Cannes Lions Austausch, Inspiration und Captain Picard – darauf freuen sich die deutschen Juroren

Donnerstag, 12. Juni 2014
Die deutschen Juroren haben allesamt große Lust auf Cannes
Die deutschen Juroren haben allesamt große Lust auf Cannes

Am Wochenende startet das weltweit größte Kreativfestival Cannes Lions. Die deutschen Juroren haben sich zum Teil bereits auf den Weg zur Côte d Azur gemacht. Auf sie wartet erneut eine Mammutaufgabe: In diesem Jahr wurde die Rekordanzahl von 37.427 Arbeiten eingereicht. Verteilt sind diese auf insgesamt 17 Kategorien. 12 davon sind mit deutscher Beteiligung. HORIZONT.NET hat sich unter den deutschen Juroren umgehört, wie Ihre Erwartungen an den Festival sind.

Cyber: Eric Schoeffler, Chief Creative Officer, DDB Tribal Group Germany

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Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Ich bin ja schon seit längerem dabei. Das Prejudging hat schon einiges meiner Zeit in den letzten Wochen beansprucht. Cyber hat einen neuen Einreichrekord gebrochen. Die Konsequenz: schon im Vorfeld musste ich an die 800 Projekte sichten und bewerten.

Worauf freuen Sie am meisten? Das Beste am Jurieren sind die Juroren. Und keine Awardshow hat eine buntere Mischung an Kreativen aus der ganzen Welt als Cannes. Inspirierende, schlaue, kreative Menschen. Und die meisten sind einfach eine Freude.

In den vergangenen Jahren haben die hiesigen Agenturen bei den Cyber Lions eher bescheiden abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Ich erwarte auch dieses Jahr kein großes Cyber-Jahr für Deutschland.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass Sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Ich habe ja nun einen kleinen Einblick bekommen. Meine persönlichen Favoriten haben sich aber nicht verändert. "Epic Split" (Kunde: Volvo) wird gewinnen. "Climate Name Change" wird gewinnen. "Bob Dylan/Like a Rolling Stone" wird gewinnen. Sweetie/Terres des Hommes wird gewinnen. Und Universal Typeface von uns wird hoffentlich auch gewinnen (Kunde: BIC).

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Die Besten. Und auch natürlich auch die Besten von uns.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Über die Bedeutung von Kreativfestivals zu diskutieren ist vergleichbar mit der Diskussion über die Olympischen Spiele und die Fußball WM. Irgendwie ne geile Idee, aber es scheint, als sei Einiges aus dem Ruder gelaufen. Nüchtern betrachtet bringt Cannes die meisten Punkte. Deshalb ist es am Wichtigsten. So einfach ist es vermutlich. Als Werbe-Kreativer ist es aber immer noch das größte Ziel einen Löwen zu gewinnen. Hat man den, zielt man vielleicht auf den D&AD, weil es dort immer noch am schwierigsten ist. Aber ist der D&AD deshalb besser? Ich denke nicht. In Cannes zu gewinnen ist fantastisch. Das alles immer wieder zu hinterfragen ist notwendig.

Design: Claudia Fischer-Appelt, Partner & Creative Director, Karl Anders

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Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Im Moment bereite ich mich vor allem darauf vor 10 Tage nicht im Büro zu sein. Das ist grad schon Aufgabe genug. Außerdem habe ich mit ein paar Leuten gesprochen und wenn ich am Wochenende etwas Zeit habe, wollte ich darüber hinaus mal nach einer neuen Sonnenbrille schauen. Vielleicht sollte ich auch mal einen Pastis trinken.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich hoffe Arbeiten zu sehen, die ich sonst nicht zu sehen bekomme und ich freue mich auf nette Jurykollegen. Aber echte Vorfreude stellt sich bei mir in aller Regel erst auf dem Hinflug ein.

In den vergangenen Jahren haben die hiesigen Agenturen bei den Design Lions stets sehr gut abgeschnitten und sogar zweimal in Folge den Grand Prix abgeräumt. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Ich werde in diesem Jahr nicht nur die Daumen drücken, dass es wieder so kommen wird, sondern im Rahmen meiner Jurytätigkeit auch versuchen, Einfluss zu nehmen, sollte es denn entsprechende Einreichungen geben.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Ich hoffe sehr, dass Sagmeister & Walsh ihre Logo Game Show für Adobe einreichen. Die Arbeit mag ich sehr.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Das ist sehr schwer zu sagen. Wirklich. In Cannes werden Ideen ausgezeichnet. Richtig gutes Design kann mir auch ohne werbliche Idee sehr gefallen, dürfte in Cannes aber eher chancenlos sein. Also will ich vor allem deutsche Arbeiten auf dem Siegertreppchen sehen.

Aus welchen Ländern (außer Deutschland) erhoffen Sie sich kreative Impulse in Ihrem Bereich? Skandinavien.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Für mich persönlich ist es natürlich eine Ehre, Deutschland als Jurymitglied zu vertreten, darüber hinaus ist die Bedeutung für mich persönlich weniger stark. Meine Prioritäten liegen derzeit einfach auf anderen Themen. Auch wenn Cannes nach wie vor das Nonplusultra ist.

Welche Bedeutung messen Sie dem Event für die Designszene zu? Die Bedeutung dürfte für die Werbeszene noch deutlich größer sein, aber es ist spannend zu sehen, wie sehr sich das Festival öffnet. Gerade diese Verschiebungen finde ich interessant. Mit der Power, die hinter dem Festival steht, kann man sich ja nur wünschen, dass die Bedeutung für die Designszene von Jahr zu Jahr größer wird und damit auch grundsätzlich das Thema Design in der Wahrnehmung wächst.

Design: David Mously, Creative Managing Director, BBDO Berlin

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Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Da ich dieses Jahr zum ersten Mal in der Cannes-Jury bin, habe ich mir von Bekannten und Kollegen, die in den letzten Jahren dabei waren, ein paar Tipps geben lassen. Außerdem stehe ich bereits in regem Austausch mit einigen meiner Jurykollegen.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Auf spannende Diskussionen in meiner Jury. Auf die vielen unterschiedlichen Blickwinkel, aus denen die Arbeiten betrachtet werden können. Und auf eine geballte Ladung Inspiration. Nicht zuletzt freue ich mich natürlich auch auf das WM-Spiel Deutschland gegen Portugal am Montag falls wir es überhaupt zum Anpfiff aus dem Jury-Raum schaffen ...

In den vergangenen Jahren haben die hiesigen Agenturen bei den Design Lions stets sehr gut abgeschnitten und sogar zweimal in Folge den Grand Prix abgeräumt. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Deutschland ist traditionell ein sehr starkes Design-Land und hat auch die noch relativ jungen Design Lions schnell für sich entdeckt. Die erfolgreichen deutschen Arbeiten der letzten Jahre waren häufig sehr innovationsgetrieben und oft perfekt umgesetzt. Aber vor allem scheint es deutschen Arbeiten auch immer öfter zu gelingen, emotional zu punkten. Ich glaube, dass wir auch dieses Jahr gute Chancen haben, vorne mitzuspielen.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Da die Design Lions immer wieder für Überraschungen gut sind, halte ich mich mit meinen Prognosen lieber mal zurück. Nur soviel: Mein persönlicher Favorit kommt in diesem Jahr aus Großbritannien.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Am liebsten die, die eine echte, relevante Geschichte erzählen sowohl für die Marke als auch für das Publikum. Und bei denen man spürt, dass viel Talent, Liebe und Herzblut drin stecken.

Welche Trends erwarten Sie in Ihrer Kategorie? Es wird spannend sein, zu sehen, wie auch dieses Jahr wieder neue technische Möglichkeiten ausgelotet werden. Und wir faszinierende Arbeiten zu sehen bekommen werden, die vor kurzer Zeit noch gar nicht möglich gewesen wären. Doch gerade vor diesem Hintergrund sind es auch häufig die etwas natürlicher und handgemacht anmutenden Arbeiten, die viele Herzen gewinnen. Ich glaube, dass das dieses Jahr weiterhin so sein wird.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Cannes ist und bleibt eine Kategorie für sich. Einen Löwen zu gewinnen ist meiner Meinung nach für einen Kreativen DIE Anerkennung schlechthin. Und von keinem anderen Festival fährt man so aufgeladen mit Inspiration wieder nach Hause.

Direct: Kai Röffen, Partner & Managing Director, Thjnk Düsseldorf

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Wie bereiten Sie sich Ihre Jurytätigkeit vor? Zum einen: Indem ich auf vielen Baustellen in der Agentur vorarbeite, so dass ich mich in Cannes ganz aufs Jurygeschäft konzentrieren kann. Zum anderen setze ich mich bereits verstärkt mit der Kategorie auseinander. Ich schaue mir die Arbeiten der Vorjahre an und entwickle ein Gespür für die Besonderheiten der Kategorie. So verhindere ich, dass mir bei der Bewertung etwas entgeht.

Wie bereiten Sie sich Ihre Jurytätigkeit vor? Ganz klar... ich freue mich auf die unglaublich inspirierende Stimmung, die man nur in Cannes findet. Ich freue mich auf Arbeiten, die ich noch nirgends gesehen habe. Ich freue mich aber auch auf die Meinungen meiner Kollegen und auf den Austausch mit ihnen. Kurz: Ich spüre schon wieder dieses einzigartige Feuer, das Cannes immer in mir auslöst. Wenn ich dort bin, weiß ich, warum ich diesen Beruf gewählt habe.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Direct Lions mittelmäßig abgeschnitten. In den Jahren davor war es eine ständige Berg- und Talfahrt. Welche Prognose haben Sie für dieses Jahr? Nachdem ich die vielen herausragenden Arbeiten beim diesjährigen ADC gesehen habe, bin ich äußerst positiv gestimmt. Ich denke, dass sich eine ganze Reihe deutscher Ideen berechtigte Hoffnung auf einen Löwen machen können.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass Sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Unabhängig von den Kategorien, in denen er am Ende gewinnen wird: der Hornbach Hammer ist für mich eine absolut fantastische Arbeit. Die Geschichte, die Umsetzung der geniale Gedanke mich begeistert die Relevanz der Idee und die mitreißende Umsetzung immer wieder aufs Neue.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Ich war schon immer ein Freund einfacher Ideen, die Großes bewegen. Im Umkehrschluss bin ich kein Fan von Kampagnen, die zu kompliziert sind und um zu viele Ecken denken.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? Ich habe keine Lust mehr auf die leidige Frage, ob etwas Fake ist oder nicht. Mir geht es um die Idee. Ist sie gut, soll sie abräumen. Ist sie es nicht, weg damit. Alles andere ist eine akademische Diskussion und am Ende auch eine moralische Frage, die wir auch in diesem Jahr nicht werden beantworten können.

Welche Trends erwarten Sie in Ihrer Kategorie? Ich gehe davon aus, dass die Ideen noch digitaler sein werden als im Vorjahr. Die Bühne vieler Kampagnen mag immer noch analog sein, das Herz, die Klammer, die Technik, die alle Kanäle zusammenhält und die die Menschen erreicht, ist mehr und mehr digital. Interessanterweise gewinnt die digitale Denke auch auf analogen Kanälen immer mehr an Bedeutung.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Für mich sind die Cannes Lions die WM der Agenturwelt. Nirgendwo sonst ist der Vergleich so international, die Stimmung so euphorisch und die Konkurrenz so hart und vielschichtig. Für mich ist Cannes etwas ganz Besonderes. Unvergleichlich.

Film: Martin Pross, Chief Creative Officer & Vorstand, Scholz & Friends Berlin

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Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Es gab eine umfangreiche Online-Pre-Jury, da hat man schon mal eine Vorgeschmack bekommen wie das laufen wird. Training Nr 1: Sitzfleisch.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Auf die internationalen Kollegen und Ideen und Umsetzungen die mich berühren. Gar nicht freue mich, wenn wir nicht fertig werden und draußen läuft Fußball.

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Agenturen bei den Film und Film Craft Lions eher schlecht abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Beim New York Festival haben es deutsche Filme aufs Treppchen geschafft. Warum soll das in Cannes nicht gelingen. Die Film-Abräumernation werden wir aber vermutlich auch 2014 nicht.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? An Van Dammes Spagat wird niemand vorbei kommen. Den guck ich mir auch zum zehnten Mal gerne an.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht diskutieren müssen? Ob wir jetzt Deutschland - Portugal angucken oder weiter diskutieren, ob es die Idee vor 7 Jahren schon mal in Bangladesh gab.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Es ist wirklich eine Ehre, Mitglied der Cannes-Jury zu sein. Cannes ist das Hochamt der Kreativen.

Kerstin Heffels, Producer, Heimat

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Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Shoppen, Friseur, Kosmetik, Nägel. Nee Quatsch - als ich vor 3 Monaten gefragt wurde ich mich auf sämtlichen fachbezogenen Onlineportalen intensiver als sonst informiert. Zudem bin ich ihm regen Austausch mit diversen Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten, Posthäusern und Komponisten. Das gehört zu meiner Arbeit und da ist man ohnehin immer am Thema dran.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Auf die anderen Juroren (es sind ja nur 8) und auf die Gespräche mit Ihnen. Das wird sicherlich sehr inspirierend. Nun ja, die Diskussionen zum Ende hin werden sicherlich intensiver. Unterschiedliche Mentalitäten und simply andere Wahrnehmungen in einem Raum führen schon mal zu hitzigen Diskussionen. Ich hoffe, wir schaffen es, die Politik draußen zu lassen und einfach unseren Instinkten zu folgen und auf einem hohen Niveau zu diskutieren.

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Agenturen bei den Film und Film Craft Lions eher schlecht abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr?
Ich finde das Ergebnis aus dem letzten Jahr nicht schlecht. Zwei Löwen in dieser Kategorie, ist doch super! Wir kämpfen schließlich gegen die gesamte Welt. Es gibt Länder die haben gar nichts bekommen, obwohl bei denen gute Leute sitzen (z.B. Skandinavien). Das Ergebnis wird den Agenturen/Ländern zugerechnet. Dies wird aber nicht denen gerecht die an den Spots mitgewirkt haben. Wir haben in Deutschland unzählig gute Leute, die national und international erfolgreich arbeiten. Würde man das Ergebnis danach ausrichten, würde es sicherlich ganz anders ausfallen.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird?
Natürlich hoffe ich darauf das unsere Heimat-Arbeiten gewinnen. Sonst macht der Wettbewerb ja gar keinen Spaß. International gesehen: Superbowl fand ich dieses Jahr sehr mau. Ich hatte mir da etwas mehr erhofft. Ich könnte mir vorstellen, dass bei uns der Spot von Old Spice "Momsong" in Musik was holen könnte. Und klar irgendwie spielt natürlich auch der Volvo-Truck-Spot "Epic Split" ne Rolle. Aber was soll ich sagen, die Jury Arbeit steht ja noch vor uns. Und am Samstag dann ...

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen?
Gute aufrichtige Arbeit, die ner klaren Idee folgen.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? Ein Löwe, egal in welcher Farbe, ist was Besonderes! Der sollte nur vergeben werden, wenn das Werk herausragend ist. Da ich stolz auf das Gesamt Ergebnis "in Craft" sein möchte, werde ich danach voten. Vielleicht muss man dann auch mal heftig diskutieren, aber wenn es zum Ziel führt kann ich sehr hartnäckig sein.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Ob es das Beste ist, weiß ich nicht. In seiner Gesamtheit ist das Festival schon einzigartig und und herausragend. Weltweit gibt es nichts Vergleichbares. Ehrlich mal, wann hat man schon mal die Möglichkeit in einer Woche an einem Ort an so vielen Seminaren mit hoch dotierten Kreativen teilzunehmen. Oder ganz ungezwungen auf der Carlton Terrasse neben Sir John Hegarty zu stehen. Und das alles noch an der schönsten Küste Europas. Was sicherlich auch zum Flair des Festivals beiträgt. Meine ersten Jahre in Cannes haben mir immer den Anschub für das nächste Jahr gegeben. Ich wollte im Wettbewerb dabei sein, koste es was es wolle. Wenn alle Teilnehmer einen ähnlichen Motivationsschub bekommen kommen doch gute Zeiten auf uns zu.

Media: Michael Dunke, Chief Executive Officer, IPG Mediabrands

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Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Man befindet man sich eigentlich permanent in der Vorbereitung durch die tägliche und kontinuierliche Wahrnehmung und das aufmerksame Studieren von interessanten Kampagnen und Kommunikationsideen nicht nur aus dem eigenen Hause, sondern natürlich aus dem gesamten Markt. Darüber hinaus nutze ich die Möglichkeiten unseres globalen Netzwerkes zum Austausch mit den Entwicklungen in anderen Ländern. Ansonsten vorher ausreichend Schlaf, davon gibt es in Cannes definitiv etwas weniger.

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf die vielseitigen, innovativen und sehr oft exzellenten Einreichungen. Das bedeutet Inspiration aus ganz vielen Ländern. Sicherlich lassen sich daran auch unterschiedliche Entwicklungsstände und unterschiedliche kulturelle Schwerpunkte erkennen. Eine riesige Freude für mich ist ebenso das Treffen und Arbeiten mit den anderen Jury-Kolleginnen und -kollegen aus der ganzen Welt.

In den vergangenen Jahren haben die hiesigen Agenturen bei den Media Lions ganz ordentlich abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Durchaus. Deutschland hat bisher stets innovative und sehr kreative Einreichungen in der Kategorie Media gezeigt. Über die Jahre ist man immer mutiger geworden und letztlich hat sich das in den Media Lions für Deutschland widergespiegelt. In diesem Jahr ist Deutschland an vierter Stelle was die Anzahl der Einreichungen insgesamt anbelangt. Ich bin mir sicher, dass viele preiswürdige Arbeiten dabei sein werden - auch bei den Media Lions.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass Sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Sehr schwer zu sagen, bevor man nicht alle Einreichungen gesehen hat. Es gibt auch hier immer wieder tolle Überraschungen.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Meiner Meinung nach gibt es bei den Media Lions mehrere Aspekte alleine durch die Vielfalt der Medienkanäle. Aber grundsätzlich halte ich die Aspekte kreativ, innovativ, die inhaltliche Abstimmung auf allen genutzten Kanälen (Content und Kanal) und darüber hinaus Ziel- und Ergebnisorientierung für sehr wichtig. Insbesondere wenn man dabei auch die Möglichkeiten neuer Technologien zielgruppengerecht nutzen. Reizvoll und prämierungswürdig sind aus meiner Sicht Arbeiten, die das Spektrum und die Herausforderung von paid, owned and earned media umfassen und dabei klar und nachgewiesenermaßen zum gewünschten Marketing- und Geschäftserfolg beigetragen haben.

Welche Trends erwarten Sie in Ihrer Kategorie? Im Trend liegen weiter insbesondere die Themen Social und Mobile, die seit einiger Zeit immer stärker in die gesamte Kampagnenplanung integriert worden sind. Social hat sein ehemaliges Silo verlassen, spielt strategisch eine immer gewichtigere Rolle. Dasselbe gilt für das Thema Mobile in vielen internationalen Märkten - leider noch nicht in Deutschland. Ein interessante Entwicklung lässt sich beim Thema Markenführung insbesondere in den digitalen Kanälen erkennen. Marken und Hersteller sind offener und etwas freier beim Umgang mit und durch Konsumenten und nutzen die Möglichkeiten neuer Technologien und Kommunikationsplattformen zum innovativem Austausch. Generell sind technologiegetriebene Lösungen ein sich verstärkender Trend unserer Kategorie. Ein Schwerpunkt, den ich persönlich für sehr wichtig halte, wird sich weiter verstärken: der Fokus auf den Business Outcome für die jeweiligen Kunden, d.h. den Beitrag, den die Kommunikations- und Kanalstrategie zum Marketing- und Geschäftserfolg der Kunden geleistet hat.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Nach wie vor ist es der größte weltweite Kreativ- und Innovationswettbewerb der Werbebranche und durch seinen umfassenden Ansatz genießen die Cannes Lions entsprechende Bedeutung. Die Auszeichnungen sind mit hohem Prestige verbunden und können sich positiv auf die Geschäftsentwicklung vieler Marktteilnehmer auswirken. Meine Sorge gilt allerdings der wachsenden Anzahl an Einreichungen und die Zeit die man der einzelnen Einreichung widmen kann und ihr auch meines Erachtens nach widmen muss. Man sollte auf alle Fälle eine gewisse Balance halten um die hohe Qualität weiter zu gewährleisten. Für mich persönlich bedeutet die Veranstaltung wie eingangs erwähnt einerseits Networking und Austausch, andererseits Inspiration durch die vielen Arbeiten.

Welche Bedeutung messen Sie dem Event für die Mediaszene zu? Definitiv eine weiterhin steigende. Die Media Lions unterstützen meines Erachtens beim Bestreben, die sehr hochwertigen und vor allem sehr vielfältigen Dienstleistungen und Angebote von Mediaagenturen auf entsprechende Weise anzuerkennen. Sie würdigen die Anforderungen an die stetig steigende Komplexität der Media- und Marketingberatung und zeichnen Kreativität, Innovationskraft und Erfolg aus. Auch das künftige Recma Ranking von Mediaagenturen integriert das Abschneiden der einzelnen Agenturen bei Festivals wie Cannes.

Outdoor: Stefan Kolle, Geschäftsführer Kreation, Kolle Rebbe

(c) Holde Schneider
(c) Holde Schneider
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor?
Koffer packen, aus den vielen Einladungen selektieren, wenige Verabredungen treffen. Außerdem stärke ich schon seit Wochen mein Immunsystem, um möglichst gesund aus der Jury-, Klima- und Party-Hölle zurückzukehren.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freu mich darauf, dass mein innerer Qualitäts-Anspruch noch mal erhöht wird. Und vor allem auf viele interessante Menschen aus verschiedenen Ländern.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Outdoor Lions ganz ordentlich, aber nicht herausragend, abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Deutschland hat einige sehr gute Arbeiten im Outdoor-Bereich im Rennen: Swisscom All Eyes on S4 , Ikea BILLY und auch unser Misereor-PlaCard.

Gibt es eine Arbeit von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in deiner Kategorie sehr gut punkten wird? Das schwedische Haircare-Plakat von Apotek Hjärtat.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Arbeiten, die mich berühren und die ich auch noch in 3 Monaten im Kopf habe. Denn bei allem technologischen Fortschritt: Was mich nicht berührt, interessiert mich nicht.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? Ich diskutiere über alles, dafür bin ich in der Jury.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Der Cannes-Löwe ist die Weltwährung der Kreation so wie der Dollar in der Wirtschaft.

PR: Petra Sammer, Partner & Chief Creative Officer, Ketchum Germany

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Auf was freuen Sie sich am meisten? Jean Luc Picard, besser gesagt Patrick Steward, der einst den Captain der Enterprise - Next Generation spielte, ein Idol meiner Jugend und ein großartiger Schauspieler. Er spricht am 15. über Storytelling. Überhaupt freue ich mich sehr auf das Festival mit seinen über 250 Sessions und Workshops. Einen davon darf ich selbst halten, innerhalb der Storytelling Academy.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den PR Lions hervorragend abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Mir fehlt der Überblick, was in der PR-Kategorie von PR-Agenturen und was von traditionellen Werbeagenturen eingereicht wurde. Ich bin mir aber sicher, dass dieses Jahr mehr PR-Agenturen ihre Arbeit auch bei den Werbekategorien eingereicht haben. Und eigentlich ist es mir auch gleich, denn wir sollten allgemein von Kommunikationsagenturen sprechen - Kreativität kommt aus allen Richtungen. Und die Deutschen? Aus meiner bisherigen Sicht kommen einfach zu wenige Kampagnen aus Deutschland - zumindest in der PR. Das wird schwer.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass Sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Na ganz vorne ist sicher Van Dammes Spagat zwischen den beiden Volvo-Lastwagen. Das Bild hat schon fast ikonografische Kraft. Und die hat in Eurobest und anderen Awards ja auch schon gut abgeschnitten. Meine eigenen Favoriten sind die Gillette Kampagne "Wie rasiert sich eigentlich Superman" - großartig gemacht - und die VW Kombi Kampagne. "Kombis Last Wish" (Kombis Testament). Wunderbares Storytelling und liebevoll bis in das kleinste Detail umgesetzt.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? a) Kampagnen, die ein herausragendes Insight als Grundlage haben. Und eben nicht nur ein witziger Gag sind. b) Kampagnen, die eine Geschichte erzählen. Und nicht nur einen aufmerksamkeitsheischenden Stunt. c) Kampagnen, die Mehrwert bieten. Nicht nur Sharebility oder Visibility, sondern die den Kunden weitergebracht haben z.B. durch eine Innovation, neue Produktidee, Geschäftsidee, einen Purpose, eine neue Haltungen etc.

Welche Trends erwarten Sie in Ihrer Kategorie? Stunts. PR-Stunts sind ja eine altbekannte Technik. Doch einige Jahre lang war das nicht mehr so aktuell. Doch für eine CannesLions-Einreichung lohnt sich natürlich eher eine Kampagne zu nehmen, die auf einen Stunt hinausläuft. Aber auch durch das Festhalten des Stunts in einem Video - und dann liken und teilen - kommt die alte PR-Technik zu neuer Blüte. Sharebility ist die neue Währung - auch in der PR: alles, was geteilt werden kann ist hip. So ist in der PR-Kategorie deutlich zu spüren, wie die Macht der Presse sinkt, denn die Clippingzahlen werden immer irrelevanter und die Engagement-Raten (Clickrate, Likes, Shares) werden immer wichtiger. Celebrities haben ausgedient. Der neue Held ist "jedermann". P&G rückt Mütter in den Mittelpunkt, Adidas lässt Kids um Schuhe springen, Fussballvereine lassen ihre Fans die Choreo gestalten. User-generated-content und Crowdsourcing lassen Promis zu nettem Beiwerk werden.

Worüber wollen Sie in der Jury nicht diskutieren? Ob Anzeigengegenwerte als Kennzahl für den PR-Output anerkannt werden sollten oder nicht. In Zeiten von Roboter-Journalismus ist das Clippingzählen ohnehin am Ende seiner Glaubwürdigkeit.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Wer in der Autoindustrie arbeitet, muss nur auf die Autobahn fahren und kann sein Produkt mit der Konkurrenz vergleichen. Wer in der Milchproduktindustrie arbeitet, muss in einem Supermarkt nur ans Kühlregal geben. In unserer Industrie ist der Branchenvergleich nicht so einfach. Und doch will man sich vergleichen und messen mit anderen. Das ist die Kraft von Cannes. Die Awards und das Festival sind unsere "Messe" in der wir uns aneinander messen. Nicht zu vergessen die Anerkennung und Inspiration, die sich Kreative aus aller Welt hier holen. Die CannesLions sind auch Akku und Ladestation der Branche. Kein anderer Event kann das in dieser Form bieten.

Welche Bedeutung messen Sie dem Event für die PR-Szene zu? Ich glaube, es ist immer noch zu früh, die Bedeutung der Cannes Lions für die PR zu beurteilen. Ein erster Effekt ist sicher, dass Award und Festival helfen, die PR zu professionalisieren und selbstbewusster zu machen. Wir treten dort immer stärker für unsere eigene Disziplin ein und beschäftigen uns mehr und mehr was die besonderen Stärken unserer Disziplin ausmachen. Andererseits sollte man nicht vergessen, dass große Bereiche unsere Arbeit nicht award-tauglich sind - zum Beispiel Kontinuierliche Medienarbeit - oder es auch Bereiche gibt, die wir nicht zur Schau stellen wollen - zum Beispiel Kommunikation zu Restrukturierungsaufgaben. Die Cannes Lions zeigen nur einen kleinen Ausschnitt unseres Leistungsspektrums. Man könnte den Cannes Lions vorwerfen, dass sie die PR "boulevardisieren" und "banalisieren". Aber so lange wir nicht den Fehler begehen und anhand der Cannes Lions die Kreativkraft unserer gesamten Disziplin zu messen, sondern uns an der Teilnahme und einzelnen Auszeichnungen freuen, solange können die Cannes Lions auch unseren Kreativen als Akku und Ladesstation dienen.

Press: Götz Ulmer, Executive Creative Officer, Jung von Matt/Alster Werbeagentur

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Wie bereiten Sie sich Ihre Jurytätigkeit vor? 1.) Ich lösche alle Mails von Leuten, die mir zur Wahl gratulieren und sofort eine Liste mitschicken, auf welche Arbeiten ich besonders achten soll. 2.) Ich versuche zu vergessen, welche Arbeit schon vorher viele Preise geholt hat. 3.) Nichts von alledem. Große Abenteuer kann man nicht planen.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Auf die Diskussionen, Sichtweisen und Einschätzungen der Weltweitbestenkreativenjurykollegen.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Press Lions ziemlich schlecht abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Ich glaube das war Zufall und lässt sich nicht verallgemeinern. Die Jahre zuvor mussten wir uns in dieser Kategorie nicht verstecken und so wird es dieses Jahr wieder sein.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass Sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Jeep Upside und Innocence in Danger.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Im Gegensatz zum deutschen ADC würde ich gerne die Arbeiten weit oben sehen, die das auch wirklich verdient haben. Die international wirklich bestehen können und einfach nur atemberaubend sind.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? Über meine Haarfrisur.

Press ist eine Kategorie, die zumindest hierzulande inzwischen recht stiefmütterlich von den Kreativen behandelt wird. Wie beurteilen Sie die Entwicklung dieses Mediums? Ich denke, dass Press wieder an Popularität zunehmen wird, da Gedrucktes im Vergleich zu aufwändigen Cases relativ kostengünstig herzustellen ist. Print ist das neue Funk.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Cannes ist Olympia. Andere internationale Festivals mögen vielleicht noch internationaler, noch besser besetzt, noch kompetenter geleitet sein und an noch tolleren Locations stattfinden. Aber sie sind eben nicht Cannes. Nicht der Mythos. Nicht der Wettbewerb zu dem auch die entlegenste Agentur dieser Welt einschickt.

Product Design: Wolfgang Wagner, Managing Partner & Creative Director, Design 3

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Wie beurteilen Sie die Erweiterung des Festivals um die Kategorie Product Design? Was immer Marke und Werbung versprechen, muss das Produkt beim Kunden erfüllen. Die Themen gehören also schon zusammen. Allerdings haben die verschiedenen Disziplinen in der Praxis wenig Berührungspunkte und ergänzen sich selten optimal. Ich erinnere mich an einen Beitrag von Thomas Rempen, der sich vor vielen Jahren in der Form zum Leiden des Design in der Werbung sehr treffend geäußert hat. Ich bin also gespannt, wie sich die Kategorie Produktdesign in Cannes etabliert.

Wie bereiten Sie sich auf Ihrer Jurytätigkeit vor? Erfahrung, Neugier, Bauchgefühl und die Bereitschaft zur Diskussion mit den Jurymitgliedern sind wichtig - benötigen aber keine besondere Vorbereitung. Nur Sonnencreme und Badehose lege ich schon mal raus.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Gutes Produktdesign erscheint einfach, ist aber erstaunlich komplex. Es muss aber auf allen Ebenen der User Experience funktionieren: Innovation, Form, Funktion, Interface, Materialwahl, Oberflächenbehandlung, Umsetzungsqualität etc.. Die hohe Kunst ist es, alle Ebenen zu beherrschen und eine überzeugende Gesamtlösung zu schaffen. Solche Arbeiten möchte ich ausgezeichnet sehen.

Welche Trends erwarten Sie in dieser Kategorie? Die Frage ist schwer zu beantworten - jede Produktkategorie hat ihre eigenen Trends. Grundsätzlich bin ich erstmal gespannt welche Produkte überhaupt eingereicht wurden.

Aus welchen Nationen kommen Ihrer Meinung nach im Product Design zurzeit die stärksten Impulse? Ebenfalls schwer zu beantworten - Produktdesign ist ein weites Feld, in jeder Produktkategorie kommen die Impulsgeber aus verschiedenen Ländern.

Welchen Stellenwert hat das Cannes Lions Festival in Ihrer Branche? Das Festival spielt im Produktdesign bisher keine Rolle, ist mir aber als angesehenes Festival der Werbebranche ein Begriff. Mein aktueller Eindruck: die Organisation ist sehr professionell und die Liste der begleitenden Veranstaltungen und Sprecher hochinteressant.

Promo & Activiation: Matthias Harbeck, Executive Creative Director & Partner, Serviceplan

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Wie bereiten Sie sich auf Ihre Jurytätigkeit vor? Vorschlafen und lustige Mails mit meinen Jury-Kollegen austauschen.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freue mich auf Tausende von Ideen. Und ich fürchte mich vor Tausenden von Ideen. Weil sie in Tausende von Case-Filmen verpackt sind.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Promo & Activation Lions nur mittelmäßig abgeschnitten. Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr? Wait and see.

Gibt es eine Arbeit von der Sie jetzt schon sicher sind, dass sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? International: 350 Action Climate Name Change. National: Hornbach "Hammer".

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Ich wünsche mir inspirierende Ideen, die etwas Neues wagen. Und im besten Fall glücklich machen.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? Is it a fake?

Welche Trends erwarten Sie in Ihrer Kategorie? Ich hoffe, dass nicht zu viele Arbeiten dem Trend der Automatenideen folgen, weil der schon eine Masche ist. Neue Ideen setzen Trends, die man noch nicht kennt.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? Den besten Fußball aller deutschen Nationalmannschaften hat die EM-Elf von 1972 gespielt. Aber alle reden heute von der Elf von 1974. Weil das die WM-Elf war. Cannes ist die Weltmeisterschaft der Werbung. Das überstrahlt alles andere.

Radio: Jan Leube, Chief Creative Officer, Y&R Germany

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Wie bereiten Sie sich Ihre Jurytätigkeit vor? Viel trinken. Wenig schlafen. Und: Kopfhörer tragen. Zum Beispiel mit der Musik von Joachim Deutschland. Seine neue Single "Eier so groß wie Deutschland" ist famos ( und im übrigen von Jan Leube getextet, Anm. d. Red.)

Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freu mich sehr, all die alten Freunde und Bekannte wiederzusehen. Ich freu mich nicht darauf, ihre Namen sofort parat haben zu müssen.

Im vergangenen Jahr haben die hiesigen Agenturen bei den Radio Lions sehr schlecht abgeschnitten es gab keinen einzigen Löwen für Deutschland. Welche Prognose haben Sie für dieses Jahr? Cannes ist ein Casino, und Prognosen so überflüssig wie der Blick auf die Tafel mit den Zahlenfolgen am Roulette-Tisch.

Gibt es eine Arbeit, von der Sie jetzt schon sicher sind, dass Sie in Ihrer Kategorie sehr gut punkten wird? Die Einreichungen meiner Mitjuroren.

Welche Art von Arbeiten wollen Sie auf dem Siegertreppchen sehen? Arbeiten, die überraschen, nützen und unterhalten und mit jedem erneuten Anhören besser werden, will ich oben sehen.

Worüber wollen Sie in Ihrer Jury nicht mehr diskutieren müssen? Die Frage "Ist das wirklich neu?" ist in jeder Radio-Jury ganz schwer zu ertragen. Aber erst recht dann, wenn alle unterschiedliche Sprachen sprechen.

Radio ist eine Kategorie, die zumindest hierzulande recht stiefmütterlich von den Kreativen behandelt wird. Wie beurteilen Sie die Entwicklung und Bedeutung dieses Mediums? Die Entwicklung ist in Deutschland alt und anhaltend. Auf Drama und Storytelling wird leider immer mehr verzichtet, weil drittklassige Marketeers nicht glauben, dass sich Image sehr gut über die Ohren aufbauen oder verändern lässt. Radio soll hierzulande kurzfristig den Besuch eines Autohauses oder Teppich-Centers aktivieren. Ändern kann man das nur nach dem HBO-Prinzip: Eine grosse Marke geht mutig voran und investiert in Qualität, die überrascht, nützt und unterhält.

Die Cannes Lions sind mit Abstand das größte Kreativfestival der Welt. Aber ist es auch das Beste? Wie sehen Sie das? CANNES ist definitiv für alle Werbe-Kreative das Größte. Wie die WM für Fussballer. Deswegen ist Blatter noch lange nicht nicht korrupt.
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