Arbeitskultur in Agenturen Zu viel Aktionismus, zu wenig System

Freitag, 13. Mai 2016
Personalarbeit und Recruiting von Agenturen sind das Tagesgeschäft von Markenpersonalchef Nils Kreyenhagen
Personalarbeit und Recruiting von Agenturen sind das Tagesgeschäft von Markenpersonalchef Nils Kreyenhagen
Foto: Markenpersonal
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Arbeitskultur Nils Kreyenhagen Hirschen Group


Als Personalberater kümmert sich Nils Kreyenhagen vor allem darum, für Agenturen passende Spezialisten und Führungskräfte zu finden, und berät sie in Sachen Organisationsentwicklung. Dramatischer könne die Situation bei der Suche nach bestimmten Fachkräften kaum werden, schildert der Geschäftsführer von Markenpersonal in Hamburg im Interview mit HORIZONT. Dennoch unternehmen viele Agenturen noch zu wenig und machen dabei noch einiges falsch.

Aktuell wird viel über neue Arbeitskultur und Themen wie flexible Arbeitszeitmodelle, Work-Life-Balance, Collaboration und Wertschätzung diskutiert. Sind das Themen, die sich auch bei Agenturen wiederfinden oder geht die Veränderung der Arbeitskultur spurlos an ihnen vorüber? Es tut sich definitv etwas – auch bei den Agenturen. Aber bei vielen leider aus der Not heraus und nicht aus Überzeugung.

Wieso aus der Not heraus? Die Branche befindet sich bei der Suche nach Fachkräften vor allem aus digitalen Arbeitsgebieten an einem Punkt, an dem es kaum stärker eskalieren kann.
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Aber warum ist es schlimm, Dinge wie Home Office oder flexibles Arbeiten "aus der Not heraus" einzuführen? Weil die Maßnahmen aktionistisch und nicht mit System und nachhaltig eingeführt werden. Agenturen, die ihre Kultur nachhaltig ändern beziehungsweise verbessern und an die Bedürfnisse moderner Arbeitnehmer anpassen wollen, müssen bei der Führungskultur anfangen. Nur wenn es keine veraltete Führungskultur mehr gibt, die 18-Stundentage, Präsenzpflicht und autoritären Stil pflegt, kann sich wirklich etwas ändern.

Und das passiert gerade? Ja, die Agenturen werden flexibler, auch am Führungsverhalten verändert sich bei vielen etwas, es wird besser kommuniziert.

Aber noch nicht ausreichend? Definitiv nicht. Es gibt viele Wettbewerber um die besten Talente wie Start-ups, aber auch E-Commerce-Unternehmen und sogar Konzerne, die den Fachkräften mehr bieten. Mehr Aus- und Weiterbildungsperspektiven, oft auch mehr Geld und besser ausgebildete Führungskräfte.

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Welche Maßnahmen Agenturen wie Namics, die Hirschen Group und Elbdudler ergreifen, um sich dem Wandel der Arbeitskultur und den Bedürfnissen der Arbeitnehmer zu stellen, steht in der aktuellen Ausgabe von HORIZONT, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

Was können Agenturen denn besser machen? Es gibt zwei Punkte, an denen den Agenturen momentan die Hände gebunden sind. Das ist das Gehalt – der Kostendruck von Seiten der Kunden ist derzeit so groß wie nie. Der Spielraum bei den Agenturen deshalb gering – und die Work-Life-Balance, die nunmal eben bei vermehrtem Projektgeschäft nicht immer planbar ist.

Jetzt haben Sie gesagt was nicht geht – was ist aber möglich? Genannt habe ich bereits die Führungskultur. Auch in Agenturen sollten sich die Führungskräfte weiterentwickeln und wissen, wie man richtig Feedback gibt, motiviert, kommuniziert und Wertschätzung zeigt. Außerdem müssen sie dringend mehr in die eigene Human-Resources-Abteilung investieren, statt sie zu reinen Recruitern zu reduzieren. Mitarbeiterbindung und -entwicklung sind beispielsweise sehr wichtig. Interview: ems

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