Agenturbilanzen Keine Aufweichung von SOX in Sicht

Freitag, 27. März 2015
Die meisten Networkmanager glauben nicht, dass die Bilanzvorgaben gelockert werden
Die meisten Networkmanager glauben nicht, dass die Bilanzvorgaben gelockert werden
Foto: Ellenmck/Fotolia

Es war schon ungewöhnlich, was BBDO Germany Anfang voriger Woche öffentlich machte. Nach Jahren des Schweigens über die aktuelle Geschäftsentwicklung meldete die von CEO Frank Lotze geführte Gruppe zumindest wieder einige Kennziffern, darunter den Vorsteuergewinn sowie die Anzahl der Mitarbeiter. Der Schritt ist bemerkenswert. Denn er bricht mit der seit 2003 geübten Praxis, keinerlei aktuelle Zahlen mehr zu veröffentlichen. Für das bisherige Vorgehen berufen sich die deutschen Ableger der Networks auf die Regelungen des Sarbanes-Oxley Act (SOX) und auf die Vorgaben der Muttergesellschaften.
Die meisten von HORIZONT befragten Manager von internationalen Agenturketten begrüßen den Vorstoß von BBDO. So zum Beispiel Helmut Hechler, Finanzchef der deutschen Ogilvy-Gruppe – auch wenn er sich wünschen würde, die Ergebnisse der verschiedenen Agenturmarken getrennt voneinander auszuweisen, um den Aussagegehalt zu erhöhen. Auch Grey-Chef Dickjan Poppema, der bei der Jahrespressekonferenz Ende 2014 selbst einen vorsichtigen Einblick in die Geschäftsentwicklung gab, findet das Vorgehen von BBDO gut. Das Gleiche gilt für Ruber Iglesias, CEO der deutschen McCann-Gruppe. "Die jetzigen Transparanz-Vorstöße leisten einen Beitrag zur besseren Wahrnehmung von Netzwerkagenturen", sagt der Chef der Interpublic-Tochter (siehe unten). Auf diesen Punkt weist auch GWA-Geschäftsführer Ralf Nöcker hin. Seine Botschaft: Wer als Akteur im Wirtschaftsleben ernst genommen werden wolle – mit entsprechender Beachtung in den Medien – der müsse nun mal Unternehmenskennzahlen liefern. "Das Imageproblem unserer Branche hängt auch damit zusammen, dass die großen Player zu selten in der Wirtschaftspresse stattfinden", sagt Nöcker. Er hofft, dass der Vorstoß von BBDO Nachahmer findet.

Danach sieht es allerdings nicht aus. Keiner der befragten Manager sieht Anzeichen dafür, dass sich an den rigiden Vorgaben der Muttergesellschaften etwas ändern könnte. "Das ist nach wie vor ein absolutes No-go", findet Publicis-Pixelpark-Chef Horst Wagner. Ähnlich beurteilt Christian Tiedemann, Co-Chef der WPP-Tochter Commarco, zu der unter anderem Scholz & Friends gehört, die Situation. "Ich sehe nicht, dass es in dieser Hinsicht irgendwelche Erleichterungen oder Lockerungen geben wird." Letztlich muss also jeder Agenturchef selbst entscheiden, wie weit er geht. mam

"Bessere Wahrnehmung von Networks"

McCann-Chef Ruber Iglesias findet Transparenz gut, kann aber keine Zahlen nennen
McCann-Chef Ruber Iglesias findet Transparenz gut, kann aber keine Zahlen nennen (Bild: Agentur)
Wie bewerten Sie den Vorstoß von BBDO Germany, wieder einige Zahlen zu nennen?
Ruber Iglesias: Ich begrüße den Vorstoß, Transparenz ist auch mir und uns als McCann Worldgroup Deutschland wichtig. Die jetzigen Transparenz-Vorstöße leisten einen Beitrag zur besseren Wahrnehmung von Netzwerkagenturen. In unseren vom digitalen Wandel geprägten Zeiten sind wir mit unserem umfassenden Leistungsspektrum, unserer soliden Expertise, internationalen Vernetzung und jahrzehntelangen Erfahrung sowohl im digitalen als auch im klassischen Bereich die besten Partner für Marken und Unternehmen. Immer mehr Kunden entdecken uns wieder als stabilen Anker in diesen Zeiten des Umbruchs. Dass dies wieder in die Öffentlichkeit dringt, begrüße ich sehr und natürlich wollen wir uns so transparent wie möglich zeigen.

Würden Sie denn selbst wieder Zahlen nennen?
Wir beide wissen, woraus der Sarbanes-Oxley Act geboren ist und auch in Deutschland gibt es ganz klare Meldevorgaben, an die wir uns alle halten sollten – für einen fairen Wettbewerb, für die Korrektheit und Vergleichbarkeit von Zahlen und im Interesse einer starken Wirtschaft. Im Rahmen des Erlaubten und in einer großzügigen Auslegung unserer Richtlinien nenne ich gern Fakten. Die Zahlen der McCann Worldgroup Deutschland zeigen alle nach oben: Wir sind seit 2009 erstmals wieder profitabel, wir bauen das Geschäft für unsere Bestandskunden kontinuierlich aus und haben zahlreiche neue Kunden gewonnen und keinen einzigen verloren.

Wäre es dann nicht umso wichtiger, auch Kennzahlen zu veröffentlichen, um die Geschäftsentwicklung transparent und den Erfolg nachvollziehbar zu machen?
Erfolg lässt sich anhand ganz unterschiedlicher Kennzahlen ausmachen. Kunden, Neukunden, Neueinstellungen, großartige Kampagnen und technische Errungenschaften sind überzeugende Indikatoren für Erfolg, die wir nennen dürfen und gerne nennen und damit auch zur Transparenz beitragen.

Gibt es Signale aus den Holdings, dass die Zügel in Sachen Meldevorgaben etwas lockerer werden?
Mir sind solche Signale nicht bekannt.

Ruber Iglesias ist CEO der deutschen McCann-Gruppe

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