Bob Greenberg Warum sich R/GA immer wieder neu erfindet

Donnerstag, 14. September 2017
R/GA-Gründer Bob Greenberg auf der Dmexco
R/GA-Gründer Bob Greenberg auf der Dmexco
Foto: Dmexco

„Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“ - dieses Zitat des deutschen Lyrikers und Liedermachers Wolf Biermann könnte auch von Bob Greenberg stammen. Der Chef von R/GA wird bei seiner Dmexco-Keynote nicht müde zu betonen, dass „Selbst-Disruption“ der Kern des Geschäftsmodells seiner Agentur ist.

Aber darf man R/GA überhaupt noch als Agentur bezeichnet? Laut Greenberg ist das Agenturgeschäft, mit dem man sein Unternehmen vornehmlich assoziiert, nur noch eines von insgesamt sechs Geschäftsfeldern. Einst als Filmproduktion gestartet, wandelte sich das Unternehmen in den 80ern zum digitalen Designstudio, wurde in den 90ern zur Interactive Agentur und verpasste sich in den 00er Jahren das Label „Agency for the Digital Age“. Daraus wurde dann ein Unternehmen „For the Connected Age“ und heute steht hinter dem Firmennamen der Zusatz „Connected by Design“.

Nur um es klarzustellen: R/GA macht immer noch Werbung. Aber Greenbergs Firma hat unter anderem auch ein eigenes Venture-Programm, mit dem es Start-Ups dabei unterstützt, die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Marktauftritt zu schaffen. Insgesamt 73 Neugründungen hat R/GA bereits mit Kapital, kreativen Ideen und Verbindungen zu Top-Marken zum Erfolg verholfen. Dabei kooperiert R/GA mit anderen starken Partnern wie Snapchat, Verizon und Fox Sports.

R/GA versteht sich außerdem als Unternehmsberatung und hilft Kunden bei der Entwicklung neuer und der Verbesserung bestehender Geschäftsmodelle, mit denen sie sich dem digitalen Wandel stellen. Eines der jüngsten Geschäftsfelder nennt sich Connected Spaces. Greenberg bezeichnet seine Firma selbstbewusst als „Pioniere in der Verbindung zwischen physischen Räumen und digitalen Landschaften", wobei Architektur, Design und Technologie immer eine zentrale Rolle spielen. Bestes Referenzbeispiel dafür ist das hoch technologisierte Headquarter von R/GA selbst, bei dem Greenberg mit dem berühmten Architekten Norman Foster zusammengearbeitet hat.

Alle 17 Niederlassungen von R/GA in aller Welt sind auf eine Weise miteinander vernetzt, dass die Agentur ihren Kunden einen 24/7-Service garantieren kann. Denn irgendwo auf dem Globus wird immer gearbeitet. Davon würde auch das neue Berliner Office profitieren, das seit dem Start auf 2000 Mitarbeiter zugreifen und somit auf große Aufträge bewältigen kann.

Greenberg ist auch 41 Jahre nach der Gründung offenkundig noch sehr stolz auf sein Baby, das er völlig unbescheiden als „fortschrittlichstes Agenturmodell der Welt“ bezeichnet. Sein Credo sei es stets gewesen, sich alle neun Jahre neu zu erfinden und bestehende Modelle infrage zu stellen. Das würde jetzt aber nicht mehr greifen. In der heutigen schnelllebigen Welt müsse man sich nahezu jedes Jahr fragen, ob sein Geschäftsmodell noch zeitgemäß ist. Das seiner Agentur sei zu immerhin 80 Prozent perfekt. Die restlichen 20 Prozent könnten niemals erreicht werden, weil R/GA ständig in Bewegung sei. bu

Meist gelesen
stats