Bilanz Grey legt zu - und geht wieder nach Berlin

Dienstag, 03. Dezember 2013
Grey-Chef Dickjan Poppema ist zufrieden (Foto: Agentur)
Grey-Chef Dickjan Poppema ist zufrieden (Foto: Agentur)

Dickjan Poppema, seit einem Jahr CEO der deutschen Grey-Gruppe, zieht eine positive Bilanz seines bisherigen Wirkens bei der WPP-Tochter. Für das Jahr 2013 weist Grey ein Umsatzplus von 5 Prozent und eine zweistellige Umsatzrendite aus. Konkrete Zahlen nennt die Agentur mit Verweis auf die Vorgaben der Holding nicht. "Nach zwei Jahren mit einer schwarzen Null haben wir dank einer Reihe attraktiver Neugeschäftserfolge, einer konsequent auf den Kunden ausgerichteten Personalpolitik und eines klugen Finanzmanagements in nur elf Monaten eine für unsere Branche sehr gute Ertragssituation mit einer knapp zweistelligen Marge auf den Honorarumsatz geschaffen", erklärt Poppema.

Gleichzeitig räumt der 50-Jährige ein, dass die Zahlen ohne die Schützenhilfe der Europazentrale in London anders ausgesehen hätten. So steht der bislang in London bilanzierte Allianz-Etat seit diesem Jahr vollständig in den Büchern der Düsseldorfer Agentur. Auch Geschäft mit dem Kunden Boehringer Ingelheim ist vom Network an die deutsche Agentur weitergereicht worden. Zudem hat das Headquarter sämtliche Restrukturierungskosten für den Umbau am Standort Düsseldorf übernommen.

Insgesamt hat die deutsche Grey-Gruppe laut CEO Poppema in diesem Jahr 28 Etats gewonnen, wobei es sich größtenteils um Projektaufträge handelt. Einen großen langfristigen Etat konnte die Agentur nicht für sich verbuchen. "Das wollen wir im nächsten Jahr besser machen", sagt Poppema. Verteidigen konnte Grey dagegen die Aufträge von Deichmann und Ay Yildiz. Nicht mehr auf der Kundenliste steht ab 2014 allerdings Seat. Jedoch machen sich Poppema und sein Team Hoffnungen, von der Vergabe des Volvo-Etats an Grey London zu profitieren. In der Defensive ist man dagegen bei Großkunde Allianz: Das Unternehmen wird aller Voraussicht nach im kommenden Jahr seinen Etat ausschreiben.

Die Grey-Bilanz ist erstaunlich. So ist es der Agentur das Kunststück gelungen, mit mehr Mitarbeitern (374 gegenüber 369) und weniger (Projekt-)Etatgewinnen als im Vorjahr nicht nur mehr Umsatz, sondern auch eine deutlich höhere Marge zu erzielen als zuletzt. 2012 lag die Rendite laut Poppema bei null. Jetzt ist sie wieder zweistellig. Rechnet man die von London übernommenen Restrukturierungskosten hinzu, liegt sie allerdings deutlich niedriger.

Matthias Meusel leitet Berliner Büro
Matthias Meusel leitet Berliner Büro
Dennoch will Grey weiter investieren. So baut die Agentur das Anfang des Jahres geschlossene Büro in Berlin wieder auf mit neuer Mannschaft und neuer Ausrichtung. Die Niederlassung positioniert sich als "digital-hybrider" Agenturstandort mit integriertem Angebot. Die Führung übernehmen Beratungschef Matthias Meusel und Kreativchef Oliver Handlos. Meusel war zuletzt Marketingchef bei Mobile.de. Davor war er sowohl auf Agentur- wie auf Unternehmensseite tätig, unter anderem für Scholz & Friends, DDB, Coca-Cola und Vodafone. Handlos kommt von BBDO New York, wo er als Kreativdirektor unter anderem AT&T betreute. Zuvor war er für Agenturen wie Jung von Matt und Scholz & Friends tätig.

Verstärkt werden die beiden von CD Jan Lucas und Digital Director Achim Weber. Lukas kommt von M&C Saatchi, Weber von DDB Tribal. Einen Startkunden hat das Berliner Büro noch nicht. André Schieck, Digitalchef der Grey-Gruppe, ist aber zuversichtlich, dass er zum Start des Büros Anfang Januar einen Auftraggeber präsentieren kann. Man befinde sich derzeit in aussichtsreichen Gesprächen, so Schieck.

Neben dem Büro in Berlin will Grey das Angebot weiter ausbauen. So sind Ableger beziehungsweise Kooperationen für die Bereiche PR, Consulting, Science und Lifestyle denkbar. In diesem Zusammenhang sind auch Übernahmen möglich. Ein vorstellbarer Kandidat ist die PR-Agentur Markenzeichen, mit der Grey bereits kooperiert. Ein neues Angebot steht bereits fest: Anfang Januar startet Grey Works. Hier will die Agentur in Zusammenarbeit mit der WPP-Schwester Hogarth Produktions- und Umsetzungsleistungen sowie Kampagnenmanagement anbieten. Vorbild ist das am Standort London etablierte Modell. Hier kooperieren die beiden Agenturen bereits miteinander. Firmen wie Hogarth bieten ihre Leistungen in der Regel deutlich günstiger an als etablierte Werbeagenturen.

Angreifen will Grey auch in der Kreation. Spätestens 2015 will man in die Top 10 des Kreativrankings. Dafür steht ein Award-Budget im deutlich sechsstelligen Bereich zur Verfügung. Verantwortlich für die Erreichung dieses Ziels ist der neue Kreativchef Fabian Kirner. mam

Mehr zum Thema lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 49/2013 vom 5. Dezember
Meist gelesen
stats