Amir Kassaei "Cannes ist nicht zum Partys feiern da"

Mittwoch, 18. Juni 2014
Amir Kassaei leitet die Filmjury bei den Cannes Lions (Foto: Matthias Hempt)
Amir Kassaei leitet die Filmjury bei den Cannes Lions (Foto: Matthias Hempt)


Die ersten Entscheidungen in Cannes sind gefallen. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich traditionell aber auf die Kategorie Film, wo die Preise Ende der Woche vergeben werden. Im Interview mit HORIZONT erklärt Jurypräsident Amir Kassaei, welche Erwartungen er an die Arbeiten und das Festival hat.
Amir Kassaei über ...

... seine Rolle als Jurypräsident:
Der wichtigste Job des Jurypräsidenten ist, keine persönliche Note und keine subjektive Sicht einzubringen. Es gibt klare und nachvollziehbare Kriterien, nach denen die Arbeiten beurteilt werden. Und es gibt klare Regeln, die jede Art von politischen Spielchen und Verwässerung des Ergebnisses verhindern sollen. Mein Job wird es sein, die Filmjury so gut es geht dabei zu unterstützen, das bestmögliche Ergebnis im Sinne der Qualität und Relevanz zu produzieren.

... die Anforderungen an eine Sieger-Arbeit:
Ein Cannes-Gewinner muss Vorbild sein. Er wird den Weg weisen. Es geht um eine innovative Idee, die herausragend exekutiert ist und im Kontext der Kategorie sowie des Marktes relevant ist.

... Arbeiten, die extra für Wettbewerbe produziert werden:
Meine Meinung zu dem Thema kennt man. Prototypen sind wichtig, aber es sind die Serienproduktionen, die die Exzellenz einer Agentur, einer Marke und nicht zuletzt eines Kreativen ausmachen. Wie bei jedem anderen Award muss man auch bei den Cannes Lions zwischen den wahren Siegern und den Schein-Gewinnern unterscheiden.

... die Chancen der deutschen Agenturen in der Kategorie Film:
Traditionell tut sich Deutschland sehr schwer in der Kategorie Film. Das hat weniger damit zu tun, dass dort keine guten Filme entwickelt und produziert würden. Ich glaube einfach nur, dass man in Deutschland beim Thema Film immer ein bis zwei Schritte Großbritannien und den USA hinterherhinkt. Diese Länder schaffen es, quasi jedes Jahr Film neu zu definieren. Aber vielleicht kommt diesmal ja alles ganz anders. Lassen wir uns überraschen.

... die Motivation für den Werbenachwuchs, nach Cannes zu fahren:
Man sollte als junger Kreativer aus drei Gründen nach Cannes. Erstens: Um sich durch das Beste vom Besten im Bereich kreative Marketingkommunikation inspirieren zu lassen. Zweitens: Um seine persönliche Messlatte, was eine herausragende Idee ausmacht, nachzujustieren. Und drittens: Um sich inhaltlich, fachlich, aber auch im Sinne einer globalen Perspektive weiterzuentwickeln. Partys feiern und am Strand abhängen gehört nicht unbedingt dazu. mam

Das vollständige Interview mit Amir Kassaei lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 25/2014, die diese Woche bereits am Mittwoch, den 18. Juni erscheint. Hier geht's zum Probe-Abo.
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