Cannes-Abräumer Supreme Music Vom Suchen und Finden des perfekten Werbesongs

Mittwoch, 03. August 2016
Die Geschäftsführung von Supreme Music: Max Olowinsky, Florian Lakenmacher, Felix Müller (v.l.)
Die Geschäftsführung von Supreme Music: Max Olowinsky, Florian Lakenmacher, Felix Müller (v.l.)
Foto: Supreme Music

Mit Musikproduktionen ist es in der Werbebranche ja so eine Sache. Obwohl Songs ganz entscheidenden Anteil daran haben, dass ein Werbefilm emotional aufgeladen wird, stehen die Komponisten stark im Schatten von Kreativagentur und Filmproduktion. Der Grand Prix für Edekas Megaerfolg "Heimkommen" in Cannes könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein, um das zu ändern - glauben die, die den Titelsong des Spots erschaffen haben: die Köpfe von Supreme Music.
Den 24. Juni 2016 werden Max Olowinsky, Felix Müller und Florian Lakenmacher wohl so schnell nicht vergessen. An diesem Freitagabend nämlich haben die drei Geschäftsführer, die Supreme Music 2008 gründeten, den allerersten Grand Prix in der in diesem Jahr eingeführten "Entertainment Lions for Music"-Kategorie gewonnen. "Der Grand Prix in Cannes ist eine schöne Bestätigung für viel Arbeit", sagt Lakenmacher, nicht ohne umgehend einzuschränken: "Aber wir sind nicht die Typen, die wegen einem Award mit Schampus auf dem Tisch tanzen."
Tatsächlich geht es den Musikern nicht wirklich um den Medaillenregen, den die Kreativbranche ja gerne auf nationalen wie internationalen Festivals über sich ergehen lässt. Vielmehr hoffen sie auf eine nachhaltige Wirkung, die der große Erfolg von "Heimkommen" für den Bereich Werbemusik mit sich bringen könnte. Denn gerade die Entstehungsgeschichte des Titelsongs "Dad", gesungen von Neele Ternes, sei genauso beispielhaft wie ungewöhnlich. Denn der Titel, der jetzt zurecht gefeiert wird, war am Anfang gar nicht erste Wahl. Dass er am Ende doch den Weg in den Final Cut geschafft hat, liegt laut Lakenmacher daran, dass sein Team während der Entwicklungsphase des Films Spielraum und Zeit für eigene Ideen hatte: "Während der Produktion kam irgendwann der Moment, als wir etwas aus dem Bauch heraus probierten und darüber nachdenken konnten, was wir als Komponisten für richtig für diesen Film halten. Und das ist etwas, das man nicht in einem Meeting briefen kann. Das sind ganz besondere Momentaufnahmen im Alltag einer Musikproduktion."
Edeka #heimkommen
Bild: Edeka

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Es ist diese vermeintliche Randnotiz aus dem Entstehungsprozess von "Heimkommen", die für die Chefs von Supreme Music eine so große Bedeutung hat. Denn weil sie früh in die Entwicklung des Films mit einbezogen waren, wussten sie genau, in welche Richtung Jung von Matt gehen wollte: "Jens Pfau (Kreativgeschäftsführer bei Jung von Matt/Alster, Anm. d. Red.) lag die Geschichte sehr am Herzen, das haben wir in jedem Telefonat gemerkt. Und die Story, die in dem Song erzählt wird, passt glaubwürdig dazu. Wenn dir die Story durch eigene Erlebnisse selbst nahe geht, dann wird der Film auch einzigartiger und besser", so Lakenmacher weiter. Das heißt auch: Je früher die Musikproduktion in die Kampagnenentwicklung miteinbezogen wird, desto besser kann sie im "kreativen Entstehungsprozess der Musik loslassen" (Lakenmacher) und die musikalische Ausrichtung stärker beeinflussen. So könne man letztlich vermeiden, dass Kunden immer die gleichen Moodtracks in Spots verwendet wollen, die "tausendfach getestet wurden und auch wirklich gar niemanden mehr stören" (Olowinsky).
Supreme-Geschäftsführer Max Olowinsky (rechts) mit Jung-von-Matt-Chef Jens Pfau (links) und Supreme-Composer Chris Buseck mit ihrem Grand Prix in Cannes
Supreme-Geschäftsführer Max Olowinsky (rechts) mit Jung-von-Matt-Chef Jens Pfau (links) und Supreme-Composer Chris Buseck mit ihrem Grand Prix in Cannes (Bild: Supreme Music/Facebook)
Aber wird Werbemusik in Zeiten, in denen immer mehr Marken auf große Bildgewalt und emotionales Storytelling in den digitalen Kanälen setzen, wirklich immer wichtiger? Schließlich gibt es Ohrwürmer und gute Songs in Commercials schon lange. "Die Bedeutung von Musik in der Werbung hat gar nicht unbedingt zugenommen. Aber das Verständnis für die Macht von Musik ist gestiegen", ist sich Felix Müller sicher. Was der Supreme-Geschäftsführer meint, ist, dass die Bedeutung der ersten Sekunden, in der der Werbungtreibende den Verbraucher überzeugen muss, im Zeitalter der Informationsflut und sozialen Netzwerke enorm gestiegen ist. "Der moderne Konsument hat diese 5-Sekunden-Aufmerksamkeitsspanne - eben genau so lange, bis man eine Pre-Roll bei Youtube wegklicken kann", sagt auch Max Olowinsky. "Es dann zu schaffen, den Nutzer bis zum Ende des Videos bei der Stange zu halten – genau in dieser Hinsicht ist Musik mit einer besonderen Stimme oder einem Beat, den man so noch nie gehört hat, sehr mächtig."
Die große Kunst aus Sicht der Komponisten ist es, dass eine Marke mit einem spezifischen Klang in Verbindung gebracht wird - etwas, dass laut den Supreme-Gründern Jahre dauert. Apple hat das Mitte der 2000er Jahre geschafft, auch Vodafone nennen die drei erfahrenen Komponisten als Beispiel für gutes, konsequent exekutiertes Sound-Branding. Dabei muss es laut Olowinsky gar nicht unbedingt immer eine Ballade, ein Uptempo-Dance-Song und das gleiche Genre sein. Gerade Edeka hat in den letzten zwei Jahren mit zwei völlig unterschiedlichen Werbehits für internationale Furore gesorgt: neben "Dad" und "Heimkommen" auch noch mit "Supergeil" (Musikproduktion: Jakob Grunert/White Horse Music). Beide Tracks funktionieren, weil sie die beiden völlig unterschiedlichen Geschichten komplett tragen und maßgeschneidert mit dem Konsumenten kommunizieren. Dass beide Songs es anschließend in die Charts schafften, ist dafür der beste Beleg.
Wie geht es nach dem Erfolg in Cannes eigentlich für Supreme Music weiter, jetzt, wo die Telefone kaum noch stillstehen und viele potenzielle Kunden auf Lakenmacher, Olowinsky und Müller zukommen? Tatsächlich ist die höchste Auszeichnung beim weltweit größten Kreativfestival der Welt für das Team von Supreme ziemlich zur richtigen Zeit gekommen. Denn das Unternehmen wächst: Vor zwei Jahren hat man das neue Büro in Berlin eröffnet, mit großem Studio und Aufnahmeraum. "Dort können wir uns dem Thema Recording noch intensiver widmen und handgemachte Musik noch stärker pushen", so Lakenmacher. Das Ziel: Den inspirativen Startup-Standort als Hub nutzen, "uns von der Muse küssen lassen und qualitativ noch mal auf eine andere Ebene kommen." Spätestens nach "Heimkommen" liegt die Messlatte dafür ziemlich hoch. tt
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