Cannes Lions 2015 Grey holt ersten Radio Grand Prix für Deutschland / Tag 4 bringt 22 Löwen

Mittwoch, 24. Juni 2015
Hatten allen Grund zum Feiern: Das Team von Grey Berlin mit dem Grand Prix in der Kategorie Radio
Hatten allen Grund zum Feiern: Das Team von Grey Berlin mit dem Grand Prix in der Kategorie Radio
Foto: Cannes Lions

Es ist eine echte Sensation, mit der wohl niemand gerechnet hätte: Grey Berlin holt für Deutschland den ersten Radio Grand Prix überhaupt. Das Team überzeugte die Jury um Präsident Paul Reardon (Whybin TBWA) mit der Arbeit "The Berlin Wall of Sound" für die Musikplattform Soundcloud (Produktion: Studio 206 Berlin/Mokoh Music/Studio Funk). Dabei handelt es sich um eine akustische Nachbildung der Berliner Mauer. Reardon lobt die Kampagne insbesondere dafür, dass sie starke Gefühle auslöst und immer besser wird, je länger man sich damit beschäftigt.

Radio Lions: Deutsche Teilnehmer schneiden sehr gut ab

Grundsätzlich lief es bei den Radio Lions sehr gut für Deutschland: Neben dem Grand Prix gehen weitere sieben Löwen an hiesige Agenturen. Im Vorjahr gab es keinen einzigen Radio-Löwen für Deutschland. Die Arbeit für Soundcloud erhält zusätzlich Silber. Ebenfalls über Silber und einmal Bronze kann sich DDB Düsseldorf für eine Kampagne im Auftrag der Popakademie Baden-Württemberg freuen (Produktion: Studio Funk/Mokoh Music). Die weiteren Bronzegewinner sind Grabarz & Partner mit zwei verschiedenen Kampagnen für Volkswagen (Produktion: beides Studio Funk) sowie Scholz & Friends mit zwei Kampagnen für VHV Versicherungen beziehungsweise die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Produktion: beides Hastings).
Das deutsche Jurymitglied Stefan Moritz (Mokoh Musik) erzählt, dass seine Jury grundsätzlich sehr positiv gestimmt war und es am Ende - nach intensiver Diskussion - ein einstimmiges Votum für "The Berlin Wall of Sound" gegeben hatte. Insgesamt hat das Radio-Gremium 58 Löwen vergeben. Das sind neun mehr als im Vorjahr. Eingereicht wurden in dieser Sparte 1720 Arbeiten. 

Cyber Lions: Noch einmal Gold für Grey und Soundcloud

Am heutigen Mitttwochabend wurden außerdem die Cyber Lions verliehen. Jurypräsidentin Jean Lin (Isobar) verrät, dass sie und ihr Team zunächst sehr lange darüber diskutiert hätten, wofür ihre Kategorie überhaupt stehen soll, schließlich ist heute im Prinzip alles digital. Am Ende einigten sich die Juroren darauf, echte Game Changer mit digitaler DNA zu prämieren.

Am meisten trifft dieser Anspruch auf die Kampagne "I will what I want" von Droga 5 in New York für den Sportartikelhersteller Under Armour zu. Es ist der einzige Grand Prix in dieser Sparte, in der bis zu drei Hauptpreise vergeben werden können, was in den vergangenen Jahren auch teilweise getan wurde. Das deutsche Jurymitglied Dennis May (DDB) erklärt, dass seine Jury sich bewusst auf nur eine Arbeit verständigt hat, weil diese aufgrund ihrer schieren Größe, dem sehr modernen Storytelling und der intelligenten Verknüpfung mit innovativen Technologien alles andere in den Schatten gestellt hat.

Aus deutscher Sicht lief es auch in dieser Kategorie recht gut: Acht Löwen lautet die Bilanz. Voriges Jahr waren es nur sechs. Unter den Gewinnern ist auch hier die "Berlin Wall of Sound" von Grey. Die Arbeit erhält einen goldenen und drei bronzene Löwen. Vier weitere Bronze-Preise gehen an Heye München für Mammut „#Project360“, GGH Lowe und Grabarz & Partner für Exit Deutschland „Nazis against Nazis“ sowie DDB Düsseldorf, die für die beiden Telekom-Kampagnen "Instaconcert" und "Wi-Fi Dogs" prämiert wird. Insgesamt vergab die Jury hier 126 Löwen. Voriges Jahr waren es 145. 

Design Lions: Sechs Löwen für Deutschland 

Bei den Design Lions setzt sich ein Trend fort, der beim Festival seit einigen Jahren allgegenwärtig ist: Ideen für eine bessere Gesellschaft beziehungsweise mit Mehrwert für den Verbraucher sind Trumpf. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass hier - ebenso wie bei den Promo & Activation Lions - der Grand Prix an Volvo „Life Paint“ von Grey London geht. 

Dabei handelt es sich zugleich um eine Produkterfindung als auch eine Initiative für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Der Grand Prix kombiniere Innovation, Packaging Design, Product Design, User Experience, Kommunikation und Digitales Design, erläutert Jurypräsident Andy Payne (Interbrand).

Die Bilanz für Deutschland ist mit sechs Löwen etwas besser als 2014, aber längst nicht so gut wie in den Jahren zuvor, wo es stets mehr als zehn Löwen für die hiesigen Designprofis gab. Immerhin ist auch bei den Design Lions Gold für Deutschland drin: Whitevoid erhält das Edelmetall für die "Lichtgrenze" im Auftrag der Stadt Berlin. Daneben gibt es einmal Silber und einmal Bronze für Kolle Rebbe und die Arbeiten "Weddinglope" im Auftrag von Rosenthal sowie "Magic Tape" für 3M Deutschland. Weitere drei Bronze-Löwen gehen an Leo’s Thjnk Tank und McDonald’s ("The Burger Report"), Leagas Delaney und MSC Kreuzfahrten ("The MSC Magnifica Shiphorn Choir") und Grey Berlin und Soundcloud („The Berlin Wall of Sound“).

Auf die im Vergleich zu früheren Jahren doch recht schwache Performance der deutschen Agenturen angesprochen, erklärt Jury-Mitglied Gregor Ade (noch Peter Schmidt Group), dass einige der deutschen Arbeiten einfach nicht international genug gedacht seien und seiner Ansicht nach auch viele gute Beiträge aus den klassischen Design-Disziplinen erst gar nicht eingereicht worden seien. 

Product Design Lions: Deutschland geht leer aus / Grand Prix für VAE

Die Zurückhaltung der Designer bezüglich Cannes bestätigt auch Ruth Berktold (Yes Architecture), deutsches Jurymitglied der 2014 eingeführten Kategorie Product Design. Hier gab es keine deutschen Gewinner, was Berktold nicht weiter verwundert: "Das Festival ist bei deutschen Produktdesignern gar nicht bekannt. Die haben nur iF und Red Dot auf dem Schirm." Sie war von ihrer Cannes-Premiere allerdings begeistert und will dafür sorgen, dass die Lions in der deutschen Designszene bekannter werden.

Ihre Jury unter Vorsitz von Designer Dan Hermosa wählte eine gemeinnützige Aktion zum Grand Prix: Es handelt sich um das Produkt "The Lucky Iron Fish" von der gleichnamigen Projektorganisation, ausgedacht von Geometry Global in Dubai. Dieser kleine Eisenfisch wird in Entwicklungsländern verteilt und ist dazu gedacht, dass er beim Kochen mit in den Topf gegeben wird. Auf diese Weise kann der Eisenmangel bekämpft werden, unter dem ein Großteil der Einwohner in diesen Ländern leiden. "Die Arbeit ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Design das Verhalten von Menschen verändern kann", stellt Hermosa fest. Neben dem Grand Prix hat seine Jury sieben Löwen vergeben. bu

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