"Beschämend" Neues Lucky Strike Logo fällt im Expertencheck durch

Donnerstag, 11. April 2013
Neues Design für Lucky Strike: Logo alt (l.) und Logo neu (r.) (Foto: Lucky Strike)
Neues Design für Lucky Strike: Logo alt (l.) und Logo neu (r.) (Foto: Lucky Strike)

Eine Ära geht zuende. Lucky Strike, eine der traditionsreichsten Zigarettenmarken, ändert ihr Logo. Der schwarze Lucky-Strike-Schriftzug, von mehreren Kreisen umrundet - das war einmal. Das Unternehmen British American Tobacco (BAT) gibt dem Markenzeichen einen neuen Anstrich. Wie kommt das Logo bei Designexperten an? HORIZONT.NET hat nachgefragt. Das Urteil ist - um es vorwegzunehmen - vernichtend.
Der Rebrush umfasst die komplette Zigarettenfamilie (Foto: Lucky Strike)
Der Rebrush umfasst die komplette Zigarettenfamilie (Foto: Lucky Strike)
"Starke Marken müssen mit der Zeit gehen oder besser noch ihrer Zeit voraus sein", erklärt British American Tobacco mit Sitz in Hamburg in der Pressemitteilung. Für "noch mehr Authentizität, Originalität und Modernität" bekomme die gesamte Zigarettenfamilie von Lucky Strike ein neues Packungsdesign.

Zur Designikone mauserte sich die Marke spätestens seit der "Vater des Industriedesigns" Raymond Loewy um 1940 das erste Redesign übernahm: Der bis dahin grüne Hintergrund wurde durch ein strahlendes Weiß ersetzt, um das runde Markenzeichen der "Luckies" - das Bullseye - noch mehr hervorstechen zu lassen.

Foto: Lucky Strike
Foto: Lucky Strike
Ab April erstrahlt der schwarze Schriftzug in Weiß. Zudem zeigt das Logo nun auch, wer diese Zigarette erfunden hat und 1871 registrieren ließ: R.A. Patterson in Richmond, Virginia. Die Typographie am Rand soll an Gold- und Silberbarren denken lassen. Somit spannt das neue Design laut BAT "den Bogen von R.A. Patterson ins 21. Jahrhundert". Je nach Variante gibt es das Logo in Rot (vollwürzig) und Blau (mild). Den Rebrush verantwortet die Hamburger Agentur G2.

Wie ein Sprecher berichtet, soll das neue Design zunächst ab sofort in Deutschland eingeführt werden. Wann der internationale Roll-out folgt, stehe noch nicht fest.

Wie das neue Erscheinungsbild in der Designbranche ankommt - HORIZONT.NET hat sich bei Experten umgehört. Lesen Sie auf den folgenden Seiten die Antworten von Knut Maierhofer (KMS Team), Heinrich Paravicini (Mutabor), Mathias Jahn, Florian Dengler (Metadesign), Claus Koch und Marc Wirbeleit. jm

Los geht's mit Knut Maierhofer

Knut Maierhofer, Inhaber und Geschäftsführer, KMS Team

Knut Maierhofer, Inhaber und Geschäftsführer, KMS Team
Mit dem Rebranding landet Lucky Strike keinen Glückstreffer. Das klassische Logo von Raymond Loewy ist eine Designikone, die seit mehr als 70 Jahren hervorragend funktioniert. Warum Lucky Strike die legendäre Zielscheibe jetzt für ein Zeichen im Retrodesign aufgibt, ist unverständlich. Mit dem Hinweis auf Unternehmensgründer R.A. Patterson und den Standort Richmond in Virginia sollen Assoziationen wie »traditionelles Handwerk« und »beste Qualität« geweckt werden. Das erinnert an die Strategie der Kultmarke Natural American Spirit, die ihr Image von Natürlichkeit, Bio und Friedenspfeife eifrig pflegt. Die Frage ist, ob ein Rebranding im Retrolook die Antwort auf die Probleme der Tabakindustrie ist.

Heinrich Paravicini, CCO, Mutabor Design

Heinrich Paravicini, CCO, Mutabor Design
Beschämend! Natürlich muss es erlaubt sein, eine Markenikone zu hinterfragen - allerdings sollte dieses passieren, ohne die zentralen Gene der Marke zu negieren. Das ist bei Lucky Strike geschehen, leider. Kill your idols. Leider wörtlich genommen. Schade.

Mathias Jahn, Freier Kommunikationsberater (zuvor: Heye)

Mathias Jahn, Freier Kommunikationsberater (zuvor: Heye)
Von der Marke zur Briefmarke. Völlig unklar, warum man ein herausragendes 40er-Jahre-Design komplett umwirft. Das Bullseye sieht jetzt aus wie ein Zollsiegel: Wiedererkennung reduziert, Signalwirkung reduziert, Coolness reduziert. Ein Punkt für den Mut, sowas zu tun. Ein Punkt für die Wahl der Typo. Macht 2 Punkte auf der nach oben offenen Loewy-Skala.

Florian Dengler, Executive Creative Director, Metadesign Berlin

Florian Dengler, Executive Creative Director, Metadesign Berlin
Nach dem anfänglichen Schrecken, dass es wirklich jemand gewagt hat, sich an einem der wenigen, noch im Verkauf befindlichen Design-Klassiker zu vergreifen, muss man in der Bewertung zwischen zwei Dingen unterscheiden:

Auch Markenklassiker dürfen und müssen sich weiterentwickeln. Coca-Cola hat das vor ein paar Jahren mit der absoluten Reduktion auf den Schriftzug eindrucksvoll bewiesen. Ob die Neuentwicklung des Lucky Strike Logos (bei dem man nicht von einer Evolution sprechen kann) richtig und gut ist, wird die Zeit zeigen.

Viel wichtiger aber ist, dass das von Raymond Loewy entwickelte, nunmehr "alte" Logo einen unvergleichlichen Klassiker darstellt, der nicht nur vom Sprung des Grafikdesigns in die Gegenwart und dem amerikanischen Werbewundertraum à la Mad Men erzählt, sondern auch eine der besten deutschen Werbekampagnen der 90er inspiriert hat. Das wird uns für immer bleiben. Was mit dem neuen Logo passieren wird und was wir in zehn Jahren dazu sagen werden, wer kann das schon wissen.

Claus Koch, Claus Koch, Hamburg

Claus Koch, Claus Koch, Hamburg
Eine Ikone von Raymond Loewy verschwindet. Schade. Plakativität hat erste Priorität bei einer Zigarettenpackung. Lucky Strike kann ich besser lesen, der Charakter hat sich aber signifikant verändert. Schulnoten vergebe ich keine. Das hilft nichts.

Marc Wirbeleit, freier Texter und Kreativdirektor, Hamburg

Marc Wirbeleit, freier Texter und Kreativdirektor, Hamburg
Manche glaubten ja noch an einen verspäteten Aprilscherz, als das neue Logo auftauchte. Es stünde "für noch mehr Authentizität, Originalität und Modernität", habe ich inzwischen gelesen. Aber "noch mehr Irgendwas" war noch nie authentisch, original oder modern sein, das sind alles Alleinstellungen. Um die Qualität der beiden Logos zu verstehen, muss man sie nur ohne Typo ansehen. Das eine ist immer noch eine Marke, das andere nur ein roter Kreis mit einem 3D-Verlauf, der vor einiger Zeit kurz angesagt war.
Meist gelesen
stats