Agenturmanager des Jahres Grabarz & Partner "Wir sind nicht nur die nette Schmuse-Agentur"

Dienstag, 22. Dezember 2015
Die Geschäftsführung von Grabarz & Partner: Reinhard Patzschke, Stefanie Kuhnhen, Ralf Heuel und Thomas Eickhoff (v.l.)
Die Geschäftsführung von Grabarz & Partner: Reinhard Patzschke, Stefanie Kuhnhen, Ralf Heuel und Thomas Eickhoff (v.l.)
Foto: Olaf Ballnus/HORIZONT

Schlagzeilen hat Grabarz & Partner 2015 vor allem mit der Kampagne "Rechts gegen Rechts" gemacht, der am häufigsten ausgezeichneten Arbeit aller Zeiten aus Deutschland. Auch sonst lief es prima: Der Umsatz wuchs zweistellig auf über 20 Millionen Euro, nicht zuletzt dank neuer Kunden wie Burger King, Unister und Melitta. Zuvor war die Agentur durch einen langen Umbauprozess gegangen – 1000 Tage. Ein Gespräch mit den Preisträgern über Erfolg, den Umbau und ihre Zusammenarbeit.

HORIZONT Award, Nummer 1 in allen Kreativrankings, Creative Leader und Agentur des Jahres – wie viele Flaschen Sekt und Champagner haben Sie in den letzten Wochen geleert?
Reinhard Patzschke:
Wir haben eigentlich nur einmal gefeiert, das aber richtig mit allen Mitarbeitern. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben: Mit Sekt oder Champagner haben wir uns dabei nicht wirklich beschäftigt, eher mit Gin.

Sie haben Anfang 2015 intern gesagt, dass Sie Agenturmanager des Jahres werden wollen. Kann man das planen?
Patzschke:
Nein, natürlich nicht. Es war ja vor allem ein Wunsch. Wir haben nichts darauf ausgerichtet. Das geht auch gar nicht. Der Horizont Award ist quasi der Oscar unserer Branche. Den zu gewinnen, kann man nicht planen – gerade weil er nicht nur eine Facette bewertet, sondern eine Gesamtleistung.
Stefanie Kuhnhen: Man muss die Ausgangssituation verstehen. Wir hatten drei sehr arbeitsreiche Jahre hinter uns, die nicht immer leicht waren. Zwischenzeitlich sind wir auch mal durch den Dreck gewatet. Parallel haben wir die Agentur neu ausgerichtet. Anfang des Jahres haben wir gemerkt, dass wir aus dem Tal raus sind. Deswegen haben wir dieses Ziel formuliert, nicht zuletzt als Motivationszeichen an unsere Mitarbeiter.

Zur Neuausrichtung der Agentur gab es ein 1000-Tage-Programm. Was war das eigentlich genau? Klang von außen immer ein bisschen esoterisch.
Ralf Heuel:
Es war das Gegenteil davon: sehr handfest, greifbar und viel Arbeit. Wir hatten gemerkt, dass wir uns bei all der Konzentration auf unsere Kunden zu wenig um uns gekümmert haben. Wir hatten viele Ideen, aber keine klare Strategie für die Zukunft. Das wollten wir ändern. Dafür haben wir das Programm "GP 1000" ins Leben gerufen. Das war ein amtlicher Change-Prozess, in den wir alle Mitarbeiter eingebunden haben. In Arbeitsgruppen wurden Vorschläge für alle wichtigen Themen erarbeitet.
Thomas Eickhoff: Die Tatsache, dass und wie wir heute in einem neuen Gebäude sitzen, verdanken wir beispielsweise diesem Prozess. Eine der Arbeitsgruppen hat sich intensive Gedanken darüber gemacht, wie unsere Agentur in der Zukunft auch räumlich aussehen muss.

Was ändert sich durch solch ein Programm am Arbeitsalltag?
Kuhnhen:
Ich kann das am besten aus der Sicht des Plannings an einem ganz konkreten Beispiel sagen: Früher haben wir nach dem klassischen Wasserfallprinzip gearbeitet, das heißt, eine Abteilung hat an die andere übergeben. Jetzt haben wir wirklich integrierte Teams, in denen alle Disziplinen von Anfang an zusammensitzen. Heute pflegen wir einen viel kooperativeren Arbeitsstil.

Mit Verlaub, aber die Leute zusammenzusetzen, klingt nicht revolutionär.
Patzschke:
Natürlich nicht. Aber es hat die Arbeitsprozesse effektiver und effizienter gemacht. Es ist ja nicht selten so, dass die Dinge für sich allein erst mal relativ simpel klingen. Zusammengenommen sorgen sie aber dafür, dass sich das große Rad besser dreht als vorher.
Heuel: Klar sagen alle, dass man enger zusammenarbeiten muss. Entscheidend aber ist, das auch zu leben: Man muss Menschen zusammenbringen, Eitelkeiten, Hoheitsansprüche der Disziplinen und manchmal auch Ängste abbauen. Im ersten Schritt geht es oft nur um das Kennenlernen. Dafür haben wir viele Formate entwickelt. "Speeddating", "Partnertausch" und "Abendbrot" zum Beispiel. Da kocht ein Geschäftsführer für eine Gruppe ausgeloster Mitarbeiter. Einige bei uns sind aber so disruptiv, dass sie lieber kegeln – oder, Thomas?
Eickhoff (lacht): Man darf die Regeln nicht zu streng auslegen. Und zu essen gab es bei uns auch: Mettigel, Spargelröllchen und wunderbare Mayo-Eier.

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Sie haben der Agentur auch ein neues Motto verpasst: "Participative Creativity". Das alte, "die Agentur mit den wenigsten Arschlöchern pro Quadratmeter" (Zitat des Gründers), klang mehr nach Grabarz. Erst recht, weil es nicht auf Englisch daherkam.
Heuel: Participative Creativity ist ein Dach. Das Dach ruht auf fünf Säulen, und eine davon heißt "People matter". Dort findet sich auch unsere berühmte "Null-Arschloch-Regel". Aber das allein reichte uns nicht. Denn es könnte so wirken, als wären wir nur die nette Schmuse-Agentur. Aber wir sind auch eine Hochleistungsagentur, die sich laufend mit den besten Agenturen Deutschlands und der Welt misst. Und Englisch ist es deshalb, weil wir inzwischen viele Mitarbeiter aus anderen Nationen bei uns haben.

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Sie vier arbeiten eng zusammen, sitzen jeweils zu zweit in einem Büro. Gibt es etwas, das Sie an den Kollegen nervt?
Kuhnhen:
Wir sind ein sehr demokratischer Haufen. Das ist großartig, aber ehrlich gesagt nervt diese Demokratie auch manchmal, klar.
Patzschke: Wir haben eine sehr gute Diskussionskultur. Ohne Zweifel. Wir können uns alles sagen, auch mal heftiger. Aber es stimmt, hin und wieder ist es mühsam, alles abzustimmen. Und mich nervt, dass Ralf manchmal tagelang nicht mit mir spricht und auch keine Mails schickt. Dann muss ich erst mal überlegen, was ich falsch gemacht habe. Und mich nervt, dass Steffi denkt, alles ließe sich strategisch angehen. Aber ich bin sicher, sie nervt manchmal genauso meine Überzeugung, dass am Ende alles irgendwie gut wird. Kuhnhen: Stimmt. Die maximale Vereinfachung führt nicht immer ans Ziel.
Eickhoff: Aus meiner Sicht hilft, dass wir zwar sehr intensiv zusammenarbeiten, aber persönlich nicht wahnsinnig eng befreundet sind – in dem Sinn, dass wir auch noch unsere Freizeit miteinander verbringen. Wir haben auf der einen Seite eine totale Nähe, auf der anderen aber auch eine gesunde Distanz. Das empfinde ich als sehr wohltuend.
Heuel: Ich habe neulich ein Paar gehört, bei dem die Frau zum Mann sagte: "Du atmest zu laut." Davon sind wir zum Glück noch ein wenig entfernt.

Interview: Mehrdad Amirkhizi 

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