André Kemper im "Spiegel" "Die wichtigste Kampagne, an der man arbeitet, ist man selbst"

Montag, 30. Januar 2017
André Kemper steht dem "Spiegel" Rede und Antwort
André Kemper steht dem "Spiegel" Rede und Antwort
Foto: Holde Schneider

Es kommt nicht oft vor, dass der "Spiegel" einen Werber zum ausführlichen Gespräch bittet. André Kemper ist diese Ehre nun zuteil geworden. Und man merkt ihm an, dass er mächtig stolz darauf ist. Der Co-Gründer der Mercedes-Agentur Antoni genießt es sichtlich, von dem Hamburger Leitmedium interviewt zu werden.
Der Faustschlag beim Wiener Opernball vor drei Jahren ein Fehler? Wohl nicht wirklich. Immerhin hat die Aktion geholfen, Kempers Ruf als "einer der letzten Exzentriker der Branche" ("Spiegel") zu festigen. "Es ist passiert, und ich stehe dazu. Letzten Endes gehört es zu mir. Ich nehme es an und kann gut damit leben", sagt der 53-Jährige. Wie viel ihm sein eigenes Image bedeutet, wird auch an folgendem Satz deutlich: "Die wichtigste Kampagne, an der man arbeitet, ist man selbst." Denn der Erfolg seiner Arbeit hänge nicht zuletzt davon ab, wie er auf Kunden und Teams wirke, betont Kemper. Die Frage, welche Rolle in diesem Zusammenhang die Qualität der Arbeit spielt, wird nicht thematisiert.
Anlass für das Interview ist der Spot "Easy Driver" für Mercedes-Benz, den Kempers Agentur Antoni entwickelt und zusammen mit der US-Agentur Merkley + Partners umgesetzt hat. Der vorige Woche vorgestellte Film wird beim US-Football-Finale laufen. "Wir sind die erste deutsche Agentur, die in dieser Form beim Super Bowl mitmischt", schwärmt Kemper. "In dieser Form" mag sein. Die erste deutsche Agentur, von der etwas beim Super Bowl gezeigt wird, ist Antoni allerdings nicht. 2014 war der Spot "Offroad" für die Mercedes-Schwestermarke Smart von BBDO Germany zu sehen. Auch der berühmte Ohrfeigen-Spot von Springer & Jacoby darf in dem Gespräch nicht fehlen. Immer wieder gab es Diskussionen um die Urheberschaft. Kemper sagt auch jetzt nicht, dass die Idee nicht von ihm stammt. Aber er räumt ein, dass es "zwei Ideen gab, und meine Empfehlung war nicht der Ohrfeigen-Spot". Zum Glück habe sich aber der Kunde durchgesetzt, wenngleich er den Film zunächst ohne Ohrfeige wollte. Kemper habe dann die Version mit dem Schlag präsentiert, die letztlich das Rennen machte.
„Big Data ohne Big Idea ist keine Lösung. Starke Kunden haben den Mut und das Talent, intuitiv zu entscheiden.“
André Kemper
In diesem Zusammenhang unterstreicht er einmal mehr, wie wichtig die Reputation eines Kreativen ist. "Ein starker Ruf des Werbers hilft dem Kunden, sich von der Unsicherheit nicht überwältigen zu lassen. Und es bewahrt das empfindliche Gut Kreation davor, flach gebügelt und rund gelutscht zu werden", so Kemper. Zugleich bricht er eine Lanze für Ideen – gerade im Zeitalter von Algorithmen und Technologie: "Big Data ohne Big Idea ist keine Lösung. Starke Kunden haben den Mut und das Talent, intuitiv zu entscheiden."

Aber noch mal zurück zur Unsicherheit. Kemper wäre nicht Kemper, wenn er aus ihr nicht eine Stärke machen könnte: als Antriebsfeder für bessere Arbeit. "Die Unsicherheit ist immer da, damit muss man zurechtkommen. Da hilft das Selbstbewusstsein, da hilft Zuspruch – und ab und zu hilft auch ein Hit", sagt er. Mal sehen, wann wieder einer entsteht. Der Super-Bowl-Spot für Mercedes-Benz hat womöglich das Zeug dazu. Den Machern hapert es jedenfalls nicht an Selbstbewusstsein. mam
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