Alejandro Iñárritu bei den Cannes Lions "Ohne fiktionale Geschichten wäre unser Leben langweilig"

Donnerstag, 23. Juni 2016
Alejandro Iñárritu begeisterte das Publikum bei den Cannes Lions
Alejandro Iñárritu begeisterte das Publikum bei den Cannes Lions
Foto: Cannes Lions
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Alejandro González Iñárritu ist einer der bedeutendsten Regisseure unserer Zeit und hat mit dem Rache-Epos "The Revenant" gerade im zweiten Jahr in Folge den Regie-Oscar gewonnen. Ein Kunststück, das zuvor nur zwei anderen Filmemachern gelang. Kein Wunder, dass der Andrang beim Cannes-Lions-Publikum besonders groß war, als der 52-Jährige mit Ogilvy-CCO Tham Khai Meng über seine Filme und die Bedeutung von Storytelling sprach.
Dass auch bei einem weltberühmten Filmregisseur nicht immer alles nach Plan läuft, zeigte Iñárritu gleich zu Beginn seines Auftritts, als er nach der ersten Nennung seines Namens zu früh die Bühne betrat - ein kleiner, allzu menschlicher Fauxpas, der die Richtung vorgab für 40 spannende Minuten, in denen Iñárritu das Publikum mit seiner sympathischen Bodenständigkeit begeisterte. Dabei gab der Regisseur ("Birdman", "Babel", "21 Gramm") zunächst einen Einblick in seine beruflichen Wurzeln als Editor in Musikproduktionsfirmen. Musik sei für ihn die "wertvollste Art, mit der man Emotionen ausdrücken kann", weil es keine Sprache und keine Grenzen gebe. Gerade auch deshalb legt Iñárritu in seinen Filmen großen Wert auf den Soundtrack.
Dass die Musik rückblickend nur der Ausgangspunkt für eine große Karriere war, liegt daran, dass Iñárritu selbst nach eigener Aussage ein schrecklicher Musiker war. "Aber ich hatte gute Ideen." Und die münzte der Mexikaner ab den 1990er Jahren dann eben in erste Kurzfilme um.

Kürze war dann sogleich das Stichwort für den thematischen Schwenk zur Werbung: "An 30-Sekündern fasziniert mich, dass jede einzelne Sekunde super wichtig ist." Das Handwerk des Spielfilm-Drehens verbinde mit Markenkommunikation vor allem, dass in beiden Disziplinen starkes Storytelling unabdingbar ist: "Ohne fiktionale Geschichten wäre unser Leben langweilig." Dabei sei es manchmal auch gar nicht so entscheidend, dass man einen komplexen Plot aufsetzt, wenn der Film dafür beispielsweise ein bildgewaltiges Erlebnis ist - schließlich ist sein Oscar-Abräumer "The Revenant", das in zweieinhalb Stunden eine reine Rachegeschichte in der Eiswüste Nordamerikas erzählt, das beste Beispiel dafür.Bei Iñárritu sorgt der Drang, immer wieder neue Ideen, Stile und Filme umzusetzen, laut eigener Aussage vor allem dafür, dass er "wie ein Besessener" arbeitet. "Perfektion ist wahrscheinlich das, was mich am meisten antreibt. Das heißt aber auch: Wenn ich arbeite, dann leide ich", so Iñárritu. Seine Lösung, um bei diesem Wahnsinn am Leben zu bleiben: Meditation.

Und wer im Arbeitsleben ein solches Tempo vorlegt, der darf auch schon mal vergessen, dass er 2003 an einem großen Cannes-Abräumer beteiligt war: Iñárritu drehte eine der Episoden, die Fallon mit der Kurzfilmreihe "The Hire" für BMW seinerzeit einen Cyber-Grand-Prix und den ersten Titanium-Lion überhaupt bescherte. tt
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