Art Directors Club für Deutschland Mehr Frauen für den Club!

Donnerstag, 22. Oktober 2015
Der ADC hat eine neue Debatte
Der ADC hat eine neue Debatte
Foto: ADC

Super Idee, opportunistisch oder gar diskriminierend? Der Art Directors Club für Deutschland hat ein neues Streitthema: Frauen! Bei der Jahreshauptversammlung vorige Woche in Berlin wurde hitzig darüber diskutiert, dass erstmals ausschließlich weibliche Ehrentitel vergeben werden sollen, die bei der Night of Honour Anfang 2016 von weiblichen Laudatorinnen ausgezeichnet werden. Außerdem will der Kreativclub seinen Anteil von weiblichen Mitgliedern, der aktuell bei 13,5 Prozent liegt, signifikant erhöhen.

Im Prinzip ist das Thema uralt: Die Frauen im ADC kämpfen seit Jahren für mehr weibliche Vorbilder in der Kreation. "Wenn sich Frauen und Männer in Agenturen endlich auf Augenhöhe begegnen würden, müssten wir darüber gar nicht mehr diskutieren. Aber eine solche Verhaltensänderung geschieht nicht durch irgendwelche Preise", glaubt Jo-Marie Farwick. Die Gründerin von Überground.com hat Bedenken, dass sich das Club-Präsidium mit seinem jüngsten "halbseidenen und opportunistischen Vorstoß" nur profilieren will, weil auch andere Wettbewerbe wie die Cannes Lions das Thema besetzen. "Wenn da eine langfristige Agenda des ADC dahinterstecken würde, fände ich es richtig."

"Natürlich ist das Thema nicht neu", sagt Präsidiumsmitglied Britta Poetzsch (Ogilvy.) Es sei aber noch einmal befeuert worden durch den Vorschlag der Münchner Sektion, die Preise für das Lebenswerk, die Kundin und das Ehrenmitglied des Jahres ausschließlich an Frauen zu vergeben. Zudem wurde bei der Hauptversammlung die dringende Empfehlung ausgesprochen, dass alle Sektionen und Fachbereiche in den kommenden zwölf Monaten verstärkt Frauen motivieren, dem Club beizutreten.
Britta Poetzsch
Britta Poetzsch (Bild: Agentur)
Dazu hätten sich bis auf die Frankfurter Sektion alle verpflichtet. Die Hessen empfinden das als "diskriminierend den Frauen gegenüber". Neue Mitglieder sollten aufgrund ihrer kreativen Exzellenz und nicht wegen ihres Geschlechts in den ADC aufgenommen werden. Und: "Was ist ein Preis wert, für den nur Frauen nominiert waren?", so die Meinung derer, die gegen diese Initiative sind.

Präsidiumsmitglied Heinrich Paravicini (Mutabor) erklärt, dass kreative Exzellenz weiterhin das Haupt-Kriterium für potenzielle neue ADC-Mitglieder sei. "Nur ist das eben keine Männerdomäne." Allerdings entspreche die Anzahl der herausragenden Frauen bei den Mitgliedern immer noch nicht der gelebten Realität in den Agenturen. "Daher unser Aufruf an die Sektionen und Fachbereiche: Schaut euch um und schlagt die besten kreativen Frauen vor!"

Viele Frauen, vor allem jüngere, hätten wenig Interesse daran, sich einer männlich dominierten Vereinigung wie dem ADC anzuschließen, ergänzt Poetzsch. Deshalb will der Club nicht zuletzt mit den Ehrenpreisen starke Frauen ins Rampenlicht rücken, um so den anderen Lust auf den Verein zu machen. Nach anfänglich teils hitzigen Debatten auf der ADC-internen Facebook-Seite, wer denn nun Kundin und Ehrenmitglied des Jahres werden könnte und ob überhaupt irgendeine Dame aus den ADC-Reihen schon so weit sei, für ihr Lebenswerk geehrt zu werden, gab es letztlich wohl doch eine Reihe konstruktiver Vorschläge.

"Wenn man darüber nachdenkt, dann findet man sie auch: die tollen Frauen in unserer Branche", freut sich Poetzsch. Klar könnten es noch mehr sein. Vor allem in den Führungspositionen. Das wiederum sei aber ein Thema, das der Club nicht ändern könne. "Unsere ADC-Damen können nur Vorbild sein. Es ist an den Agenturen, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die es Frauen besser ermöglichen, Karriere zu machen", sagt Poetzsch. "Unsere vermeintlich ach so innovative Branche hinkt diesbezüglich meilenweit hinterher."

Übrigens, wer das Rennen um die ADC-Ehrentitel gemacht hat, hält der Club noch geheim. Managerinnen wie Tina Müller von Opel und Claudia Willvonseder von Ikea gehören dem Vernehmen nach zu den aussichtsreichsten Kandidatinnen. Fest steht aber schon, dass die Night of Honour einen hochkarätigen Partner gefunden hat, der ebenfalls für sein Frauen-Engagement bekannt ist. Die Rede ist von der Allianz, die sich bereits seit Jahren in unterschiedlichen Bereichen dafür einsetzt, die Leistungen von Frauen sichtbarer zu machen. bu

Meist gelesen
stats