Aktion #vorgeschrieben So kreativ engagieren sich WeltN24 und Jung von Matt für die Meinungsfreiheit

Mittwoch, 03. Mai 2017
Bei Welt Online wird der Online-Nutzern ihre Meinung buchstäblich vorgeschrieben
Bei Welt Online wird der Online-Nutzern ihre Meinung buchstäblich vorgeschrieben
Foto: ASV

Zum heutigen Tag der Pressefreiheit haben zahlreiche deutsche Medien Kampagnen gestartet, um sich für die Freiheit des gesprochenen und geschriebenen Wortes einzusetzen. Einige der Aktionen sieht man sofort - andere werden erst auf den zweiten Klick sichtbar. So wie die Kampagne von Jung von Matt für WeltN24.
Wer heute auf Welt Online den Text mit der Headline "Wo die Arbeit für Journalisten am gefährlichsten ist" kommentieren will, erlebt eine böse Überraschung: Nach wenigen Tastenanschlägen verselbständigt sich die Texteingabe plötzlich - und statt des eigenen Kommentars erscheint eine Lobpreisung der Regierung. Teilweise wird Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich für ihr "Verhandlungsgeschick" gelobt, dem "niemand das Wasser reichen" könne.
Die Aktion ist auf bestimmte Artikel im Online-Angebot der Welt beschränkt. Der automatisch erscheinende Kommentar passt sich dem Thema des jeweiligen Artikels an. Ein Banner über dem Kommentarfeld weist zuzsätzlich auf die Aktion hin, die passenderweise den Titel #vorgeschrieben trägt. Über die Kampagne informiert WeltN24 über die Social-Media-Kanäle der "Welt".
Die Aktion verfehlt ihre Wirkung nicht: Man fühlt sich auf einmal sehr hilflos und bevormundet. So, wie sich die Menschen in jenen Ländern fühlen, in denen es keine Pressefreiheit gibt. Genau das sei auch die Intention bei der Kampagne, erklärt Kristina Faßler, Marketingchefin von WeltN24, gegenüber HORIZONT Online: Es gehe darum, Menschen nachempfinden zu lassen, wie es sich anfühlt, wenn einem die Meinung vorgeschrieben wird. "Wir wollen ein Statement für eine Sache setzen, die uns immer sehr selbstverständlich erscheint", sagt Faßler. "Wie wertvoll Meinungsfreiheit ist, merkt man erst, wenn sie nicht mehr da ist."

Unterstützung hatte die zum Springer-Konzern gehörende Marke dabei von Jung von Matt/Spree. Die Agentur ist seit dem vergangenen Jahr neue Leadagentur von WeltN24. Verantwortlich für die Aktion sind Kreativchef Till Eckel sowie die Kreativdirektoren Christopher Hoene und Pieter Snoeck.

Dass sich die "Welt" heute womöglich etwas lauter für Pressefreiheit einsetzt als andere Medien, liegt auch an der direkten Betroffenheit der Zeitung: Ihr Türkei-Korrespondent Deniz Yücel sitzt seit 79 Tagen ohne Anklage in türkischer Untersuchungshaft. Ihm werden von der Regierung "Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung" vorgworfen. "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt weist deshalb in einem Kommentar noch einmal auf die Notwendigkeit hin, scharf zu recherchieren und "unerschrocken vor dem Throne" zu sein.
Die "Berliner Zeitung" startet das "Projekt 61"
Die "Berliner Zeitung" startet das "Projekt 61" (Bild: Havas)
Einen etwas anderen, weniger konfrontativen Weg wählt die "Berliner Zeitung", um die Pressefreiheit hochzuhalten. Die zur DuMont-Gruppe gehörende Zeitung startet heute gemeinsam mit der Agentur Havas Düsseldorf das "Projekt 61". 
Der Titel steht für die Zahl der Journalisten, die 2016 weltweit während der Ausübung ihres Berufes starben.

Herzstück der Kampagne ist die Online-Plattform zeitung-61.de, auf der 61 Redakteure der "Berliner Zeitung" und weiterer Titel die Themen der ermordeten Journalisten aufgreifen und sie auf diese Weise lebendig halten. Drei Beiträge sind bereits erschienen, darunter etwa einer über den russischen Regimekritiker Pawel Scheremet, der am 20. Juli 2016 durch eine Autobombe ums Leben kam. 

"Die Pressefreiheit ist eines unserer höchsten Güter. Mit unserer Hommage wollen wir den verstorbenen Journalisten unseren großen Respekt für ihren Einsatz zollen und ihren kritischen Stimmen ein Echo geben", sagt Jochen Arntz, Chefredakteur der "Berliner Zeitung".
Auf Change.org wurde mittlerweile eine Petition unter dem Motto "Free Deniz" gestartet
Bild: Change.org

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Andreas Henke, Chief Creative Officer Havas Düsseldorf, ergänzt: "In Zeiten weltweiter politischer Unruhen, zunehmender Entdemokratisierung und der damit im Zusammenhang stehenden Bedrohung der freien Presse ist es wichtig, ein deutliches Zeichen zu setzen. So kamen wir auf die Idee, um diese Stimmen nicht verstummen zu lassen. Die Berliner Zeitung mit ihrem Autorennetzwerk ist dabei der ideale Medienpartner."

Bereits heute Morgen erschienen zahlreiche Tageszeitungen mit einem gemeinsamen Titelmotiv zum Tag der Pressefreiheit: Die Botschaft der Kunstaktivistin Yoko Ono "Free you, free me, free us, free them" prangt dabei nicht nur auf den Tageszeitungs-Covern, sondern auch im öffentlichen Raum, etwa in Berlin. ire
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