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Freitag, 20. Mai 2016
Eindeutig zweideutig: So sehen die Statuetten der "Handy Awards" aus
Eindeutig zweideutig: So sehen die Statuetten der "Handy Awards" aus
Foto: Screenshot handyawards.org
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Goldidee Awardzirkus Kreativbranche


Goldideen-Wahnsinn, unzählige Kreativwettbewerbe, selbstverliebte Egomanen - die Werbebranche muss regelmäßig viel Kritik einstecken. Unbekannte haben nun mit den "Handy Awards" einen neuen Wettbewerb ins Leben gerufen, mit dem sie den ganzen Kreativzirkus auf die Schippe nehmen. Der Clou: Je ausgiebiger der Kreative den Handjob erledigt, desto wertvoller wird der Penis-ähnliche Award - ein digitaler Egostreichler für awardsüchtige Werber.
Aus Sicht der Macher ist die Werbeszene voller Awardshows, die im Grunde nur die Agenturen selbst interessieren. Juroren würden Arbeiten bewerten, die sie selbst kreiert hätten. Mit dieser Selbstbeweihräucherung müsse Schluss sein, meinen einige Kreative, die verständlicherweise anonym bleiben wollen. "Die Handys" sei der erste Kreativwettbewerb, mit dem man sich selbst auszeichnen könne, ohne eine Kampagne einzureichen oder Einreichungsgebühren zu zahlen, betonen die Macher auf der Website Handyawards.org - dem Herzstück der witzigen Aktion. Hier haben es Werber im wahrsten Sinne des Wortes selbst in der Hand, welches Edelmetall am Ende herauskommt. Alles was man dafür tun muss: Auf seinem Smartphone die genannte Website aufrufen - und dann heißt es ordentlich die Palme wedeln - sorry, das Handy schütteln.

Das Herzstück der Aktion ist die Website Handyawards.de
Das Herzstück der Aktion ist die Website Handyawards.de (Bild: Screenshot Handyawards.de )
"Es ist ziemlich offensichtlich, dass die Award-Maschinerie außer Kontrolle geraten ist, deswegen wollten wir uns darüber lustig machen", zitiert Adweek einen der Macher der Aktion. Die Branche sei eine Dienstleistungsindustrie. Dieser Marketing-Stunt solle Kreative zur Vernunft bringen. Anstatt Awards hinterherzuhecheln, sollten sich Agenturen lieber wieder stärker auf den Kunden und dessen Bedürfnisse  konzentrieren als sich mit sich selbst beschäftigen, zitiert Adweek aus der entsprechenden Pressemitteilung.

Die dem männlichen Geschlechtsteil nachempfundenen Statuetten sollen zudem zeigen, wie sehr Männer das Kreativbusiness dominieren: "Die Tatsache, dass nur drei Prozent aller Kreativdirektoren weiblich sind, sollte ein Warnsignal an jeden in unserer Branche sein."

In der deutschen Kreativszene hatte es übrigens 2012 einen Höhepunkt in der Award-Debatte gegeben - nachzulesen in den zahlreichen Artikeln in der linken Spalte. jeb
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