Aegis Media Ex-CEO Andreas Bölte fordert mehr als eine Million Euro von ehemaligem Arbeitgeber

Donnerstag, 07. Mai 2015
Andreas Bölte wehrt sich gegen Kündigung durch Dentsu Aegis Network
Andreas Bölte wehrt sich gegen Kündigung durch Dentsu Aegis Network
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Andreas Bölte Dentsu Aleksander Ruzicka


Die Agenturbranche hat ihren nächsten Rechtsstreit. Vor dem Landgericht Wiesbaden wurde jetzt das Zivilverfahren zwischen Andreas Bölte und seinem früheren Arbeitgeber Dentsu Aegis Network eröffnet. Der Ex-CEO will die Unwirksamkeit der gegen ihn ausgesprochenen Kündigungen gerichtlich feststellen lassen und fordert von der Mediaagenturgruppe über eine Million Euro, die ihm seiner Auffassung nach noch zustehen.
Zu Beginn der Verhandlung kam es zu einem Wiedersehen zwischen Bölte und seinem Anfang April aus der Haft entlassenen Vorgänger Aleksander Ruzicka. Dieser war als Zuhörer dabei, wurde von der Richterin aber darum gebeten, den Raum zu verlassen, da er womöglich noch als Zeuge in diesem Verfahren auftreten soll. Die Klägerseite hat Ruzicka als Zeugen benannt. Dieser erklärte allerdings noch im Rausgehen: "Ich stehe als Zeuge für Herrn Bölte nicht zur Verfügung". Bölte hatte wesentlich dazu beigetragen, dass Ruzicka vor Gericht gestellt und wegen schwerer Untreue zu einer Haftstrafe von über elf Jahren verurteilt wurde.
Andreas Bölte verlässt nach zehn Jahren das Dentsu Aegis Network (Foto: DAN)
Bild: DAN

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Umso bemerkenswerter ist es, dass es jetzt zum Rechtsstreit zwischen ihm und Dentsu Aegis Network kommt. Die Agenturgruppe hatte Bölte Ende August 2014 gekündigt - ihrer Auffassung nach fristgerecht. Bei seinem kurze Zeit vorher offiziell verkündeten Ausstieg hieß es allerdings noch, der Mananger verlasse die Gruppe aus persönlichen Gründen zum Jahresende. Bei den anschließenden Verhandlungen über ausstehende Gehalts- und Bonuszahlungen ist man sich nicht einig geworden. Bölte fordert von seinem früheren Arbeitgeber eine Summe von mehr als einer Million Euro, die Agentur bietet laut Aussage ihrer Anwälte 200.000 Euro an. Zudem bestreitet Bölte die Wirksamkeit der ordentlichen Kündigung, da ihm seinen Angaben nach nur in einem ungeraden Kalenderjahr mit Wirkung zum Ende des darauffolgenden geraden Kalenderjahres gekündigt werden kann - also frühestens in diesem Jahr mit Wirkung zu Ende 2016.
Aleksander Ruzicka
Bild: Foto: Aegis

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Vor Gericht gestritten wird aber zunächst über die fristlose Kündigung, die das Unternehmen im März 2015 ausgesprochen hat. Sie führt in diesem Zusammenhang insgesamt 13 Kündigungsgründe an, unter anderem, dass Bölte Mitarbeiter der Agentur für private Zwecke eingespannt hat, zum Beispiel für Besorgungen und Reparaturen. Auch Verstöße bei der Nutzung von Dienstwagen und -handys werden ihm zur Last gelegt. So soll Bölte angeblich drei Dienstwagen (Mercedes S400, Mercedes GL und Porsche Panamera) gefahren haben.

Sein Anwalt betont jedoch, dass diese ihm nicht gleichzeitig, sondern in einem Zeitraum von über zehn Jahren nacheinander zur Verfügung standen - und zwar im Rahmen der Dienstwagenrichtlinien von Dentsu Aegis Network. Die Agenturgruppe wirft ihrem früheren CEO des Weiteren vor, Zusatzvereinbarungen zu seinen Anstellungsverträgen gefälscht zu haben. Auch hier widerspricht Bölte energisch. Die entsprechenden Unterlagen beziehungsweise Unterschriften sollen von einem Gutachter überprüft werden. Die Richterin machte im Rahmen der Verhandlung deutlich, dass sie zumindest Zweifel an der Wirksamkeit der fristlosen Kündigung hat. Die Anwälte von Dentsu Aegis haben jetzt einige Wochen Zeit, ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Das Verfahren wird Ende Juni fortgesetzt.

Auch andere Agenturen streiten derzeit mit ihren Ex-Managern um fristlose Kündigungen und ausstehende Zahlungen. Das prominentste Beispiel: Ogilvy & Mather und Thomas Strerath. Ob es hier ebenfalls zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist noch unklar. Strerath hat aber angekündigt, gegen seine fristlose Kündigung juristisch vorzugehen. Ebenfalls zu erwarten ist eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung zwischen der BBDO-Beratungsfirma Batten & Company und ihrem gekündigten Partner Björn Sander. Bei der Trennung von Serviceplan und dem Hamburger Standortchef Jörg Schultheis ist dieser Schritt ebenfalls denkbar. mam
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