Umsetzung" involviert gewesen. "JvM Deutschland ist also entscheidend am Ergebnis beteiligt", so die offizielle Stellungnahme.

Der Hintergrund für die Einreichung aus der Hamburger Zentrale dürfte aber ein anderer sein: Da für das deutsche Agenturranking nur Medaillen zählen, die von hiesigen Agenturen gewonnen wurden, hat Jung von Matt ein großes Interesse daran, so viele Punkte wie möglich hierzulande zu verbuchen. Die sehr erfolgreiche Arbeit aus Österreich ist in diesem Zusammenhang natürlich hoch willkommen.

Bei den Branchenkollegen kommt dieser Kniff nicht überall gut an. So weisen einige Network-Vertreter darauf hin, dass sie keine Award-Punkte von Schwesterbüros aus anderen Ländern für sich reklamieren können, sondern bei Beteiligung nur nach einem genauen Verteilungsschlüssel. Besonders harte Kritik an Jung von Matt übte in diesem Zusammenhang zunächst ADC-Präsident Stephan Vogel, im Hauptberuf Kreativchef der deutschen Ogilvy-Werbeagenturen und demnächst auch auf europäischer Ebene für die WPP-Tochter tätig. In einem Facebook-Eintrag, den er inzwischen wieder gelöscht hat, beschwert sich Vogel in drastischen Worten über das Vorgehen der Agentur. Mittlerweile rudert er allerdings zurück und hat einen Eintrag veröffentlicht, in dem er nur noch von einem "merkwürdigen" Fall spricht. Jung von Matt stand schon im vorigen Jahr im Mittelpunkt eines strittigen Award-Falls. Nachdem Philipp und Keuntje die JvM-Kollegen bei ihrer Effie-Einreichung in der Kategorie Evergreen ("Astra") nicht erwähnt hatte, erhob die Agentur Einspruch und war ebenfalls mit einem goldenen Effie ausgezeichnet worden. Diese Auszeichnung musste der Verband nach einer Intervention von Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt und anschließender Überprüfung durch eine Kanzlei wieder zurücknehmen. mam
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