Ach Mensch Tom Felber: Der Umsteiger

Dienstag, 24. Februar 2015
Tom Felber
Tom Felber
Foto: Tom Felber
Themenseiten zu diesem Artikel:

Tom Felber Marc Huth BBDO Ingeborg Trampe


In der Kolumne "Ach Mensch" porträtiert die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen. Diesmal: Tom Felber, der sich Stationen bei BBDO und Publicis 2008 beschloss, sich mit einem Kunst-Online-Magazin selbständig zu machen.

Ich beneide Menschen, die von sich sagen können: "Ich habe jeden Tag eine Lernkurve". Tom Felber, 49 Jahre, einer der Macher hinter dem vielgelobten Magazin "Superior", erwähnt diesen Satz ganz beiläufig, so als sei es das Selbstverständlichste von der Welt. Und mit bemerkenswerter Gelassenheit. Dabei treiben sich Felber und sein Mitherausgeber Marc Huth seit mehreren Jahren in einem Feld um, das nicht gerade von steilen Wachstumskurven geprägt ist.

Seit Mitte 2011 erscheint mit Superior ein Digital-Magazin mit dem Schwerpunkt Fashion-Fotografie, das sich aber in Anspruch und Umsetzung nicht vor den Print-Hochglanzmagazinen verstecken muss. In Superior erscheinen etwa eigens produzierte Fotostrecken und nicht einfach nur Bilder von Modeschauen. Junge Modejournalisten der renommierten AMD Akademie Mode und Design schreiben für das in Berlin produzierte Magazin, das auf Facebook fast 150.000 Fans hat. "Ein reines Printmagazin war nicht finanzierbar, dennoch wollten wir ein Magazin machen, das einen hochwertigen Qualitätsanspruch hat. Bilder leben auch digital vom Layout und damit heben wir uns deutlich von der Konkurrenz ab", erzählt Felber zum konzeptionellen Gedanken des Magazins.

Dabei zielt Superior nicht auf eine reine BtoC-Zielgruppe. Vielmehr wird das Mag von Modejournalisten, Fotografen und Stylisten gelesen, die nach Inspiration für Trends und Styles suchen. Felbers Team nutzt Digitalisierung auch geschickt als Spielfeld in den zu besonderen Gelegenheiten erscheinenden Printausgaben und bietet über QR-Codes etwa Videos und Zusatzinformationen an. Dabei verknüpft Superior gerne Fashion mit angrenzenden Bereichen wie Design und Kunst.

Felber war in seinem ersten Berufsleben Chief Financial Officer bei BBDO und Publicis, bevor er nach einer Weltreise beschloss, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Er hatte schon immer eine starke Affinität zu Kunst und Design und bereits viele Kontakte in die Kunstszene. Mit Creative Face startete er zunächst 2008 ein Kunst-Online-Magazin, musste aber relativ schnell feststellen, dass "ein Kunstportal eher schwierig" im Marktumfeld zu etablieren war. Gleichzeitig hatte er aber durch das Magazin viele Kontakte in die Modewelt geknüpft. Die Wende brachte nicht nur eine weitere Weltreise, sondern auch die Begegnung mit dem jungen Fotografen Marc Huth. Und so setzte sich der umtriebige Felber hin und schrieb einen Business-Plan für ein neues Berufsabenteuer. Zweifel überkamen ihn angesichts der Fülle an Fashion-Magazinen nie: "Es gibt auch schon 1000 Cafés und trotzdem macht man eins auf. Es ist eben wichtig, seine Zielgruppe zu finden, sich abzugrenzen und auch eine gewisse Risikobereitschaft zu zeigen."

Wie gut Felber und Huth mit Superior den Zeitgeist getroffen haben, zeigt sich auch daran, dass sie sofort bei der Mercedes-Benz Fashion Week präsent waren und "viel Awareness bekamen", erinnert sich Felber. Von Beginn an erhielt Superior ein sehr gutes Feedback international und wurde mehrfach als "Magazin des Monats" auf issun.com porträtiert  und gewann bereits dreimal in Folge den "Shoe Step of the Year Award" für den besten Schuh-Beitrag in Online-Magazinen in Deutschland. Obwohl das Magazin von der ersten Ausgabe an gut ankam, musste Felber natürlich auch ungeplante Erfahrungen machen. "Ein Unternehmen zu gründen, ist immer ein Sprung ins kalte Wasser. Man kann sich auch totplanen und wird nie fertig. Es ist immer ein Stück learning by doing", erinnert sich der kommunikationsfreudige Magazinmacher. Natürlich kam ihm dabei zu gute, schon so lange im Business zu sein. Als CFO hatte er früher viele Gespräche mit Werbekunden geführt und das komplette Finanzmanagement verantwortet. Seine Erfahrung gibt er seit 2012 übrigens auch als Berater und Coach für Start-up-Unternehmen in der Hauptstadt weiter.

Trotz des Erfolges ist Superior noch längst nicht da, wo Felber gerne hinwill. "Wir arbeiten alle sehr viel, das ist auch unser Ding. Aber wir sind nicht Mutter Theresa." Deshalb denkt Felber über neue wirtschaftlich interessante Geschäftsfelder nach, um nicht nur kostendeckend zu arbeiten wie bisher, sondern seinem Verlegertum und seinem Team eine langfristige Perspektive zu geben.

Gerade in diesen Wochen hat Superior zur Berlin Fashion Week sein erstes Special als Kombination aus Digital-Magazin und iPad-App herausgebracht. Das hochwertig gestaltete Tablet-Magazin ist interaktiv aufgebaut und zeigt spannende Menschen und Orte rund um das halbjährliche Modespektakel in der Hauptstadt. Die App steht stellvertretend für ein Printmagazin, Abläufe im Prozess und die Gestaltung sind ähnlich. Der Vorteil: Sie kann aber gleich aus dem Stand weltweit distribuiert werden. "Die große Herausforderung wird es nun sein, die Werbepartner davon zu überzeugen, dass die Tablet-App in unserem Magazinsegment eine echte Alternative zu Print ist. Das wird sicher kein einfacher Weg sein, aber wir haben schon einige Ideen, was man in dieser Richtung alles machen kann", sagt Tom Felber.

Typisch für ihn ist dabei, dass er immer nach vorne schaut. Egal wie groß die Aufgabe ist, die vor ihm liegt. Ein Job im alten Umfeld würde ihn jedenfalls nicht mehr locken. "Die Zeit als Finanzchef hat viel Spaß gemacht und ich profitiere sehr von diesen Erfahrungen, aber ich habe den Schritt in die zweite Karriere nie bereut", zieht er Zwischenbilanz. Ein Satz, der allen Mut machen sollte, die schon länger über berufliche Veränderungen nachgedacht haben. Ingeborg Trampe 

Meist gelesen
stats