Blackwood Seven Wie eine dänische Mediaagentur den deutschen Markt aufrollen will

Donnerstag, 28. Mai 2015
Booming-Chef Andreas Schwabe
Booming-Chef Andreas Schwabe
Foto: Booming
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Mediaagentur Booming ProSiebenSat.1 Andreas Schwabe


Die dänische Firma Blackwood Seven will das Mediaagentur-Business aufmischen und kauft zum Start in Deutschland die ProSiebenSat1-Tochter Booming, einen Spezialisten zur Optimierung von Kampagnen in Online und TV. Kann das etwas werden?

Die Machtverhältnisse im deutschen Media-Business scheinen seit Jahren wie zementiert. Geschätzt knapp 90 Prozent des Geschäfts machen internationale Networks vom Schlage Group M und Omnicom, daneben schlagen sich heimische Player wie Mediaplus (Serviceplan), Pilot oder Crossmedia zum Teil recht erfolgreich. Im September startet nun eine Mediaagentur neuen Typs, die ziemlich vollmundig antritt. Ziel sei es, „die etablierten Praktiken des kostenintensiven, intransparenten und personalintensiven Mediaagentur-Modells abzulösen.“

Wer ist Blackwood Seven?

Blackwood Seven wurde vor zwei Jahren von Carl Erik Kjaersgaard, Thomas Betretnes und Henrik Busch in Kopenhagen gegründet, als Geldgeber stehen wohl Finanzinvestoren im Hintergrund, die an das neue Geschäftsmodell glauben. Eigenen Angaben zufolge ist Blackwood Seven der am schnellsten wachsende Mediadienstleister Dänemarks und hat es aus dem Stand in die Top 5 der Branche geschafft. Zu den Kunden  zählen „Marktführer in ihren jeweiligen Kategorien wie Coop, Unibet und Fitness World“. Nach Deutschland ist auch der Markteintritt in den USA und England geplant.
Blackwood Seven greift in Deutschland an
Blackwood Seven greift in Deutschland an (Bild: Blackwood Seven )
Das Konzept von Blackwood Seven basiert auf einem Algorithmus, der - so die Eigenwerbung - „eine präzise Prognose der Auswirkungen von Mediainvestitionen aller Medien auf ihre Sales-Effekte bietet und sie permanent in den Planungsprozess integriert“. Blackwood Seven verspricht den Kunden „Effektivitätssteigerungen von bis zu 30 Prozent“. Mit dem Establishment der Mediaagenturen gehen die Dänen hart ins Gericht: Man wolle die Nachteile des gegenwärtigen Systems „eliminieren“, wozu „Intransparenz in der Planung“ und „dramatisch hohe Margen der Mediaagenturen“ zählen.

Wer ist Booming?

Blackwood Seven übernimmt von Pro Sieben Sat 1 100 Prozent der Booming GmbH, die eigenen Angaben zufolge in Deutschland für einen Media-Umsatz von 50 Millionen Euro steht. Das Unternehmen wurde 2007 in München gegründet und ist als Spezialist für die crossmediale Optimierung von Kampagnen positioniert, wobei vor allem Digital, Search und TV im Zentrum stehen. Booming soll nun als eine Art Brückenkopf für Deutschland dienen und sukzessive die Tools von Blackwood Seven adaptieren. Ziel ist eine Art „Serviced Platform“.

Gründer und CEO von Booming ist Andreas Schwabe, der das Unternehmen 2012 an Pro Sieben Sat 1 verkaufte. Zusammen mit seinem Kompagnon Markus Wolfbauer wird er das Unternehmen weiter operativ führen - und gleichzeitig Partner bei Blackwood Seven werden. Auch Schwabe attackiert das herrschende Mediasystem in harschen Worten: „Mit unserem neuen Ansatz lösen wir all die Probleme und Ärgernisse, die aktuell  heftig in den Verbänden und der Presse diskutiert werden. Transparenz ohne hidden agenda und eine datenbasierte und auf Kunden-KPIs ausgerichtete Planung und Optimierung werden die Branche revolutionieren.“ 

Welche Rolle spielen Paul Vogler und Uli Veigel?

Neben der Übernahme von Booming gelingt den Dänen zum Start ein zweiter schöner Coup: Für den strategischen Beirat wurden mit Paul Vogler (Ex Mindshare) und Uli Veigel (Grey) zwei Hochkaräter aus der deutschen Werbeindustrie gewonnen, die dem Newcomer Türen zu Kunden öffnen könnten. 

Wie stehen die Chancen für Blackwood Seven?

Schwer zu sagen. Antworten auf die entscheidenden Fragen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös möglich. Wie gut ist die angeblich revolutionäre Technik von Blackwood Seven wirklich? Wie viel Kapital steht hinter der Agentur? Ist der Ansatz nicht zu speziell, um den Fullservice-Dickschiffen der Mediaagenturbranche wirklich ernsthaft Konkurrenz zu machen?

Was für Blackwood Seven spricht: Bei den Werbungsreibenden wächst ganz offensichtlich die Bereitschaft, Alternativen zum bisherigen Mediasystem zumindest ernsthaft zu prüfen. Zuletzt sind die mächtigen Media-Networks auch in den USA verstärkt in die Kritik geraten.

Booming-Chef Andreas Schwabe und seine Leute - laut Website beschäftigt das Unternehmen rund 50 festangestellte Mitarbeiter - muss nun erst einmal die Tools von Blackwood Seven für den deutschen Markt adaptieren und installieren, was einen ziemlichen Kraftakt bedeuten dürfte. Gespannt darf man auch sein, ob und in welchem Umfang in Deutschland in neues Personal investiert wird - und wie schnell man mit ersten Erfolgsmeldungen aufwarten kann. js

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