Cannes Lions 20 Löwen für Deutschland / erster Grand Prix für #likeagirl

Dienstag, 23. Juni 2015
Apple holt Grand Prix in der Kategorie Outdoor
Apple holt Grand Prix in der Kategorie Outdoor
Foto: Cannes Lions

Bei den Cannes Lions wurden am Dienstagabend die Preise in den Kategorien Media, Outdoor, PR, Creative Effectiveness und Glass vergeben. Die deutschen Agenturen sammeln bei der zweiten Preisverleihung der Cannes Woche 19 weitere Löwen ein.

Outdoor Lions: Der Einsatz von innovativer Technologie ist selbstverständlich geworden

Bei den Outdoor Lions lobte Jurypräsident Juan Carlos Ortiz von DDB die Internationalität der Kategorie. So gingen die insgesamt 19 Goldlöwen an 13 verschiedene Nationen, darunter Länder wie Kolumbien, Kuweit und Chile.
Auch die Deutschen können sich freuen: GGH und Grabarz & Partner addieren eine weitere Gold-Trophäe zu ihrem Löwenzirkus. Auch hier waren alle begeistert von dem Anti-Nazi-Walk „Rechts gegen Rechts. Daneben holten die Deutschen einmal Silber und siebenmal Bronze. Silber geht an Serviceplan für die Arbeit „Life Time Clock“ im Auftrag der Stiftung Fürs Leben, die bereits bei den Health & Wellness Lions gepunktet hat.  Grey Germany gewinnt gleich dreimal Bronze für seine Kampagnen im Auftrag der Hanse Merkur Krankenversicherung (2x) und Germanwings, BBDO holt Bronze für „The Dancing Traffic Light“ im Auftrag von Smart, Razorfish überzeugt mit dem „Audi LED Scoreboard“ für Audi, Ogilvy mit den "Workout-Billboards" für Powerade und Whitevoid gelingt der Sprung aufs Siegertreppchen mit der Arbeit „Lichtgrenze“ im Auftrag der Stadt Berlin. 
Den Grand Prix konnten sich hier Apple und sein langjähriger Agenturpartner TBWA Media Arts Lab in Los Angeles sichern. Die Kampagne „World Gallery“ kombiniere das klassische Medium Outdoor auf hervorragende Weise mit der innovativen Technologie des Apple Iphone 6 und sei deshalb ein wahrer „Game Changer“ in dieser Festivalsparte, so Ortiz.

Das deutsche Jurymitglied Patricia Pätzold (FCB) stellt fest, dass moderne Technologien im Outdoor-Bereich inzwischen so selbstverständlich sind, dass fast schon ein Gegentrend zum Analogen zu beobachten ist, eine "Rückkehr zum wahren Leben". Apple gelinge es, diese beiden Bereiche mit seiner „Word Gallery“ in einer großen, breit sichtbaren und sehr relevanten Kampagne zu vereinen. 

Mit acht Löwen ist die Ausbeute der Deutschen in der Kategorie Outdoor nicht ganz so gut wie im Vorjahr. Damals waren es 12. Allerdings haben die hiesigen Agenturen hier auch rund 45 Prozent weniger eingereicht als 2014. Insgesamt hat die Jury dieses Jahr 131 Outdoor-Löwen vergeben - zwei mehr als im Vorjahr.

Media: Zwei Löwen mehr als 2014 für Deutschland trotz Einsenderückgang

Fünf weitere Löwen holen die deutschen Agenturen in der Kategorie Media, in der die Jury insgesamt 80 Preise vergeben hat. Damit ist die Ausbeute der hiesigen Agenturen deutlich besser als 2014: Im vergangenen Jahr konnten sie nur drei Trophäen mit nach Hause nehmen – obwohl sie mit 159 Wettbewerbsbeitragen rund 15 Prozent weniger eingesendet haben als 2014. 
Den einzigen goldenen Löwen aus deutscher Sicht sichert sich Ogilvy mit dem Hasenrennen für Media Markt. Die beiden silbernen Statuen gehen auf das Konto von GGH Lowe und Grabarz & Partner für das Nazi-Aussteigerprogramm Exit und an Mediacom Düsseldorf für „The Revenge oft he Nerds“ für Dell. Jeweils einmal Bronze gewinnen Grey Media in Düsseldorf für „Corridor Targetting für Germanwings sowie Serviceplan München für „Sky Screening“ für Sky Deutschland. 
Der Grand Prix in der Kategorie Media geht an die türkische Agentur Mindshare in Istanbul für ihren Case „Vodafone Red Light Application / Between us“. Die Agentur hat sich eine App ausgedacht, die Frauen vor häuslicher Gewalt und Missbrauch schützen soll. Einmal von den Frauen heruntergeladen und mit drei Personen ihres Vertrauens verknüpft, meldet sich „Between Us“ bei ihnen, sobald das Telefon geschüttelt wird und sendet den Standort der bedrohten Person – ohne dass dies sichtbar ist. „Diese Arbeit bringt alles mit, was ein Grand Prix braucht und wonach wir gesucht haben: Sie verknüpft Technologie, Strategie, Idee, Erfolg und einen Mehrwert, der in diesem Fall den Frauen wirklich helfen kann“, begründet Jury-Präsident Nick Emery, Global Chief Executive Officer bei Mindshare Worldwide. Tatsächlich haben 24 Prozent der türkischen Frauen, die ein Smartphone besitzen, die App heruntergeladen. 

PR: #likeagirl holt endlich einen Grand Prix – Deutschland holt 5 Löwen

Darauf hatten viele gewartet. Endlich gibt es ihn: einen Grand Prix für „#likeagirl“. Die Kampagne von MSL Group New York und Leo Burnett Toronto für Procter & Gamble für Always, die bereits bei diversen Award Shows sowie hier in Cannes weitere Löwen gewonnen hat, wird in der Kategorie PR mit der wichtigsten Auszeichnung des Wettbewerbs bedacht. „Die Arbeit ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass sich auch eine große Marke mit gesellschaftlich relevanten Themen präsentieren und dazu beitragen kann, Verhalten zu verändern“, lobt Jury-Präsidentin 
Lynne Anne Davis von Fleishman Hillard Asia Pacific. 
„Die Arbeit ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass sich auch eine große Marke mit gesellschaftlich relevanten Themen präsentieren und dazu beitragen kann, Verhalten zu verändern.“
Lynne Anne Davis
#likeagirl habe Relevanz mit dem Potenzial, eine Veränderung zu initiieren – das gilt auch für viele der weiteren ausgezeichneten Arbeiten in dieser Kategorie. Neben dem Grand Prix hat die Jury insgesamt 17-mal Gold, 23-mal Silber und 38-mal Bronze aus den 1969 Einsendungen weltweit ausgesucht.

Die mit großem Abstand erfolgreichste Nation sind die USA, die 25 Löwen (plus Grand Prix) abräumen, gefolgt von Deutschland mit 5 Trophäen sowie Spanien, Japan und China mit je 4.
Rechts gegen Rechts überzeugt auch die PR-Jury
Rechts gegen Rechts überzeugt auch die PR-Jury (Bild: Cannes Lions)
Der einzige goldene Löwe sowie zwei silberne Trophäen werden demnächst ihre Heimat in Hamburg finden: Auch in der PR-Kategorie punkten GGH Lowe und Grabarz & Partner mit dem Wunsiedel Marsch (Kunde: Exit) mehrfach. Ketchum Pleon und die BBDO Group nehmen einen bronzenen Löwen für „The 2 Euro T-Shirt“ für den Auftraggeber Fashion Revolution mit nach Hause. Der zweite bronzene Löwe geht an die Agentur Whitevoid Berlin, die mit der Lichtgrenze für die Stadt Berlin überzeugt. Insgesamt ist das kein überragendes Ergebnis für die deutschen Agenturen – aber immerhin besser als im Vorjahr, als sie nur einen Löwen gewannen. Zumal die Zahl der Einsendungen gleichzeitig mit 90 um 5,26 Prozent gesunken ist.

Überrascht und gefreut hat die Jury, dass rund die Hälfte der weltweiten Einsendungen zur Kategorie PR auch von PR-Agenturen eingereicht wurde. In den Vorjahren kam fast 20 Prozent weniger von ihnen. „Die PR-Agenturen haben in den vergangenen drei bis vier Jahren einen teilweise schmerzhaften Selbstfindungsprozess durchgemacht. Das dokumentiert diese Entwicklung“, sagt der deutsche Juror Jan Dirk Kemming von Weber Shandwick. Sie seine mittlerweile auch in der Lage, Geschichten emotional zu erzählen. „Wir sind beim Owned-Media-Storytelling angekommen, statt wie bisher eine reine Earned-Media-Kategorie zu sehen“, so Kemming weiter. Die deutschen PR-Agenturen hätten dabei allerdings noch Nachholbedarf. 

Creative Effectiveness: Aus einem Shortlistplatz für Deutschland wird ein bronzener Löwe

„Eine Arbeit, die Kreative und Strategen gleichermaßen feiern können“, hat die Jury der Creative Effectiveness Lions mit ihrem Grand Prix gefunden, ist sich Jury-Präsident Wendy Clark von Coca-Cola sicher. Der Preis geht an „Live Test Series“ für Volvo Trucks, das sich Forsman & Bodenfors ausgedacht haben. Die Arbeit verkörpere perfekt den Anspruch der Kategorie, in der kreative Arbeiten ausgezeichnet werden, die nachweislich einen Effekt auf das Geschäft des Kunden haben.

17 der insgesamt 160 eingereichten Arbeiten haben letztlich den Test der Jury bestanden. Sie teilen neben dem Grand Prix auch zwei goldene, vier silberne und zehn bronzene Löwen unter sich auf.  Den einzigen Löwen für Deutschland holt in diesem Jahr BBDO Berlin mit „Offroad“ für den Smart for Two (Daimler/Smart), der mit einer bronzenen Trophäe belohnt wird. Immerhin stimmt die Umwandlung der Shortlistplazierungen: Denn auch hier gab es aus deutscher Sicht nur eine. Die weiteren sieben Wettbewerbsbeiträge aus Deutschalnd hatten es nicht ins Finale geschafft. Die meisten Löwen sammeln auch hier die USA, die einmal Gold sowie je zweimal Silber und Bronze gewinnen. 

Glass Lions: Erster Grand Prix geht nach Indien

Wie viel Respekt sich Frauen in der Werbung noch erarbeiten müssen, zeigte die Pressekonferenz zur ersten Vergabe des Glass Lions-Wettbewerbs: Während die Sitzplätze für Journalisten bei der Bekanntgabe der klassischen Kategorien nicht ausreichten, blieben hier fast zwei Drittel unbesetzt. Zumal allein zwölf von den Teilnehmerinnen des „See it be it“-Programms, einer Initiative zur Förderung von Frauen in Agenturen, besetzt wurden. 
Den ersten Grand Prix für eine Arbeit, die gängige Geschlechtermuster und stereotype Vorstellungen von Frauen und Männern in Marketingbotschaften in Frage stellt, vergeben die Juroren um Präsidentin Cindy Gallop (If We Ran The World / Make Love Not Porn), an BBDO India in Mumbai für „Touch the Pickle“ für Whisper Sanitary Napkins von Procter & Gamble. Die Kampagne thematisiert die Tabuisierung des Thema „Menstruation“ in Indien. „Wir haben die Jury-Arbeit sehr ernst genommen und nach einem Grand Prix gesucht, der zeigt, wofür der Glass Lions steht, die Veränderung von Stereotypen“, sagt Gallop. Touch the Pickle verknüpfe perfekt Marke, Produkt und Thema, ohne auf Humor zu verzichten, um die Einstellung der Gesellschaft zu dem Thema zu verändern, so Gallop weiter.

Insgesamt hat die Jury neben dem Grand Prix sieben Glass Lions vergeben. Sie gehen an Arbeiten aus dem Libanon, Uruguay, Indien, Kanada, USA, Vereinigte Arabische Emirate und Großbritannien. Insgesamt wurden zu den Glass Lions 166 Arbeiten eingereicht, darunter zwei aus Deutschland. Auf die Shortlist hatten es 18 von ihnen geschafft – die beiden aus Deutschland waren nicht dabei. bu/ems
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