Bilanz 2016 Jung von Matt schrumpft um knapp 10 Prozent

Donnerstag, 16. Februar 2017
Jung von Matt muss ein Umsatzminus verkraften
Jung von Matt muss ein Umsatzminus verkraften
© JvM

Der Presseabend bei Jung von Matt hat eine lange Tradition. Diesmal fand er deutlich früher statt als sonst und stand aus Sicht der anwesenden Journalisten vor allem im Zeichen der zwar immer noch nicht offiziell von der CDU bestätigten, aber dennoch bereits gestarteten Zusammenarbeit mit der Partei der Kanzlerin für die Bundestagswahl im September.

Trotzdem lohnt ein Blick zurück. Die Agenturgruppe hat im vorigen Jahr einen Umsatz von 116 Millionen Euro erzielt – im In- und Ausland und unter Vollanrechnung sämtlicher Beteiligungen. Das entspricht einem Minus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als man einen Gesamtumsatz von 129 Millionen Euro meldete. Die Mitarbeiterzahl sank von 1117 auf 1043. Das Honorarvolumen in Deutschland (2015: 77,3 Millionen Euro) ist laut Auskunft von Vorstand Peter Figge noch nicht final ermittelt, dürfte aber in ungefähr derselben Größenordnung wie der Gesamtumsatz gesunken sein. Schließlich stammen die Hauptursachen für die Einbußen aus dem deutschen Markt.

Da ist zum einen die vollständige Dekonsolidierung der früheren Beteiligung Lukas Lindemann Rosinski, an der Jung von Matt keine Anteile mehr hält. Zum anderen - und in erster Linie - der Verlust des Etats von Mercedes-Benz, der in der Bilanz für 2016 zum ersten Mal voll durchschlägt. Denn obwohl Jung von Matt den Etat bereits Mitte 2015 offiziell an Antoni abgeben musste, erledigte die Agentur noch einige Jobs und wurde entsprechend weiter bezahlt. Als Konsequenz aus dem Etatverlust musste die Gruppe unter anderem den Ableger JvM/365 schließen und sich von einer größeren Anzahl Mitarbeiter trennen.

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Trotzdem gehört der Daimler-Konzern immer noch zu den wichtigsten Auftraggebern der Agenturgruppe. So ist sie unter anderem in China für das Unternehmen tätig (Smart), darüber hinaus für die Marke Moovel sowie mit dem Stuttgarter Ableger JvM/Neckar. Weitere Kunden im Automobilsektor sind Kia, MAN, Mini und BMW. Für Mini agiert Jung von Matt als weltweite Leadagentur, für BMW als weltweite digitale Leadagentur. Zudem pitcht man bei dem Münchner Autobauer um einzelne Carlines. So ist beispielsweise der internationale Master der neuen Kampagne für die 5er-Baureihe aus der Feder von Jung von Matt. Die Umsetzung im deutschen Markt realisiert die hiesige BMW-Agentur Heye Grid.

Wie hoch der Umsatz ist, den die JvM-Gruppe aktuell mit Autokunden erzielt, wollen die Verantwortlichen nicht genau beziffern. 2015 – also noch mit Mercedes-Benz –  waren es laut Konzernabschluss 29 Millionen Euro, allerdings inklusive Fremdkosten. Bereinigt dürften es damals aber immer noch um die 25 Millionen Euro gewesen sein. Heute liegt die Vergleichsgröße schätzungsweise zwischen 15 und 20 Millionen Euro. Die Agentur versucht darin auch Positives zu sehen und weist darauf hin, dass sich in der neuen Konstellation das Klumpenrisiko, also die Abhängigkeit von einem Großkunden, deutlich verringert hat.

Doch noch mal zurück zur CDU. Hier wollten die Journalisten vor allem wissen, wie denn die werbliche Inszenierung der Partei und vor allem der Kanzlerin aussehen muss – insbesondere nachdem sich die Situation durch das Erstarken der SPD mit ihrem designierten Kanzlerkandidaten und Parteichef Martin Schulz deutlich zugunsten der Sozialdemokraten verbessert hat. Offiziell kann und will sich die Agentur nicht dazu äußern, auch wenn der Vertrag mit der CDU inzwischen unterschrieben sein soll. Aber zu hören war, dass man erst einmal abwarten wolle, mit welchen Inhalten der SPD-Kandidat sich positioniert. Die Welle der Euphorie, auf der er derzeit surfe, werde jedenfalls wieder abebben, glauben die CDU-Werber.

Um diesen Kunden und die Kanzlerin sollen sich die beiden Vorstände Thomas Strerath und Jean-Remy von Matt kümmern. Apropos von Matt: Der Co-Gründer, der sich diesmal ganz besonders in Schale geworfen hatte und als einziger mit Schlips und Kragen erschien, machte einen durchaus gelösten Eindruck – und sprach mehrfach darüber, welchen anderen Beschäftigungen er inzwischen auch nachgeht. So zeigte er Bilder von seinem neuen Hobby: Von Matt entwirft und baut Lampen, zum Beispiel aus Mistgabeln und Wäschetrommeln. Außerdem will er die „Mondscheinsonate“ von Ludwig van Beethoven lernen. Wenn er die beherrscht, so die Abmachung mit seiner Frau, darf er einen Flügel in das Wohnzimmer des neuen Domizils in Berlin stellen. Und womöglich um der Dauerfrage nach seinem Ausstieg aus der Agentur zu entgehen, bringt er selbst sein Alter ins Spiel – mit dem Hinweis, dass er bald Rente beziehen kann. Von Matt wird im November 65 Jahre alt. mam    

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