Art Directors Club für Deutschland Berndt fordert Präsident Vogel zum Wahlkampfduell heraus

Donnerstag, 01. September 2016
Hans-Joachim Berndt tritt bei den ADC-Fachbereichswahlen gegen ADC-Präsident Stephan Vogel an
Hans-Joachim Berndt tritt bei den ADC-Fachbereichswahlen gegen ADC-Präsident Stephan Vogel an
Foto: eigene Collage

Werbefilmer Hans-Joachim "Bulle" Berndt will Stephan Vogels Job im Präsidium des Art Directors Club für Deutschland (ADC) übernehmen. Zwar strebt er - zunächst - noch nicht dessen Präsidentenamt an, sondern lediglich den Vorstandsposten im Fachbereich Werbung, heikel ist seine Bewerbung trotzdem: Sollte er gegen Vogel gewinnen, so kann dieser nicht noch einmal für das Amt des ADC-Präsidenten kandidieren. Es könnte also noch in diesem Herbst zu einem Machtwechsel an der Spitze von Deutschlands Kreativclub kommen.

Ogilvy-Kreativchef Vogel ist seit vier Jahren Präsident des deutschen ADC. Geht es nach ihm, soll das auch die nächsten zwei Jahre so bleiben. Für die kommende Amtsperiode hat der amtierende Präsident bereits ein Programm ausgearbeitet. Aber nun sind erstmal die rund 680 ADC-Mitglieder dazu aufgerufen, turnusgemäß ihr Votum für die Vorstandskandidaten in den Fachbereichen Werbung, Design, Digitale Medien, Editorial, Event und Kommunikation im Raum sowie Forschung & Lehre abzugeben.

Die Stimmabgabe ist bis zum 9. September möglich. Danach werden die Sektionsvorstände in den regionalen Kreativclubs in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart und München gewählt. Aus den Reihen dieses neu konstituierten ADC-Präsidiums wird bei der Jahreshauptversammlung im November der künftige ADC-Präsident gewählt. Das heißt: Nur wenn Vogel jetzt gegen Berndt besteht, kann er Präsident bleiben.

Beide wollen gewinnen und rühren bereits kräftig die Werbetrommeln. Berndt fordert in seinem Wahlkampfprogramm "Übertellerranddenke". Er ist der Ansicht, man müsse die Übergänge zu Kunst, Journalismus und Hightech pflegen, weil sich noch nie so viele kreative Bereiche wie heute überschnitten haben. Deshalb müsse der Club an den Rändern beweglich und wach bleiben, Grenzen sprengen, Input von außen holen und beim Kunden und Betrachter mutig kämpfen: "Werbung kann nicht nur Waschküche. Sie kann auch Weltall. Diese Impulse werde ich im ADC setzen." Das 67-jährige Urgestein der Werbebranche kokettiert außerdem mit seiner Unabhängigkeit und Neutralität. Anders als Vogel, der als Network-Kreativchef an WPP berichtet, sei er keiner Holding-Company Rechenschaft schuldig.

Dafür ist Vogel aktiv im Tagesgeschäft tätig, was für diesen Posten sicher von Vorteil ist. Inhaltlich liegen Berndt und Vogel gar nicht so weit auseinander. Beide fordern die kreative Öffnung des Clubs, wobei Vogel eher die Nähe zu Technologie und Wissenschaft favorisiert. Sein Credo lautet: "Disrupting Deutschland". Seine Botschaft an die ADC-Mitglieder: "Wir leben als Volkswirtschaft davon, dass wir besser Autos bauen als alle anderen – aber dieses Modell ist endlich." Deutschland sei Weltmarktführer bei Spreizdübeln, Wasserfiltern und Zigarettenautomaten – ein Land der Erfinder, nicht der Innovatoren. Technologien würden aus einer technologischen Logik entwickelt, nicht aus menschlichen Insights und Kommunikation. Vogel: "Das können wir nur überwinden, wenn in unserem Land die technologische Intelligenz endlich mit der kreativen Intelligenz zusammenarbeitet."

Der Amtsinhaber macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen: Er tritt zur Fachbereichswahl an, um im Anschluss daran erneut ADC-Präsident zu werden. Berndt will zunächst nur ins Präsidium einziehen. Sollte ihm das gelingen, könnte auch er sich aber vorstellen, den Club in den nächsten Jahren zu führen.

Ein kleines Hintertürchen bleibt für beide im Falle einer Niederlage offen: Sie könnten sich bei den Sektionswahlen um das Amt des Sektionsvorstands bewerben. Vogel müsste in Frankfurt dann höchstwahrscheinlich gegen den bisherigen Sektionsvorstand Claus Fischer antreten. Er lässt offen, ob er diesen Schritt gehen würde. In der Berliner Sektion steht aktuell die Ogilvy-Kreative Britta Poetzsch an der Spitze. Auch sie wird dieses Mandat sicherlich behalten wollen. Berndt hat allerdings bereits signalisiert, dass er bereit wäre, gegen sie zu kandidieren. 

Alle Kandidaten für die ADC-Fachbereichswahl: 

Design: Lo Breier (Lo Breier Design) und Heinrich Paravicini (Mutabor), aktueller Vorstand: Paravicini

Digitale Medien: Marc Wirbeleit (Facebook), aktueller Vorstand: Wirbeleit

Editorial: Anja Steinig (Studio F), aktueller Vorstand: Steinig

Event & Kommunikation im Raum: Cedric Ebener (CE+Co) und Jean-Louis Vidière Ésèpe (Ésèpe), aktueller Vorstand: Johannes Milla (Milla & Partner)

Forschung & Lehre: Ilona Klück (Shibuya Building Brands) und Hans-Peter Albrecht (Akademie U5), aktueller Vorstand: Klück

Werbung: Hans-Joachim Berndt (Filmhaus Duck Soup) und Stephan Vogel (Ogilvy), aktueller Vorstand: Vogel bu

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