Cannes Lions 15 Löwen für Deutschland bei Direct, Mobile, Press und Promo & Activation

Montag, 22. Juni 2015
Gold-Gewinner: Philipp Schwartz, Boris Grunwald, Jan Wiendiek (alle GGH Lowe) und Ina Bach (Grabarz) – v.l.
Gold-Gewinner: Philipp Schwartz, Boris Grunwald, Jan Wiendiek (alle GGH Lowe) und Ina Bach (Grabarz) – v.l.
Foto: Cannes Lions
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Cannes Serviceplan Grey BBDO GGH Lowe Grabarz & Partner Volvo


Zwei Health-Löwen haben Mutabor und Serviceplan bereits am Freitagabend abgeräumt. Mittlerweile ist in Cannes die Haupt-Festivalwoche gestartet und es gibt weitere Erfolge zu vermelden: Insgesamt 15 Löwen holen die hiesigen Agenturen in den Wettbewerbskategorien Direct, Mobile, Press und Promo & Activation. 

Direct Lions: Die besten Ideen kommen von den NGOs

Bei den Direct Lions gehen fünf Löwen auf das Konto der deutschen Teilnehmer. Das ist eine leichte Verbesserung gegenüber 2014: damals waren es nur vier. Grund zum Jubeln hat vor allem das Dreamteam GGH Lowe und Grabarz & Partner, die mit ihrer bereits vielfach bei anderen Shows prämierten Anti-Naziaktion für Exit Deutschland gleich zweimal Gold und einmal Silber einheimsen. Die Arbeit punktete auch in der Sparte Promo & Activation. Dazu später mehr. Die weiteren deutschen Gewinner der Direct Lions sind BBDO Berlin und Ogilvy Frankfurt. BBDO holt Silber für "The Monster-Smart Launch", Ogilvy kann sich über Bronze für das "Hasenrasen" im Auftrag von Media Markt freuen.
Bei der intensiven Diskussion um den Grand Prix setzte sich schließlich die Volvo-Kampagne "Interception" von Grey New York durch. Ebenfalls in der Diskussion waren unter anderem "#Handsoff" für Marc Dorel von Marcel Paris und die von vielen im Vorfeld favorisierte Kampagne "#Likeagirl" für die Procter & Gamble-Marke Always von Leo Burnett Toronto. Das deutsche Jurymitglied Diether Kerner (Philipp und Keuntje) findet, dass "#Likeagirl" in der Diskussion zu Unrecht "herunter gebügelt" wurde. Es hieß, es habe einen ähnlichen Auftritt schon einmal für Nike gegeben. Eine Meinung, die Kerner nicht teilt.
Grundsätzlich habe es bei den NGO-Kampagnen einige Kandidaten gegeben, die er eher Grand-Prix-würdig erachtet hätte - darunter etwas die „Ice Bucket Challenge“ der ALS Association in Washington, die Millionen von Menschen direkt erreicht und ein Spendenaufkommen von 220 Millionen US-Dollar generiert hat. Solche Arbeiten, bei denen der Absender eine gemeinnützige Organisation ist, können aber laut den Cannes-Statuten höchstens Gold im normalen Wettbewerb erzielen. Sie haben darüber hinaus die Chance, am Ende der Festivalwoche den "Grand Prix for Good" zu gewinnen. 

Promo & Activation: Kampagnen mit sozialem Mehrwert liegen vorn

Auch in der Kategorie Promo & Activation konnten vor allem Kampagnen überzeugen, die ein gesellschaftliches Anliegen transportieren - ob Toleranz oder Sicherheit, alles was mit derartigen Themen zu tun hat, liegt in der Gunst der Juroren ganz vorn. Das bestätigt das deutsche Jury-Mitglied Tim Stübane (Ogilvy Berlin): "Dieser Trend reißt nicht ab, im Gegenteil: Er wird sogar noch stärker."
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Anti-Nazi-Marsch auch hier die meisten Löwen für Deutschland abgeräumt hat. Einmal Gold und einmal Silber gehen erneut auf das Konto von GGH Lowe und Grabarz & Partner. Darüber hinaus holten Grey Düsseldorf und Ogilvy je einmal Silber und Bronze. Grey überzeugte gleich doppelt mit der Germanwings-Kampagne „Corridor Targeting“. Das bereits erwähnte „Hasenrasen“ von Ogilvy Frankfurt wurde bei den Promo & Activation Lions versilbert. Bronze gewinnt das Berliner Team für die Powerade-Kampagne „Workout Billboards“.
Insgesamt wurden hier 117 Löwen vergeben - das sind fast 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Angesichts der Tatsache, dass hier es bei Promo & Activation einen Einsenderückgang von rund 14 Prozent gab, war die Jury hier offenbar sehr großzügig. Die Leistung der deutschen Agenturen ist konstant: Sie haben genau wie im Vorjahr 6 Löwen gewonnen.
Stübane erklärt, dass die Diskussion um den Grand Prix auch bei ihm recht heftig war. "Fachlich wurde auf sehr hohem Niveau und sehr intensiv diskutiert." Am Ende machte eine Kampagne aus Großbritannien das Rennen, deren Absender erneut Volvo ist. Das Projekt "Lifepaint" von Grey London setzte sich gegen die anderen Anwärter durch. Diese waren Stübanes persönlicher Favorit "Proud Whopper" für Burger King von David Miami sowie "Nivea Doll" von FCB Brasil. Alle drei Kampagnen erfüllen den Eingangs von Stübane erwähnten Trend: Sie transportieren einen sozialen Mehrwert.

Mobile Lions: Arbeiten, die das Verhalten ändern, gewinnen

Auch in der Kategorie Mobile mussten die Wettbewerbsbeiträge echten Mehrwert bringen, sonst hatten sie keine Chance auf einen Löwen  geschweige denn auf den Grand Prix. So wie Google "Card Board", das die Jury um ihre Präsidentin, Joanna Monteiro (FCB Brasilien), mit dem wichtigsten Preis bedacht hat. "Google Card Board verändert wirklich das Verhalten der Konsumenten und demokratisiert die Technologie für sie", fasst Monteiro zusammen. Nicht nur der Grand Prix zeige, welches Potenzial in Mobile, Social Media und Content stecke, wenn sie miteinander verknüpft würden, zieht Preethi Mariappan (Razorfish), die als Jurorin für Deutschland am Start war, Bilanz ihrer Juryarbeit. "Man benutzt Google Card Board und das Leben verändert sich", begeistert sie sich. 
Insgesamt zeigt sich die Jury von der Qualität in der Kategorie Mobile begeistert. "Das Niveau im Wettbewerb war sehr hoch. Dennoch haben wir viel diskutiert, auch beim Grand Prix. Es waren aber durchweg positive Diskussionen, die uns Juroren neue Perspektiven geöffnet haben, weil die Arbeiten sehr unterschiedlich sind", berichtet Mariappan. 

Aus deutscher Sicht konnten in diesem Jahr nur drei Arbeiten die Juroren begeistern. Serviceplan nimmt einen silbernen Löwen für "The Less Paul Skill Check" für Gibson Guitar mit nach Hause, Razorfish Berlin holt Bronze mit "Audi TT Broschure Check", genau wie Iconmobile Berlin, die mit dem Beitrag "Oral B Smart Brush und App" überzeugen.
Die deutschen Agenturen verbessern sich damit zwar im Vergleich zum Vorjahr, in dem sie nur zwei Trophäen gewinnen konnten. Allerdings zeigt sich auch Mariappan ein bißchen enttäuscht, weil die Zahl der Einsendungen von ihnen in der Kategorie Mobile mit 48 um 37,66 Prozent gegenüber 2014 gesunken ist. Gleichzeitig ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge sowie der vergebenen Löwen in dieser Kategorie im Vergleich zum Vorjahr jeweils leicht gestiegen. "Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, warum die deutschen Agenturen so wenige Mobile-Arbeiten einschicken. Es gibt wirklich viele gute Arbeiten aus diesem Bereich", wundert sich die Jurorin.

Press Lions: Das Stiefkind der Cannes-Juroren

E
rnüchterung bei den Press Lions: Hier können die deutschen Kreativen kaum noch überzeugen. In dieser klassischen Print-Kategorie reicht es gerade mal für einen bronzenen Löwen. Der geht an BBDO Berlin für die Smart-Motive "Rome" und "Berlin". 
BBDO Berlin holte mit dem Motiv "Berlin" für Smart Bronze
BBDO Berlin holte mit dem Motiv "Berlin" für Smart Bronze (Bild: Cannes Lions)
Selbst Jurypräsdent Pablo Del Campo (Saatchi & Saatchi) konnte sich nicht richtig für seine Sparte erwärmen. Er sei sehr geschmeichelt gewesen als er hörte, dass er Jurypräsident in Cannes werden solle - bis er erfahren hat, dass es sich um die Kategorie Press handelt. Das sagt schon viel aus. Das deutsche Jury-Mitglied Fabian Kirner (Grey) outet sich zwar als Fan von großformatigen Anzeigen, räumt aber auch ein, dass die Kategorie reformiert werden müsste. Kirner vermisst den innovativen Umgang mit dem Medium Print und glaubt, dass Casefilme, die in dieser Kategorie nicht erlaubt sind, zuweilen helfen würden, um die Story hinter einer Printkampagne zu erklären.

Kirner verrät, dass seine Jury am liebsten gar keinen Grand Prix vergeben hätte. Das wäre allerdings ein schlechtes Signal für die Branche gewesen. So fiel die Wahl letzten Endes auf eine Kampagne, die eher den Titel "Best of Category" verdient hätte, weil sie in der Sparte Press insgesamt die meisten Löwen holte. Die Rede ist von einer Kampagne für das Bike-Sharing-Programm The Buenos Aires Public Bike System von The Community/La Comunidad in Miami. bu/ems
Der Grand Prix in der Kategorie Press geht nach Argentinien
Der Grand Prix in der Kategorie Press geht nach Argentinien (Bild: Cannes Lions)

 

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