Angriff der Beratungsfirmen Deloitte Digital schnappt sich Kreativagentur Acne

Donnerstag, 17. August 2017
Der größte Erfolg von Acne: Der Vergleich einer Ikea-Tüte mit einer 2000 Pfund teuren Balenciaga-Luxustasche brachte dem Möbelhersteller 1 Milliarden Twitter-Aufrufe ein
Der größte Erfolg von Acne: Der Vergleich einer Ikea-Tüte mit einer 2000 Pfund teuren Balenciaga-Luxustasche brachte dem Möbelhersteller 1 Milliarden Twitter-Aufrufe ein
Foto: Acne

Die Expansion der großen Beratungsfirmen ins Agenturgeschäft nimmt weiter an Fahrt auf. Nachdem vor allem Accenture mit der im Frühjahr 2017 verkündeten Übernahme von Sinner Schrader für Schlagzeilen sorgte, reißt sich nun auch Deloitte mit Acne eine namhafte Digital- und Kreativagentur unter den Nagel. Der 1996 im schwedischen Stockholm gegründete Dienstleister hat vor allem mit Arbeiten für Ikea auf sich aufmerksam gemacht, ist aber auch in Deutschland gut unterwegs.
Deloitte, das zum Kaufpreis keine Angaben macht, hat mit Acne viel vor. Die auf Storytelling spezialisierte Agentur, die Kunden wie Ikea, Telenor, Max, H&M und Spotify betreut, soll unter dem Dach der auf digitale Kreation und Beratung spezialisierten Tochter Deloitte Digital angesiedelt werden. Der Name Acne soll erhalten bleiben, dasselbe gilt für die beiden Chefs. Executive Chairman Victor Press bleibt ebenso an Bord wie CEO David Olsson.  Deren Todo-Liste wird auf absehbare Zeit ziemlich voll sein, denn Acne soll in den kommenden Jahren kräftig wachsen. Deloitte Digital will nach eigenen Angaben "substantiell" in den Ausbau der Agentur investieren - vor allem in Personal.

So soll die Agentur, die derzeit eigene Standorte in Stockholm, Berlin, London und Paris unterhält, unter anderem 80 neue Mitarbeiter bekommen - die Hälfte davon in Großbritannien. Damit wird sich die Zahl der Mitarbeiter auf insgesamt 160 verdoppeln. Für die Insel wurde mit Andy Sandoz auch ein neuer Chief Creative Officer verpflichtet, der die Offensive im Vereinigten Königreich vorantreiben soll. 

In Deutschland wurde Acne vor sieben Jahren als reiner Digital-Dienstleister gegründet, der weniger direkt für Unternehmen, sondern vor allem als Sub-Dienstleister für Agenturen wie Heimat, Kolle Rebbe und Saatchi & Saatchi tätig ist. Spätestens mit der Verpflichtung des früheren Markenfilm- und Cobblestone-Managers Kai Stöcker als Deutschlandchef vor vier Jahren stellte sich Acne hierzulande breiter auf. Inzwischen haben die Berliner auch Content Marketing und Werbefilme im Angebot. 

Matthias Schrader 2017
Bild: Sinner Schrader

Mehr zum Thema

Digitalagenturen Accenture schluckt Sinner Schrader

"Die Akquisition von Acne ist ein wichtiger Schritt, um mit Deloitte Digital die gesamte Bandbreite an Kreativ-Dienstleistungen anbieten zu können", sagt EMEA-Chef Paul Thompson. Die Verknüpfung der Daten- und Technologie-Expertise von Deloitte mit dem Kreativ-Knowhow von Acne werde den künftigen Partnern ermöglichen, Kunden beim Markenaufbau im Digitalzeitalter substanziell zu unterstützen. Acne-Chef Victor Press teilt diese Einschätzung. "Unsere Kunden fragen verstärkt nach einer Kombination von Datenanalyse und Kreativität", so Press. Gemeinsam mit Deloitte sei Acne dazu in der Lage, Kunden ein hoch relevantes Angebot zu unterbreiten. 

Acne ist nicht der erste Zukauf von Deloitte im Agenturmarkt. Erst kürzlich hatte das Beratungshaus die Londoner Designschmiede Market Gravity übernommen. Zuvor hatte Deloitte die US-Agentur Heat und den Stockholmer Dienstleister Mobiento gekauft.

Auch andere Beratungshäuser versuchen im Agenturmarkt Fuß zu fassen. So hat Accenture neben Sinner Schrader bereits im Juni 2016 die auf digitale Transformation spezialisierte Consultingfirma D-Group übernommen, im November schluckte Accenture zudem die Londoner Agentur Karmarama. Auch IBM hat im vergangenen Jahr mit Aperto und Ecx.io gleich zwei Digitalagenturen gekauft. McKinsey hatte sich im Jahr 2015 die Agentur Lunar, Capgemini die Agentur Idean geschnappt. mas
Meist gelesen
stats