C3 übernimmt UK-Agentur Seven „Wir bauen den Content-Marketing-Champion!“

Mittwoch, 20. Januar 2016
In Angriffslaune: Gregor Vogelsang, Sean King (CEO Seven), Lukas Kircher, Rainer Burkhardt (v.l.)
In Angriffslaune: Gregor Vogelsang, Sean King (CEO Seven), Lukas Kircher, Rainer Burkhardt (v.l.)
Foto: Markus Tedeskino für C3

Nächste Runde im Kampf um die Vormachtstellung im Boom-Markt Content Marketing: Der deutsche Marktführer C3 übernimmt die englische Agentur Seven und schraubt seinen Umsatz damit von 66 auf 100 Millionen nach oben. Im Interview mit HORIZONT Online sagt C3-Geschäftsführer Gregor Vogelsang: „Nach der Übernahme von Seven sind wir der europäische Marktführer und stoßen in die globale Liga vor. Unser erklärtes Ziel ist, einen internationalen Content-Marketing-Champion zu bauen. Seven ist ein weiterer Zwischenschritt, aber längst noch nicht das Ende der Geschichte.“

C3 übernimmt Seven von der Guardian Media Group und dem Caledonia Investment Trust, über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. Seven ist in Großbritannien eine etablierte Größe, zu den Kunden gehören Unternehmen wie Weightwatchers, McDonald’s und - der wichtigste Klient - Sainsbury. Der Umsatz belief sich 2015 auf 33,5 Millionen Euro. Zusammen mit ihrer neuen Tochter, die zunächst ihren Namen beibehält, beschäftigt C3 nun rund 600 Mitarbeiter und hat Büros in London, Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Zürich, Lissabon, Moskau, Hongkong und New York.

In ihrem ersten Geschäftsjahr hatte die Agentur C3, die aus einer Fusion von Kircher Burkhardt und Burda Creative entstanden ist, den Umsatz um 10 Prozent auf 66 Millionen Euro gesteigert. „Dieses Tempo wollen wir jetzt noch einmal steigern, wobei Seven der größere Wachstumstreiber sein wird“, so Vogelsang zu HORIZONT Online.

HORIZONT Online sprach mit den drei Geschäftsführern von C3, Rainer Burkhardt, Lukas Kircher und Gregor Vogelsang. Zu Wort kommt auch Sean King. King ist CEO von Seven und bleibt, wie die gesamte Führungsmannschaft, auch nach der Übernahme an Bord. Um die Integration der beiden Unternehmen wird sich vorrangig Vogelsang kümmern, was auch Folgen für den wichtigen C3-Standort München nach sich ziehen dürfte. 

Zur Bedeutung des Deals

Vogelsang: „Nach der Übernahme von Seven sind wir der europäische Marktführer und stoßen in die globale Liga vor. Wir machen genau das, was wir bei der Fusion von KircherBurkhardt und Burda Creative angekündigt haben: Unser erklärtes Ziel ist, einen internationalen Content-Marketing-Champion zu bauen. Seven ist ein weiterer Zwischenschritt, aber längst noch nicht das Ende der Geschichte. Es wird weitere Merger geben, was das betrifft, legen wir unsere Hände jetzt ganz sicher nicht in den Schoß.“

Kircher: „Der Deal eröffnet uns eine fantastische Perspektive. Wir verbinden den ökonomisch stärksten Kommunikationsmarkt, also Deutschland, mit dem international renommiertesten und innovativsten, nämlich Großbritannien. Daraus kann etwas richtig Großes entstehen.“ 

Über die Zusammenarbeit der beiden Agenturen

Kircher: „Wir sprechen intern immer von einer Innovations-Arbitrage. Und die ist in diesem Fall gewaltig. C3 ist Seven in den Feldern Strategie und Technologie ein ganzes Stück voraus. Davon werden unsere englischen Kollegen jetzt massiv profitieren. Auf der anderen Seite ist UK beim Thema Content Marketing zwei bis drei Jahre weiter als wir in Deutschland - und Seven ist ganz klar der qualitative Innovationsführer in diesem Markt! Diesen Vorsprung bei Social Media, Campaigning und Performance werden wir konsequent für den deutschen Markt nutzen.“

Vogelsang: „Ich werde mich sehr viel stärker einbringen, als es das Seven-Management von den früheren Shareholdern gewohnt war, und das ist auch genau das, was beide Seiten wollen. C3 und Seven werden den Markt künftig gemeinsam bearbeiten und auch zusammen bei Pitches antreten.“ 

Über die Wachstumsziele

Vogelsang: „Mit Seven werden wir unser organisches Wachstum noch einmal ordentlich beschleunigen. Unsere Erfahrung nach dem Zusammenschluss von Burda Creative und KircherBurkhardt war, dass wir jetzt zu Pitches eingeladen werden, bei denen wir früher niemals zum Zuge gekommen wären. Dieser Effekt wird sich jetzt wiederholen. C 3 ist 2015 um 10 Prozent gewachsen - und das in einem Merger-Jahr! Dieses Tempo wollen wir jetzt noch einmal steigern, wobei Seven der größere Wachstumstreiber sein wird. Wir sehen hier ein riesiges Potenzial, vor allem auch in Bereichen, in denen Seven bisher kaum vertreten ist, etwa Automotive und Finanzdienstleister. Da kann C3 mit seiner Expertise sicher helfen.“ 

Über die Bedeutung des Deals für das Geschäft in Deutschland

K
ircher: „Der Deal mit Seven wird in Deutschland wie ein weiterer Beschleuniger wirken. Der Markt für Content Marketing ist ja noch in keinster Weise gesättigt oder konsolidiert, da ist noch vieles im Umbruch. Gleichzeitig ist Content längst kein Nischenthema mehr, sondern kommt gerade in der Mitte des Marketings an. Unser Ehrgeiz war immer, uns einen Innovationsvorsprung zu erarbeiten. Die Erfahrungen von Seven in England, wo die Verzahnung von klassischem und Content Marketing schon deutlich fortgeschrittener ist, werden für unser Geschäft in Deutschland extrem hilfreich sein. In unserem Hub in London bauen wir Innovation-Labs, in denen sich unsere Mitarbeiter, aber auch unseren Kunden, von aktuellen Entwicklungen inspirieren lassen können.“ 

Über die Bedeutung des Deals für das Geschäft in UK

Sean King: „Wir freuen uns sehr, künftig Teil des C3-Networks zu sein. Wir werden damit zur ersten Adresse für Content Marketing in Europa. Angesichts des schnellen Wachstum dieses Marktes gibt uns die neue Größe und der Zugang zu weiteren Kompetenzen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.“ 

Über die Gefahr, dass bald Werbeagenturen die Disziplin Content Marketing dominieren könnten

Burkhardt: „In dem Maße, wie wir ins klassische Marketing drängen, versuchen die Werbeagenturen natürlich, in unsere Bereiche vorzustoßen. Dass Serviceplan jetzt eine Unit für Content Marketing gründet, ist da nur das jüngste Beispiel. Aber die Kunden begreifen sehr wohl: Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man es mit einer Agentur zu tun hat, die von Anfang an Content-centric aufgestellt ist, oder mit einer klassischen Network-Agentur, wo Sie unter 500 Mitarbeitern vielleicht drei Journalisten finden.“ 

Vogelsang: Nur damit das Bild richtig bleibt: Wir sind die Angreifer, nicht die Werbeagenturen! Die Networks sind die Verteidiger, die jetzt irgendwelche Units aufbauen, weil sie beim Thema Content bisher nicht viel zu bieten haben. Und weil sie erkennen, dass Content Marketing mittlerweile praktisch alle Agenturdisziplinen durchzieht. Die Werbeagenturen laufen einem Trend hinterher und wir sind der Igel, der sagt: „Sorry, wir sind schon da.“ Und jetzt ziehen wir noch als erste die internationale Karte.“ 

Wie wichtig ist es, international aufgestellt zu sein?

Kircher: „Das ist der zweite Teil einer großen Arbeitsthese, die wir ganz zu Beginn aufgestellt haben. Wir glauben, erstens, dass Content Marketing immer mehr zum Marketing-Mainstream wird. Zweitens: Wir sind überzeugt, dass die Kunden verstärkt fragen werden: Bei klassischen Kampagnen kann ich in London etwas einbriefen, das dann international ausgerollt wird - warum geht das bei Content Marketing nicht? Wir glauben ganz intensiv an die Fortschreibung des Marktes, und dazu gehört unabdingbar auch die Internationalisierung.“ 

Über den wirtschaftlichen Zustand von Seven

Vogelsang: „Wir haben eine profitable Firma gekauft und sehen jede Menge Potenzial, die Company noch sehr viel profitabler zu machen - und das schon im ersten Jahr.“ 

Über die Ertragsstärke des Geschäftsmodells Content Marketing

Burkhardt: „Was die Rendite betrifft, liegen wir wahrscheinlich irgendwo zwischen Media- und Werbeagenturen. 2015 haben wir unsere Marge deutlich gesteigert. Wobei ich auch sagen möchte: Wir laufen aktuell ja nicht in einem Ebit-Optimierungsmodus, sondern befinden uns in einer Investitionsphase, weil wir an einen stark expandierenden Markt glauben.“ 

Über die Notwendigkeit, jetzt zu wachsen

Kircher: „Wir sehen ein einzigartiges Fenster, jetzt ein globales Content-Marketing-Netzwerk zu bauen. Es gibt ganz klar die strategische Notwendigkeit, in den kommenden zwei bis drei Jahren eine globale Größe zu erreichen.“

 Über die internationale Entwicklung von Content Marketing

Vogelsang: „England und Deutschland werden weiter die Lokomotiven der Marktentwicklung in Europa sein. Deswegen ist es ja auch so wichtig, hier präsent zu sein. Die anderen Märkte werden sich an UK und Deutschland orientieren und das Geschäft in ihren Ländern weiter professionalisieren. Der Zug fährt jetzt durch Skandinavien, danach folgen Benelux und schließlich Südeuropa - und C3 sitzt ganz vorne in diesem Zug.“ js

Meist gelesen
stats