Adamski bestätigt Ex-Mediacom-Chef Remitz wird Deutschlandchef von OMG

Mittwoch, 06. Dezember 2017
Paul Remitz wird neuer Deutschlandchef von OMG
Paul Remitz wird neuer Deutschlandchef von OMG

Spektakulärer Wechsel an der Spitze der Agenturholding Omnicom Media Group (OMG): Neuer Deutschlandchef wird Paul Remitz. Also der Mann, der bis vor ein paar Monaten beim Erzkonkurrenten Mediacom das Kommando führte. Im Interview mit HORIZONT Online spricht sein Vorgänger Florian Adamski, der bekanntlich zum Global CEO des Media-Networks OMD aufsteigt, über die Hintergründe.

Remitz für Adamski: Was HORIZONT Online vor knapp drei Wochen als Gerücht vermeldete, wird jetzt also Realität. Remitz, der 2018 "zum frühestmöglichen Zeitpunkt" seinen neuen Job antritt, stand acht Jahre an der Spitze von Marktführer Mediacom und war damit hinter Jürgen Blomenkamp der wichtigste Mann bei Group M. Nach seinem Ausstieg bei Mediacom hieß es, Remitz werde sich weiter um die eigens für Procter & Gamble gegründete Agentur Twentyfive kümmern (ein Joint Venture von Mediacom und Pilot) - vor allem aber eine neue Unit aufbauen, die Unternehmen bei der digitalen Transformation beraten sollte. Am Ende aber schmiss Remitz doch hin - wohl nicht eben in allerbestem Einvernehmen mit Blomenkamp und Tino Krause, seinem Nachfolger bei Mediacom. 

Mit der Verpflichtung von Remitz landet Omnicom zweifellos einen echten Coup. Der Mann will es noch mal richtig wissen, seine Fähigkeiten sind unumstritten. Die große Frage freilich lautet: Passt Remitz zur Unternehmenskultur von OMG, die so ganz anders ist als die von Group M? 

HORIZONT Online sprach mit Adamski über seinen Nachfolger und die Lage bei den zur Holding gehörenden Agenturen OMD, PHD und Hearts & Science. Nebenbei liefert Adamski noch eine weitere News. Die erst in diesem Jahr in Deutschland gestartete Hearts & Science kann erste Kundengewinne vermelden - darunter den B2B-Etat von Facebook.

"Paul Remitz ist der vielleicht erfahrenste Mediamanager der Republik"

Florian Adamski, designierter Global CEO von OMD
Florian Adamski, designierter Global CEO von OMD (© Britta Würzburg)
Herr Adamski, Ihr Nachfolger an der Spitze von OMG Germany heißt Paul Remitz. Das ist ja schon eine tolle Geschichte: Der Vorzeige-Vertreter der neuen Manager-Generation wird abgelöst vom Vorzeige-Vertreter der vorherigen Manager-Generation. Schönes Bild. Nur stimmt es halt nicht ganz, sondern zeigt eher, dass das alte Schubladen-Denken nicht mehr funktioniert. Was stimmt, ist: Paul Remitz ist der vielleicht erfahrenste Mediamanager der Republik und kennt alle Facetten unseres Geschäfts. Nur, und das ist eben die andere Seite: Nichts wäre verkehrter, als Paul als Vertreter der alten Schule zu bezeichnen. Man kann über Mediacom ja sagen, was will - dass die Agentur immer ein großer Treiber neuer Entwicklungen war, ist unbestritten. Paul ist einer der ganz wenigen Manager, der in der Lage ist, unsere Vergangenheit mit der Zukunft zu verknüpfen. Dass das ein ganz schmaler Grat ist, merken Sie auch, wenn Sie mit Kunden sprechen. 

Wie meinen Sie das? In Unternehmen haben Sie es häufig mit Geschäftsführern jenseits der 50 zu tun, gleichzeitig aber auch mit CMOs in den 30igern, also der ersten Generation der Digital Natives. Wenn der CEO uns brieft, bekommen wir gesagt: "Wir müssen unbedingt etwas für unsere Marken-Bekanntheit tun, damit wieder mehr Leute in unsere Läden kommen!". Verlässt der Chef dann den Raum, sagt der CMO: "Was wir wirklich machen müssen, ist die verdammte DMP endlich zum Laufen zu bringen!" Ähnliches erleben Sie auch in den Mediaagenturen. Da finden Sie ganz viele Generation-Y-Leute, die überhaupt nichts mehr mit unseren TV-Buchungsprozessen anfangen können, und auf der anderen Seite Mitarbeiter, die nicht gleich jedes neue Digitalthema freudig begrüßen. Man muss aber beides im Blick haben, das klassische Media-Business und die aktuellsten Trends. Genau das ist bei Paul der Fall. Er ist absolut der Richtige, um den Weg, den wir gemeinsam bei der Omnicom Media Group eingeschlagen zu haben, fortzusetzen. 

Wie kamen Sie eigentlich auf Remitz als Wunsch-Nachfolger? Vor Jahren habe ich mal über einen Wechsel zu Group M nachgedacht. 

Ach. Seit dieser Zeit habe ich jedenfalls einen sehr guten Kontakt zu Paul. Und natürlich habe ich seine Arbeit verfolgt. Es hat mir schwer imponiert, wie er den Pitch bei Procter & Gamble gewonnen hat. Das Joint Venture mit Pilot war ein wirklich mutiger und genialer Schritt, ich kann mir gut vorstellen, wie schwer das in einem Network durchzusetzen war. Ich fand auch stark, dass er nach seinem Ausstieg bei Mediacom den Plan hatte, bei Group M eine neue Unit für digitale Transformation zu gründen. Das hat mir gezeigt: Paul Remitz sucht nach der nächsten großen Herausforderung. 

Den Eindruck, dass sich Remitz in puncto Innovationsfreude so leicht von niemanden übertreffen lässt, teile ich absolut. Die Frage ist nur, ob es auch kulturell passt. Diejenigen, die ihn besser kennen oder schon mit ihm zusammengearbeitet haben, sagen: "Flo, das ist ein ganz anderer Typ als du, aber jemand, der Kunden mit extremer Kompetenz und Sachkunde überzeugt, immer verbindlich agiert und Mitarbeiter entwickeln und begeistern kann." Paul ist ein Fels in der Brandung, mit dem man Schlachten besteht. 

Bei Mediacom ist ja folgendes passiert: Remitz geht und ein paar Top-Leute schmeissen hin. Droht bei der Omnicom Media Group jetzt Ähnliches? Adamski geht und wichtige Leute sagen: Dann bin ich jetzt aber auch weg. Ehrliche Antwort: Ich habe Stand heute keine einzige Kündigung aus den ersten drei Reihen des Managements. Keine einzige. Bisher hat unsere Gruppe sehr stark von internen Talenten gelebt, die in der Organisation aufgestiegen sind. André Rahn, der Chef unserer neuen Agentur Hearts & Science, ist da sicherlich eine Ausnahme. Und jetzt also Paul. Mein starker Eindruck ist: Die meisten Leute hier sehen ihn als jemanden, der bewiesen hat, große Organisationen erfolgreich führen zu können, und der mit seiner immensen Erfahrung einen neuen Blick einbringt, von dem wir als Gruppe nur profitieren können. Ich mache mir da wirklich keine großen Sorgen - was auch mein latent schlechtes Gewissen entlastet, die Omnicom Media Group Germany zu verlassen. Ich habe ja schon Steine im Bauch deswegen. 

Haben Sie auch über interne Kandidaten nachgedacht? Ja, natürlich. Sie haben ja selbst in HORIZONT über Holger Thalheimer spekuliert. Wäre ihm der Job zuzutrauen? Ja, selbstverständlich! Bei der Rolle des OMG-CEOs geht es aber ja nicht in erster Linie um Hierarchie-Fragen, sondern um eine spezielle Aufgabe - und darum, ob man bereit ist, sich ein Stück aus dem operativen Agenturgeschäft herauszuziehen. Und Holger ist nun mal einfach jemand, der am liebsten nah am Kunden ist. Das macht er als Chef von PHD hervorragend. Es wurde ja viel darüber geschrieben, ob die Agentur wirklich in der Lage ist, den neuen Großkunden Volkswagen zu stemmen. Natürlich war das sauschwer, aber Fakt ist, dass PHD jetzt bei VW zusätzliche Aufgaben übernimmt, die davor bei Blackwood Seven waren. Das wäre nicht passiert, wenn es bei VW irgendwelche Ressentiments gegenüber PHD geben würde. Die Agentur hat heute doppelt so viele Mitarbeiter wie vor einem Jahr und gewinnt in Pitches Etats wie Rabobank und die Bundesregierung. 

Dafür hört man bisher nichts von der neuen Agentur Hearts & Science, die in den USA mit dem Gewinn von Procter & Gamble und AT&T für Furore gesorgt hat. Ich glaube, Sie sollten dringend mal mit André Rahn sprechen. 

Über Neugeschäft gibt es ja noch nicht viel zu berichten. Meinen Sie? André hat in den vergangenen drei Monaten Yamaha Music gewonnen, er hat den aktuell viel beachteten Facebook B2B-Etat geholt, er wird den Deutschlandlaunch von „Payconiq“ begleiten, einer Fintech App, die in anderen europäischen Märkten in Partnerschaft mit verschiedenen großen Banken bereits sehr erfolgreich ist. André baut da gerade still und heimlich etwas richtig Gutes auf. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Hearts & Science in Deutschland erfolgreich sein wird. 

Also keine großen Problemfälle, die auf Paul Remitz warten? Ich will jetzt nicht so einen bescheuerten Ausdruck benutzen wie "ein gut bestelltes Feld hinterlassen". Das wäre auch einfach Quatsch in diesen Zeiten. Aber um mal im Agrarbereich zu bleiben: Ich glaube, Paul findet ein gut ausgesätes Feld vor, das aber jeden Tag heftigem Gegenwind und Sturm standhalten muss. Und um das man sich jeden Tag mit hundert Prozent Energie und Leidenschaft kümmern muss. 

Im zweiten Teil des Interviews, das morgen erscheint, erläutert Adamski, wie er seinen neuen Job als weltweiter CEO von OMD angehen will und wie er die aktuellen Entwicklungen im Media-Business einschätzt. 

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