Agenturmanager reagieren auf Frank Behrendt "Wenn ich Monopoly spielen will, spiele ich das echte Spiel"

Donnerstag, 08. Oktober 2015
Fünf der befragten Agenturmanager: Schoeffler, Kreyenhagen, Schmidt, Focken und Bös (v.l.)
Fünf der befragten Agenturmanager: Schoeffler, Kreyenhagen, Schmidt, Focken und Bös (v.l.)
Foto: Agenturen / eigene Zusammenstellung

Mit seinen "10 ernsthaften Ratschlägen, wie man locker durch (Berufs)leben kommt!" sorgte Fischer-Appelt-Vorstand Frank Behrendt für Aufsehen. Nach ordentlich Kritik bekräftigte der Agenturchef im Interview mit HORIZONT die Ernsthaftigkeit seiner Tipps. Doch was halten eigentlich seine Branchenkollegen von Behrendts Äußerungen?
HORIZONT Online hat bei Eric Schoeffler (DDB), Nils Kreyenhagen (Markenpersonal), Benjamin Minack (Ressourcenmangel), Florian von Hornstein und Ronald Focken (Serviceplan), Raphael Brinkert (Jung von Matt/Sports), Roland Bös (Scholz & Friends) und Stefan Schmidt (Dieckertschmidt) nachgefragt. jeb

Eric Schoeffler, Kreativchef DDB Group

Eric Schoeffler
Eric Schoeffler (Bild: DDB)
Grundsätzlich ist an seinen Tipps natürlich was dran. Es geht ja letztlich um die alte Weisheit von halb vollen oder halb leeren Gläsern. Wenn man es schafft, auch den nervigen Dingen etwas Positives abzugewinnen, kommt man definitiv besser durchs Leben. Dazu hilft eine vernünftige Verortung des eigenen Schaffens ungemein. Ich sage auch immer wieder, dass wir mit unserer Arbeit weder den Krebs besiegen, noch Kriege stoppen. Wir arbeiten in einer Branche, die von Inspiration, Leidenschaft und Leidensfähigkeit geprägt ist. Um Höchstleistungen zu bringen, bedarf es einer gewissen Körperspannung. Am Ende muss jedoch jeder seinen eigenen Weg finden. Es gibt Menschen, die brauchen diese totale Identifikation mit der Firma oder der Aufgabe, um die nötige Temperatur zu erreichen, andere brauchen Abgrenzung. Den DIN-Königsweg gibt es garantiert nicht. Mir zum Beispiel würden keine Big-Jim Figuren oder Matchbox-Autos aus meiner Jugend helfen. Frank Behrendt scheint seinen Weg gefunden zu haben. Dazu kann man nur gratulieren. Ich entstresse meinen Alltag mit grundsätzlich ganz normalen Dingen. Ich mache Sport, suche Inspiration und Entspannung auf Reisen und verbringe so viel Zeit wie möglich mit den Menschen, die mir wichtig sind. Zudem habe ich das große Glück, dass meine Frau Yogalehrerin ist. Alleine mit der Atmung kann man so einiges im Körper und Geist bewegen. Ich muss aber auch gestehen, dass es von Jahr zu Jahr stressiger wird und ich immer mehr von dem Job vereinnahmt werde. Komplexität und Anforderungen steigen kontinuierlich, genauso wie die Erwartung einer ständigen Erreichbarkeit. Dem entgegen zu wirken, ist für mich die wichtigste Aufgabe, damit ich mich letztlich auch im Mega-Stress wieder mehr mit positiven Gedanken beschäftigen kann.

Frank Behrendt Fischer-Appelt
Bild: John M.John/fischerAppelt

Mehr zum Thema

Frank Behrendt zur Agenturdebatte "Ich meine das nicht nur so, ich lebe das"

Nils Kreyenhagen, Geschäftsführer Markenpersonal

Nils Kreyenhagen
Nils Kreyenhagen (Bild: Markenpersonal)
Die Diskussion zeigt wieder einmal deutlich die Kluft zwischen Chefetage und den Mitarbeitern, die sich ums Tagesgeschäft kümmern. In der Agenturrealität kommt der Chef eben nicht als erster und geht als letzter. Da helfen keine guten Ratschläge, die im Alltag nicht umzusetzen sind. Die Branche muss umdenken und darf den Nachwuchs nicht als Brennholz für ihre lodernden Ideen missbrauchen. Wir brauchen stattdessen zukunftsfähige Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle, um Talente zu halten und neu für die Kommunikation zu gewinnen. Dann klappt es vielleicht auch wieder mit der Liebe zum Job.

Benjamin Minack, Gründer und Geschäftsführer Ressourcenmangel

Benjamin Minack
Benjamin Minack (Bild: Ressourcenmangel)
Es ist wie immer: Alles Blödsinn und gleichzeitig auch wieder alles total richtig. Eben je nach Perspektive, charakterlicher Basisausstattung und Funktion. Mir fehlt eine wichtige Regel, die mich entspannter macht: Vertage nicht. Entscheide.

Florian von Hornstein, Holding-Geschäftsführer Serviceplan Gruppe

Florian von Hornstein
Florian von Hornstein (Bild: Serviceplan)
Etwas, was man nicht liebt, kann man nie und nimmer mit der notwendigen Begeisterung und dann auch mit Erfolg tun. Wann kann ich mich ruhiger mit einem Klienten unterhalten, als bei einem gemütlichen Dinner ohne schon wieder ans nächste Meeting denken zu müssen? Wie will ich mich erholen, wenn ich im Urlaub auch noch zwischendrin Mails und Abstimmungen mache und nicht mal wirklich abschalte? Warum sollte ich Kollegen bei der Arbeit stören, weil es mir gerade Spaß macht, mit Ihnen zu telefonieren, ohne Relevanz? Warum sollte ich mir altes Zeug auf den Schreibtisch stellen, wenn ich moderne Arbeitshilfen haben kann, die ich brauche und die mich nicht ablenken? Ich kann keiner der Thesen zustimmen! Und wenn ich Monopoly spielen will, spiele ich das echte Spiel. Wenn ich meinen Job mache, habe ich Verantwortung gegenüber vielen Kollegen, deren Einkommen die Firma sichert. Und das ist kein Spiel. Und meine Familie liebe ich trotzdem, aber das ist eine andere Sache.

Raphael Brinkert, Geschäftsführer Jung von Matt/Sports

Raphael Brinkert ist Geschäftsführer bei Jung von Matt/Sports
Raphael Brinkert ist Geschäftsführer bei Jung von Matt/Sports (Bild: Jung von Matt)
Die Tipps von Frank machen Spaß zu lesen, weil sie den Leser zum Nachdenken anregen. Gleiches tut leider auch die Antwort seines Mitarbeiters. Man muss aufpassen, dass man nicht Wasser predigt und Wein trinkt. Jeder muss für sich persönlich entscheiden, welchen Lebens- und Karriereweg er gehen möchte. Den Tipps stimme ich in einigen Punkten absolut zu, andere wiederum kommen für mich persönlich nicht in Frage. Klar ist auch: Wer überholen will, der muss die Ideallinie verlassen und zeitlichen Mehraufwand in Kauf nehmen. Insbesondere wenn es beim Thema Kreativität nicht um Stückleistungen pro Stunde, sondern einzigartige Markenkommunikation geht, die einen wirtschaftlichen Mehrwert für Kunden darstellt. Bei allem Arbeitseifer gibt es aber auch Grenzen: Lampen sollten nur dann am Freitag um 22.37 Uhr an sein, wenn gerade eine Agenturfeier stattfindet. Ich persönlich entstresse meinen Alltag, in dem in der Regel um 5 Uhr aufstehe und Mails und Tageszeitungen lese.

Roland Bös, Geschäftsführer und Partner Scholz & Friends

Roland Bös
Roland Bös (Bild: Scholz & Friends)
Frank Behrendt formuliert hier einen unterhaltsamen Gegenentwurf zum Klischee des Werbers und einem Branchen-Image, das ihr selbst heute – in vielen Bereich zu Unrecht – immer noch nachgesagt wird. Die Tipps entsprechen dabei dem Zeitgeist und treffen sicherlich auch deshalb bei vielen Menschen einen Nerv.

Ob es realistisch ist, diese einzuhalten? In einem Werberleben ist es wie mit der Grammatik: Ausnahmen sind häufiger als Regeln. Deshalb verstehe ich die vorliegenden Tipps eher als pointierte Anregung. Der Wert von Familie, Freunden und beispielsweise Kultur für das eigene Leben ist natürlich sehr gut nachvollziehbar. Von der Monoploy-Analogie hingegen bin ich kein Fan. Ich schätze, in aller Bescheidenheit, den wertschöpfenden und identitätsstiftenden Beitrag unserer kommunikativen Arbeit als höher ein.

Für mich sind Rückzugssorte und Energiequellen in oder nach stressigen Phasen Berlin, die Bretagne, die Badewanne oder mein Bett.

Stefan Schmidt, Mitgründer Dieckertschmidt

Dieckertschmidt-Mitbegründer Stefan Schmidt
Dieckertschmidt-Mitbegründer Stefan Schmidt (Bild: Agentur)
Diese Tips sind richtig und logisch und gar nicht neu. Konstantin Jacoby und Reinhard Springer haben schon in ihrer berühmten Agentur die eiserne Regel aufgestellt: Gearbeitet wird nur zwischen 9 und 18 Uhr. Danach alles aufräumen und raus ins richtige Leben. Auftanken, eine reiche Persönlichkeit werden, richtige Dinge sehen und mit richtigen Menschen sprechen. Man kann diese Grundsätze einhalten. Aber eben nicht immer. Manchmal driftet man ab in die 24/7 Routine. Dann man muss man sich eben rejustieren. Ich persönlich entstresse mich mit Sport. Entweder machen oder gucken. Und mit Kunst. Entweder machen oder gucken (wird man in Berlin nie mit fertig!).

Ronald Focken, Holding-Geschäftsführer Serviceplan Gruppe

Ronald Focken
Ronald Focken (Bild: Serviceplan)
Ich finde Behrendts Tipps zum Großteil richtig. Am Ende des Tages muss man auch einmal fünfe gerade sein lassen, denn unser Job ist wahnsinnig einnehmend und energiefressend. Deswegen ist es wichtig, mit einer gewissen Lockerheit durchs Berufsleben zu gehen. Ich selbst liebe meinen Job. Er stellt eine ganz wesentliche Komponente in meinem Leben dar. In unserer Branche sollten wir für unseren Job brennen und mit Spaß und Überzeugung dabei sein, schließlich verkaufen wir Ideen und Visionen. Allerdings darf man dem Job nicht alles unterordnen. Er darf nicht alles beherrschen.

Behrendts Äußerung "Mach dir jeden Morgen noch mal klar, dass wir im Job nur Monopoly für Erwachsene spielen" ist eine Metapher, um zu zeigen, dass man die Dinge auch einmal mit einer gewissen Lockerheit sehen muss. Schauen Sie sich doch die Eitelkeiten und Grundmotivationen vieler Leute an. An erster Stelle stehen da Geld, Erfolg und besser als alle anderen sein zu wollen. Von daher ist der Monopoly-Vergleich nicht weit hergeholt. Natürlich kann man seine Äußerungen als „eitle Eigen-PR“ abtun. Er ist ja ein PR-Mann. Ich habe die zehn Gebote bislang nicht veröffentlicht, andere haben es auch nicht gemacht. Er ist eben der Erste, der auf die Idee gekommen ist.
Meist gelesen
stats