Bilanz 2016 Grey steigert Umsatz um fast 8 Prozent auf 33 Millionen Euro

Dienstag, 06. Dezember 2016
Dickjan Poppema, CEO Grey Germany
Dickjan Poppema, CEO Grey Germany
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Die Agenturgruppe Grey Germany hat ihre Bilanz für das Jahr 2016 präsentiert. Die Umsatzzahlen können sich sehen lassen: Die von CEO Dickjan Poppema geführte WPP‎-Tochter mit Sitz in Düsseldorf und Berlin steigerte den Honorarumsatz um 7,8 Prozent auf 33,3 Millionen Euro. 

Damit ist die Umsatzdelle aus dem Vorjahr, als die Agentur unter anderem auf die Gelder des Mitte 2014 an Ogilvy & Mather verlorenen Kunden Allianz verzichten musste, einigerma‎ßen ausgeglichen. Die Profitabilität konnte Grey um 1,8 Prozentpunkte steigern und kommt nach eigenen Angaben jetzt auf einen hoch einstelligen Wert. "Wir sind nicht mehr weit von 10 Prozent entfernt", sagte CEO Poppema bei einem Pressegespräch am Dienstag in Düsseldorf.

Dass der Manager überhaupt konkrete Zahlen nennt, ist ungewöhnlich. In der Regel berufen sich die lokalen Chefs von Agenturen, deren Holdings an der US-Börse notiert sind, auf die Vorgaben der Mutterkonzerne, keine wirtschaftlichen Kennziffern zu nennen. In den Vorjahren hatte sich bereits BBDO Germany aus der Deckung gewagt und wieder konkrete Angaben gemacht.
Poppema
Bild: Grey

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Die Mitarbeiterzahl der deutschen Grey-Gruppe ging leicht von 348 auf 339 zurück. Dafür erhöhte sich die Zahl der Freelancer.‎ Vor allem für den Neukunden C&A, dessen Geschäft saisonal geprägt ist, müsse man immer wieder auf Freiberufler zugreifen, sagt CEO Poppema - im Jahresschnitt auf 20 bis 25. Neben der Textilhandelskette konnte in diesem Jahr mit Grohe ein zweiter Großkunde gewonnen werden. C&A avanciert aus dem Stand zum zweitgrößten Auftraggeber hinter Procter & Gamble und vor Deichmann. Grohe rangiert direkt dahinter auf Platz 4 der für die Agentur stärksten Umsatzbringer.

Darüber hinaus konnte Grey in diesem Jahr 20 weitere Kunden gewinnen, darunter solche mit längerer Laufzeit wie beispielsweise Westlotto (bislang bei BBDO) und Weber-Grill sowie mehrere Projektaufträge. Zudem ist die Gruppe mit einem großen Unternehmen in Gesprächen über eine maßgeschneiderte Agentureinheit. ‎Sollte das Modell zustande kommen, ist geplant, eine über die Grey-Gruppe hinausgehende Lösung mit Ressourcen aus weiteren WPP-Gesellschaften zu etablieren. Um welchen möglichen Kunden es geht, will Poppema noch nicht verraten. In zwei Wochen könne er aber womöglich mehr sagen, so der CEO.
„Wir konkurrieren heute mit Unternehmensberatern und IT-Unternehmen. Hier können wir als Agentur nur brillieren, wenn wir die benötigten Spezialkompetenzen bündeln, die in vielen Fällen mit Werbung nichts mehr zu tun haben.“
Dickjan Poppema
Sogenannte "Customized Agencies" aufzubauen ergibt aus seiner Sicht ohnehin nur dann Sinn, wenn ein gewisses Honorarvolumen (mindestens 4 bis 5 Millionen Euro pro Jahr) gegeben und die betreute Marke besonders attraktiv ist. ‎Sollte der Etat zu klein sein, würde der Aufwand nicht lohnen. Und bei Marken ohne große Strahlkraft falle es schwer, wirklich gute Mitarbeiter für die Aufgabe zu gewinnen, findet Poppema.

Ein neues Angebot hat Grey bereits im Markt: Die Beratungseinheit Grey Adventures. Sie widmet sich der Realisierung anspruchsvoller (extern entwickelter) Beratungslösungen in der Praxis. An der Spitze der aktuell fünf Mitarbeiter starken Einheit, die sich intern als "Creative Business Evolution Consultancy" bezeichnet, steht Digitalchef Andre Schieck. Mit seinem Team soll er dafür sorgen, dass strategische Digital- und Brandingkonzepte, die beispielsweise von großen Beratungshäusern oder Designagenturen entwickelt werden, den Weg aus der Beratertheorie in die konkrete Umsetzung finden.
Matthias Meusel Grey
Bild: Grey

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"Wir konkurrieren heute mit Unternehmensberatern und IT-Unternehmen. Hier können wir als Agentur nur brillieren, wenn wir die benötigten Spezialkompetenzen bündeln, die in vielen Fällen mit Werbung nichts mehr zu tun haben" sagt Gruppenchef Poppema. Den Beratungshäusern attestiert er zwar ein tiefes Technologie- und Prozessverständnis, gleichzeitig aber auch ein komplettes "Kreativitätsversagen". Zu den Kunden, die in der neuen Einheit betreut werden, gehören DHL mit dem Landverkehr-Marktplatz Cillox und Eon. "Mit diesem neuen Angebot erreichen wir Kunden, die wir als Agentur nicht gewinnen konnten und beraten in Projekten, bei denen der Kunde uns als Agentur bisher nicht auf dem Zettel hatte", sagt Schieck.

Für das kommende Jahr kündigt Grey ein weiteres neues Angebot an. Details sollen im Februar vorgestellt werden. Zudem will die Gruppe den Umsatz 2017 um 5 Prozent steigern und die Marge um 0,5 Prozentpunkte verbessern. Zudem sollen das Bestandsgeschäft ausgebaut und neue Kunden gewonnen werden, allerdings mit einem eher zurückhaltenden Pitchverhalten. "Bei Pitches gilt die Devise: weniger ist mehr", sagt CEO Poppema und verweist auf den bis zu sechsstelligen Außenwert von Leistungen, den Agenturen in große Auswahlverfahren investieren. mam

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