Buchveröffentlichung "Ihr Schokohase hatte keine Eier!" - Werbetexter Geigenmüller erfindet Beschwerden

Freitag, 13. März 2015
Tobias Geigenmüller meckert über alles
Tobias Geigenmüller meckert über alles
Foto: Tobias Geigenmüller
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Tobias Geigenmüller Fiat Hornbach Reckitt Benckiser


Als Werbetexter für Agenturen wie BBDO und DDB hat er im Auftrag von Kunden wie Volkswagen, Mercedes-Benz und Allianz die Verbraucher angesprochen, jetzt hat Tobias Geigenmüller den Spieß umgedreht. Als empörter Konsument, der sich über alles ärgert, hat er fiktive Beschwerdebriefe an Unternehmen, Behörden und Institutionen geschrieben. Diese Briefe und die Antworten hat Geigenmüller jetzt in einem Buch veröffentlicht. Titel: "Ihr Schokohase hatte keine Eier!" Lesen Sie im Folgenden Auszüge aus den Beschwerden - und den Antworten.

Hornbach

Sehr geehrtes Hornbach-Team, vor kurzem erfuhr ich, dass Sie in Ihrem Geschäft Mütter verkaufen. Ich finde das ungeheuerlich!!! Leute, die gezwungen sind, ihre eigenen Mütter zu verscherbeln, können einem nur leidtun. Dass Sie als namhaftes Unternehmen aber diesen perversen Menschenhandel zum Geschäftsmodell machen, ist geradezu unmenschlich. Und dann auch noch zu einem solch absurden Preis. Wer kauft denn bitte schön 100 Mütter für 1,30 Euro? Da ist ja eine Tüte Milch kaum teurer. Das kann beim besten Willen keine Qualitätsware sein. Oder es handelt sich um sehr alte Mütter, eher schon Großmütter ...

Ich bittte Sie in dieser Angelegenheit um Stellungnahme. Vielleicht tue ich Ihnen ja Unrecht, und dieses Angebot richtet sich ausschließlich an Waisenhäuser, oder Sie haben ansonsten eine schlüssige Rechtfertigung Ihres Angebots.

Antwort Hornbach

Es tut uns ausgesprochen leid, dass wir Sie erschreckt haben, aber dass wir Mütter für 1,30 Euro ab 100 Stück verkaufen ist - Tatsache! Und - Sie haben es sicher schon vermutet - analog zu unserer Aktion "Mach was gegen Hässlich" bekommen Sie diese auch noch in unterschiedlichen Farben, Ausführungen und Größen. So haben wir zum Beispiel Mütter mit Hut und auch mit Flügeln! ...

Aber, um Ihnen doch noch die Angst zu nehmen, es sind keine Mütter sondern Muttern. Die "Mutter" ist das mit einem Innengewinde versehene Gegenstück einer Schraube oder eines Gewindebolzens. Der Name ist analog zu dem des Gegenstücks, zum sogenannten Schraubenvater oder zur sogenannten Vaterschraube gebildet (Quelle: Wikipedia.de).

Fiat

Sehr geehrtes Fiat Team,

vor ein paar Tagen hat mir die Halterin eines Fiat 500 den Parkplatz genommen, obwohl ich bereits blinkend und in Warteposition stand, als das dort vorher parkende Fahrzeug den Parkhafen verließ. Als ich die Frau aufgebracht darauf aufmerksam machte, zuckte sie nur mit den Schultern und ging.

Ich möchte mich hiermit über Ihren Kundenstamm beschweren! Es kann nicht sein, dass Sie derartigen Kriminellen Ihre Produkte verkaufen. Die schlimmste Beleidigung, die mir einfiele, wäre für diese Frau immer noch ein Kompliment. Wenn das Image Ihrer Marke nicht nachhaltig beschädigt werden soll, rate ich Ihnen deswegen, sämtliche von Ihnen verkauften Fahrzeuge im Raum Berlin-Steglitz zurückzurufen.

Die Täterin hatte dunkelrot gefärbte Haare. Dass es sich überhaupt um eine Frau handelte, war ausschließlich an der Haarlänge zu erkennen ... Ihr Wagen trug den Aufdruck eines italienischen Designermodengeschäfts - ihrem Outfit nach zu urteilen, muss der Laden allerdings überwiegend Designermode aus der DDR führen. Oder es handelte sich um blinde italienische Designer. Der Körperbau der Dame war üppig. Sie passte zwar noch in die Fahrerkabine, ich habe aber nicht genau beobachten können, ob Sie dabei beide Vordersitze gleichzeitig verwendet.

Ich hoffe, meine Personenbeschreibung reicht aus, um das Subjekt zu identifizieren und sämtliche anderen Automarken vor ihr zu warnen und dafür zu sorgen, dass die Frau in Zukunft nicht mehr auf Rädern durch die Straßen rollen kann. Oder Sie schenken ihr ein neues Fahrzeug, das sich ab Tempo 140 plötzlich nicht mehr lenken lässt. Das wäre wohl der italienischere Weg.

Antwort Fiat

Vielen Dank für die ungeschönte Schilderung Ihres Erlebnisses. Nur zu gut können wir uns den Schrecken dieses Ereignisses vorstellen. Und wir teilen Ihre Entrüstung über diese Kundin und ihr Verhalten. Natürlich ist es uns gelungen, im Zuge unserer Recherchen das fragliche Fahrzeug wie auch die fragliche Halterin zu ermitteln (Stichwort: vernetztes Automobil). Die Genfer Menschenrechtskonvention verbietet uns jedoch, in der von Ihnen vorgeschlagenen Weise gegen die Person vorzugehen. Wir bitten um Ihr Verständnis und setzen dabei auf Ihre emotionale Souveränität, die mit zunehmendem zeitlichen Abstand sicher noch gewachsen sein dürfte.

Seien Sie vergewissert, dass wir in Zukunft bei der Auswahl unserer Käuferpotenzials noch gewissenhafter vorgehen werden. Die gesamte automobilwirtschaftliche Wirkungskette bis hin zum Verkäufer vor Ort wird in diesen Prozess integriert sein. Die stärkste Waffe im Kampf um niveauvolle Automobilität ist die Realisierung einer wirklich niveauvollen Käuferschaft. Vor diesem Hintergrund schlagen wir Ihnen vor, bei Ihrem nächsten Fahrzeugkauf ein Modell der Marke Fiat in Betracht zu ziehen. Sie wären uns als Premiumkunde ebenso willkommen wie als lebendes Bollwerk wider den gesellschaftlichen Werteverlust!

Das Buch ist im Piper-Verlag erschienen
Das Buch ist im Piper-Verlag erschienen (Bild: Piper-Verlag)

Reckitt-Benckiser (Clerasil)

Liebes Team von Clerasil,

meine superheiße Freundin Anna und ich wollten uns heute Abend eigentlich ganz swag ein paar romantische Stunden machen. Aber daraus wird wohl leider nichts. Denn eben im Badezimmer entdecke ich ihn. Er ist allerdings auch krass schwer zu übersehen. Er ist so dermaßen groß, dass er als eigener Kontinent auf der Weltkarte eingezeichnet werden müsste. Mann kann kaum sagen, dass ich einen Pickel habe - nein: Vom Größenverhältnis hat der Pickel eher mich ...

Nun frage ich Sie: Wie kann trotz meiner gewissenhaften Clerasil-Pflege ein derartiger Hyper-Mega-Monster-Godzilla-Pickel in meinem Gesicht gedeihen? Immerhin benutze ich schon seit einigen Monaten ihr Produkt. Ich nehme Waschgel und Gesichtswasser. So langsam bekomme ich allerdings den Eindruck, ich könnte mir genauso gut Schuhcreme ins Gesicht schmieren. Oder Wurstwasser. Ihre Firma hat definitiv meinen heutigen Abend auf dem Gewissen ... Dafür verlange ich eine Wiedergutmachung von Ihnen!

Antwort Reckitt-Benckiser

Vielen Dank für Ihre Zusendung. Wir bedauern, dass Sie diese Unannehmlichkeiten hatten. Alle Produkte, wie auch das Clerasil Waschgel und Gesichtswasser, wurden vor der Einführung im Labor und zusammen mit Verbrauchern im Hinblick auf Wirksamkeit, Materialveträglichkeit und sichere Anwendung mit guten Ergebnissen umfangreich getestet.

Bitte prüfen Sie, ob es sich bei der von Ihnen beschriebenen Dimension tatsächlich um einen Mitesser und nicht um eine Mutation handelt. Bei Hautveränderungen, welche durch atomare Katastrophen oder das T-Virus entstanden sind, kann leider kein Clerasil-Produkt entgegenwirken. Gerne senden wir Ihnen anbei einen automatischen Clerasil Perfecta Wash Dosierspender. Sicherlich wird auch Ihre Freundin davon angetan sein. Wir wünschen Ihnen eine gute Besserung und in diesem Sinne: You only live once.

Das Buch von Tobias Geigenmüller ist im Piper-Verlag erschienen. Zu den Unternehmen, die aufs Korn genommen werden, gehören auch die Werbeagenturen Thjnk und Jung von Matt. mam
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