Analyse Der Deal zwischen Thjnk, Kemper, Opel und Commarco

Mittwoch, 19. Februar 2014
André Kemper soll für Opel aktiv werden (Foto: Holde Schneider)
André Kemper soll für Opel aktiv werden (Foto: Holde Schneider)

Spätestens seit Ende vorigen Jahres ist es das Gesprächsthema in der Agenturbranche: André Kemper, Mitgründer und Aufsichtsrat von Thjnk (früher: Kemper Trautmann), steht vor einem Wechsel zu Scholz & Friends beziehungsweise deren Mutterfirma Commarco, um für Opel tätig zu werden. Über die Details - wie sieht das Modell konkret aus, vor allem aber: Wann und wie kommt Kemper mit Thjnk auseinander? - wird seit geraumer Zeit verhandelt. Dabei ging es mal einen Schritt vor, dann wieder zwei zurück. Strittig war unter anderem die finanzielle Bewertung der Firma. Kemper gehören 20 Prozent der Anteile, jeweils genauso viele den Vorständen Michael Trautmann, Karen Heumann und Armin Jochum. Die restlichen 20 Prozent halten einige Mitarbeiter. Jetzt scheint eine Lösung gefunden, zu welchen Konditionen Kemper seine Anteile an die drei Gründungspartner verkaufen kann. Der Weg zu Commarco und Opel ist also frei, auch wenn bislang weder die Trennungsvereinbarung mit Thjnk noch ein möglicher Vertrag mit Commarco unterschrieben ist.

An dieser Front wurde in letzter Zeit ebenfalls eifrig verhandelt. Anfang voriger Woche sollen sich Kemper und Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt, der zusammen mit Christian Tiedemann auch die zu WPP gehörende Commarco-Gruppe führt, auf wesentliche Details der Zusammenarbeit verständigt haben. Dem Vernehmen nach sieht das Modell vor, dass eine neue Einheit unter dem Dach der Holding etabliert wird, die Kemper leitet und an der er beteiligt ist. Als Arbeitstitel steht der Name "Opel Garage" im Raum, als offizieller Starttermin der 1. Mai.

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist ungewiss. Wie zu hören ist, hat eine aktuelle Veröffentlichung von Manager Magazin Online für erheblichen Ärger und Misstrauen bei den Beteiligten gesorgt. Dabei sind es weniger die konkreten Inhalte des Berichts, als Zeitpunkt und Tonalität der Darstellung. Tina Müller, seit Mitte 2013 Marketingvorstand bei Opel, kommt recht gut weg. Die anderen Akteure, vor allem Thjnk - aber auch Kemper - weniger. "Scheidungsschlacht unter Deutschlands Top-Werbern" ist das Stück überschrieben, für das Chefredakteur Steffen Klusmann persönlich in die Tasten gegriffen hat.

Opel-Marketingvorstand Tina Müller (Foto: Unternehmen)
Opel-Marketingvorstand Tina Müller (Foto: Unternehmen)
Die Frage, die sich stellt: Wer hat ein Interesse an dem aktuellen Bericht? Stammen die Informationen womöglich aus dem Umfeld von Müller, um den Druck für eine Einigung zu erhöhen und Tatsachen zu schaffen? Bekannt ist, dass die selbstbewusste Marketingfrau mit externen PR-Beratern zusammenarbeitet. Oder stecken womöglich andere Beteiligte hinter der Indiskretion, mit dem Ziel, den Deal platzen zu lassen? Bei Commarco beziehungsweise Scholz & Friends soll nicht jeder begeistert über die Pläne sein. Wie auch immer: Denkbar ist, dass jetzt das ganze Prozedere wieder ins Stocken gerät. Nicht zuletzt der impulsive Kreative Kemper könnte alles noch einmal infrage stellen - selbst wenn er als enger Vertrauter von Müller gilt.

Auch bei Thjnk dürfte man not amused sein. Die Agentur kämpft schon länger gegen den Eindruck, dass der Umbau arg holprig verläuft und langgediente Führungskräfte von Bord gehen. Im Fall von Kemper liegen die Dinge aber anders. Der Vorstand hat von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass er langfristig ohne den 50-Jährigen plant. Dieser hatte sich dann nach anderen Optionen umgesehen - eine davon ist das jetzt präferierte Modell. Eine weitere war dem Vernehmen nach der Verkauf seiner Anteile an eine andere Agenturgruppe - idealerweise an eine, mit der man einen gemeinsamen großen Kunden hat -, um diesen dann in neuer Konstellation zu betreuen. Die entsprechenden Verhandlungen sind aber offenbar gescheitert, sodass sich Kemper auf Opel und Commarco konzentrierte.

Wie geht es jetzt weiter? Vielleicht kommt alles wie geplant zustande. Vielleicht scheitert der ganze Deal aber auch noch auf der Zielgeraden. Sehr viel Zeit können sich die Beteiligten jedenfalls nicht mehr lassen, dafür ist der Druck jetzt zu groß geworden. mam
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