Brexit-Befürworter Agenturchef Guy Hayward erklärt, warum er für den EU-Ausstieg gestimmt hat

Sonntag, 03. Juli 2016
Der weltweite CEO der BMW-Agentur KBS glaubt, dass der Brexit die richtige Wahl ist
Der weltweite CEO der BMW-Agentur KBS glaubt, dass der Brexit die richtige Wahl ist
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Der typische Brexit-Befürworter ist über 60, hat einen niedrigen Bildungsabschluss und wohnt in einer ländlichen Gegend im Osten Englands. So die allgemeine Annahme. Guy Hayward bildet die Ausnahme von der Regel. Der globale CEO des US-Agenturnetworks KSB hat für den Brexit gestimmt, obwohl er sich selbst als überzeugten Europäer bezeichnet. Im Exklusivinterview mit HORIZONT erklärt der Brite, der aktuell in New York lebt, weshalb er seine Stimme für den EU-Ausstieg abgegeben hat.

Sie sind Brite, betreuen mit BMW einen deutschen Kunden, arbeiten als Global CEO in New York und haben Expansionspläne in Europa. Warum sind Sie für den Brexit? Ich bin Europäer durch und durch. Dennoch bin ich ein absoluter Brexit-Befürworter. Ich sehe das so: Wir wurden nicht gefragt, ob der Brexit kurzfristig gesehen gut oder schlecht für die Wirtschaft ist. Die Frage lautete: Wollen wir wirklich Teil der Europäischen Union sein?

Warum wollen Sie das nicht? Alle Länder in Europa sind Demokratien – mehr oder weniger. Die EU ist es nicht. Weder haben wir Jean-Claude Juncker gewählt, noch können wir ihn abwählen. Das mächtigste Instrument der EU ist die EU-Kommission. Das Gremium ist ein Alterssitz für erfolglose Politiker. Hart formuliert: Alle Demokratien in Europa sind Teil einer Superstruktur, die in ihren Grundfesten nicht demokratisch ist.

Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder? Doch. David Cameron hat meines Erachtens an der falschen Front gekämpft. Er hätte mit den Spitzenpolitikern der anderen Nationen darüber diskutieren müssen, wie man das Konstrukt EU demokratischer gestalten kann. 

Dass der Brexit dramatische wirtschaftliche Folgen für Großbritannien haben wird, beunruhigt Sie nicht? Das ist doch alles gar nicht bewiesen. Ich lebe in New York und sehe dort Range Rovers in jeder Straße, schottischen Whisky in jeder Bar, britische Mode in Soho und jedes Flugzeug hat Rolls-Royce-Motoren. Großbritannien ist also durchaus in der Lage auch unabhängig von der Europäischen Union erfolgreich Handel zu betreiben. Das war auch lange vor der EU schon so und wird wieder so sein. Darüber mache ich mir langfristig also keine Gedanken. 

Sie haben einen deutschen Kunden. Glauben Sie nicht, dass der Brexit beziehungsweise Ihre Einstellung dazu, negative Auswirkungen auf die Beziehung zu BMW haben könnte? Nein. Wieso. Da gibt es nichts infrage zu stellen. Unsere Beziehung zu BMW ist sehr gut und wir geben unser Bestes für den Kunden. KBS profitiert nicht davon, ob Großbritannien nun in der EU ist oder nicht. Unser Headquarter ist schließlich in New York. Unsere Arbeit für BMW wird in New York gemacht. Es macht also keinen Unterschied im Vergleich zu vorher.

In der Kommunikationsbranche stehen Sie mit Ihrer Ansicht ziemlich alleine da. Ich bin einfach der Meinung, dass vieles aktuell sehr aufgebauscht und viele Schreckensszenarien skizziert werden. Ich hoffe, dass sich das alles schnell beruhigt. Großbritannien hat nun zwei Jahre lang Zeit, seinen Ausstieg aus der EU zu verhandeln. Ich hoffe, dass es kluge Leute sein werden, die diese Verhandlungen führen und dass sie es tun, ohne Brücken niederzubrennen. bu

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