Blackwood Seven Becker und Stork übernehmen das Kommando, neue Rolle für Schwabe

Donnerstag, 02. November 2017
Andreas Schwabe hört als Deutschlandchef von BW7 auf
Andreas Schwabe hört als Deutschlandchef von BW7 auf
© Blackwood Seven Germany

Ist das jetzt ein Aufstieg, ein Abstieg oder ein Umstieg? Fest steht: Andreas Schwabe, seit dem Start 2015 hierzulande das Gesicht von Blackwood Seven, gibt den Chefposten in Deutschland ab und widmet sich als CMO künftig internationalen Aufgaben. Fest steht auch: Die selbsternannten Disruptoren bleiben in Deutschland bisher hinter den Erwartungen zurück. So richtig hat es mit der ausgerufenen Revolution („Das System der Mediaagenturen ist reif!“) noch nicht geklappt.

Was ist los und wie geht es weiter?

Die bisherige Bilanz von Blackwood Seven ist ambivalent. Andreas Schwabe ist es zweifellos gelungen, den Newcomer, der ganz auf künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Super-Algorithmen setzt, sehr schnell sehr bekannt zu machen. Einen guten Teil dazu beigetragen haben sicher auch zwei Männer, die im deutschen Werbebusiness feste Größen sind: Paul Vogler, der die Mediaagentur Mindshare über viele Jahre höchst erfolgreich angeführt hatte, sowie der Ex-Grey-Chef Uli Veigel, der in der Branche nach wie vor bestens vernetzt ist. Beide sitzen im strategischen Beirat von Blackwood Seven und öffneten viele Türen bei großen Werbungtreibenden. Trotz einiger Erfolge klappt es in Deutschland aber noch nicht so richtig. In einem Interview mit HORIZONT Online räumte Schwabe im August ein: „Wir sind in Deutschland nicht so schnell vorangekommen, wie wir uns das gewünscht und auch erwartet haben.“ In den USA und nordeuropäischen Ländern entwickle sich das Geschäft des 2013 in Dänemark gegründeten Unternehmens deutlich schneller.

Fragt sich, woran das liegt: an Schwabe oder an den Verhältnissen im deutschen Media-Business. Oder ist die Software von Blackwood Seven doch nicht so gut wie behauptet?

Schwabe gilt als begnadeter Verkäufer - in Interviews und auf Podien gibt er stets eine überzeugende Figur ab. Auch die Argumente, die für Blackwood Seven und einen grundsätzlichen Wandel im Mediageschäft sprechen, hat er im Schlaf drauf. Zu konstatieren ist aber eben auch, dass er es bisher nicht geschafft hat, die umfangreichen Akquisitionsbemühungen in signifikantes Neugeschäft umzuwandeln.

Vielleicht liegt es aber auch tatsächlich an den deutschen Mediachefs, die vor radikalen Lösungen zurückschrecken und lieber weiter auf klassische Media-KPIs vertrauen. Blackwood Seven steht dagegen für einen radikal Performance-getriebenen Ansatz. Die Bereitschaft, für Sales-Modellings wirklich Geld auszugeben, ist bei vielen Werbungtreibenden aber wohl begrenzt.

Eine dritte mögliche Erklärung: Viele Unternehmen können die Sales-Daten, die ein Modell wie das von Blackwood Seven braucht, in Wirklichkeit gar nicht oder nur sehr unzureichend liefern. Das gilt vor allem für den Bereich der Fast Moving Consumer Goods.

Auf der anderen Seite spricht aber nach wie vor auch viel für Blackwood Seven. Der Ansatz, eine Alternative zu den großen Mediaagenturen mit ihren komplizierten und intransparenten Strukturen zu bieten und auf Sales- statt Media-KPIs zu setzen, ist auf der Höhe der Zeit. Was Technologie und Big-Data-Kompetenz betrifft, liegt BW7 wohl tatsächlich weit vorne.

Und jetzt, wie geht es weiter in der Nach-Schwabe-Ära? Mit Bernhard Becker und Thorsten Stork befördert Global CEO Carl Erik Kjaersgaard zwei Männer zu Managing Directors, die das deutsche Mediageschäft aus dem Effeff kennen. Becker kam im Mai als Vice President Operations zu BW7, zu seinen früheren Stationen zählen Mindshare, Seven One Media, Aegis und Mediaplus.  Auch Stork ist ein erfahrener Manager. Zuletzt leitete er den Münchner Standort der Mediaagentur Zenith, davor stand er bei Mediaplus, MEC (Wavemaker) und Mindshare in Lohn und Brot. Die beiden Neuen sollen die Agentur jetzt erden und operativ für mehr Schlagkraft sorgen.

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Bild: Volkswagen

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Berichten werden Becker und Stork an Mark Zamuner. Der ist der Chief Revenue Officer der Gruppe und wird einen genauen Blick auf die Zahlen in Deutschland werfen. Allzu gut dürften die nicht sein, die Agentur ist wohl noch weit entfernt von schwarzen Zahlen. Aktuell arbeiten rund 50 Leute für BW7 in München. Wie viele es nach den Reformen, die die beiden Chefs jetzt sicher anstoßen, noch sein werden, ist offen.

Zum Start der Neuen gibt es gleich eine schlechte Nachricht. PHD gab gestern bekannt, ab Anfang 2018 auch das Programmatic-Geschäft von Volkswagen zu managen, Paid Social und Search könnten folgen. Für Blackwood Seven blieben dann nur noch Modellings übrig. Das ist deshalb so bitter, weil VW als wichtigster Referenzkunde und Erfolgs-Case für BW7 gilt. Für Becker und Stork gibt es also einiges zu tun. Es bleibt spannend bei Blackwood Seven - der Agentur, die 2015 angetreten ist, den deutschen Media-Markt gewaltig aufzumischen. js

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