Ach Mensch Mel Buml - Die Feinschmeckerin

Montag, 16. März 2015
Food-Bloggerin Mel Buml
Food-Bloggerin Mel Buml

In der Kolumne "Ach Mensch" porträtiert die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen. Diesmal: Mel Buml, eine der bekanntesten Food-Bloggerinnen Deutschlands.
Das Paradies von Mel Buml ist ganze vier Quadratmeter groß. Darin türmen sich geschickt Pfannen und Töpfe, Lebensmittelvorräte, Geschirr und sogar einige Küchengeräte. In der wohl kleinsten Küche der Welt kocht, stylt und fotografiert die Chefstrategin der Agentur brand:marke ihre Beiträge für GourmetGuerilla.de, einen der bekanntesten Food- und Lifestyle-Blogs in Deutschland. Über 7000 Fans folgen ihren kulinarischen Ideen allein auf Facebook, bei Instagram sind es über 1500 Follower. Und dass sie eben nicht in einer repräsentativen Edelstahl-Designerküche werkelt, passt zu der Bloggerin, die mit ihrer auffälligen Hochsteck-Frisur (sie nennt ihn "Corporate-Dutt") und den außergewöhnlichen Kleidern so ganz ihren eigenen Stil pflegt. Ihr Humor ist trocken und herzlich, sie stammt aus dem Pott, das erklärt so einiges.

Schon mit neun Jahren Interesse am Kochen

2011, als ihre damalige Agentur TBWA mitten in schmerzhaften Umstrukturierungsprozessen steckte, folgte Buml einer Intuition und schaffte sich mit ihrem Blog einen ganz persönlichen Ausgleich zur Agenturwelt. "Ich bin total naiv gestartet. Ich wusste nicht wie viele Blogs es schon gibt. Es war eine reine Bauchentscheidung", erzählt die Bloggerin, die mit Freund und Sohn im kuscheligen Hamburger Grindelviertel wohnt. Auf den Knallernamen GourmetGuerilla kam übrigens ihr Lebensgefährte, der sich ansonsten aber meistens aus dem Kochprozess raushält. Buml hat das Interesse am Kochen von ihrer "Oma geerbt". Schon mit neun Jahren legte sie an einem Muttertag los, wenn auch mit etwas verunglückten Aprikosentäschchen, die ihre Eltern der Tochter zuliebe mit Todesmiene verzehrten. Das Backen hat sie inzwischen größtenteils ad acta gelegt, weil sie es nicht spannend genug findet. "Kochen ist ein richtiger Entstehungsprozess. Ich kann jedes Gericht in jede Richtung steuern, je nachdem, was ich zu Hause habe", sagt Mel Buml. Dabei kocht sie selten nach Rezept, vielmehr liest sie viel und sammelt ihre Ideen im Kopf. Das Arbeiten mit den Händen und Lebensmitteln ist für sie ein kreativer Prozess. "In Agenturen arbeitet man manchmal ein Jahr an einem Projekt, dann wird es gecancelt. Für mich ist Kochen ein Ausgleich mit direkt greifbarem Ergebnis. Andere rennen um die Alster, ich entspanne beim Kochen." Zwei bis drei Posts pro Woche sind dabei ihr Ziel. Aber mitunter passiert auch mal vier Wochen nichts auf ihrem Blog. Schließlich braucht sie am Wochenende mehrere Stunden, um ihre Rezeptideen zu verwirklichen, das Essen fürs Foto zu stylen und den Beitrag für den Blog zu erstellen. GourmetGuerilla macht also richtig Arbeit. "Man muss schon mögen, was man tut, ein Blog kostet viel Energie", konstatiert Buml ohne Beschönigung. Auch deshalb betont sie, dass es auch als Blogger wichtig sei, die Balance zu finden. "Ich achte schon darauf, auch noch meine Freunde zu sehen."

Bei der Hamburger Agentur brand:marke leitet sie die Strategie und Beratung. Die 20köpfige Agentur hat keiner so richtig auf dem Schirm, ist aber überraschend breit aufgestellt, entwickelt Marken, baut Webshops, realisiert Filme oder entwirft ganze Gastrokonzepte wie für den bekannten Fernseh-Koch Steffen Henssler. "Ich mag es, wenn es knuspert und ich nachdenken muss. Integriert muss die Arbeit schon sein, nur klassische Endverbraucherwerbung allein reizt mich nicht", so Buml, die ursprünglich mal für das Gewerbelehramt studiert hat.

Blogger-Kooperationen als spannendes Marketingfeld

Neben ihrer Arbeit hält die Food-Bloggerin auch noch Vorträge über Blogger Relations, wie etwa bei der Weiterbildungs-Plattform "BLOGST" oder der kommenden CeBIT und arbeitet hier und da auch für interessierte Unternehmen. "Nicht jeder Blogger ist begeistert, wenn eine Marke eine Zusammenarbeit anbietet. Aber ich bin Werberin, ich finde das spannend." Deshalb hat sie im Gegensatz zu vielen anderen Food-Bloggern auch bisher noch keine Zeit in ein Kochbuch gesteckt, was für sie meist ein reines "Prestige-Ding in Deutschland" ist: "Blogger-Relations finde ich viel spannender." Wieviel Aufklärungsbedarf es auf diesem Gebiet noch gibt, zeigt jüngst der Fall Bertolli. Die Nudelmarke hatte plump eigene Rezepte auf diversen Food-Blogs platziert. Die Food-Blogger konterten humorvoll mit eigenen Kreationen auf dem Facebook-Profil des italienischen Unternehmens. Auch Mel Buml machte bei der Guerilla-Aktion mit. "Viele Unternehmen unterschätzen häufig noch die starke Vernetzung von Bloggern und die Schnelligkeit, mit der agiert wird. Der Zusammenhalt unter Food-Bloggern ist sehr ausgeprägt."

Herrlich entspannt ist die Bloggerin, wenn es um Essensregeln geht. Bei ihrer Familie gibt es nicht nur Bio, sondern eine gute Mischung von allem. Einzig Convenience-Artikel und Produkte, die im Winter von weit her eingeflogen werden, kommen der Bloggerin eher nicht auf den Tisch. Ansonsten darf es gerne herzhaft und auch unkompliziert sein. So gehören ihre Magic Low Carb Pizza aus Blumenkohl und Süßkartoffel-Falafeln mit  Avocado-Hummus und Granatapfel zu den beliebtesten Postings.

Sie will den Blog auf jeden Fall noch lange weiter betreiben, nicht nur wegen der Anerkennung ihrer Leser. "Unsere kleinen Beziehungskrisen haben mein Blog und ich schon hinter uns", kommentiert sie lakonisch. "Der Blog ist ein Teil von mir und es ist immer wieder überraschend was passiert." Natürlich hat sie inzwischen den Blog professionalisiert. Ihre Fotos könnten auch in jedem Food-Magazin gedruckt werden. Sie kennt sich mit SEO und Content Marketing aus und hat erlebt, was alles passiert, wenn man in sozialen Medien die 1000er-Grenze knackt, was bei ihr zwei Jahre gedauert hat. Food-Blogs werden auch in den nächsten Jahren viele Fans haben, da ist sie sicher. "Das Thema Essen und Ernährung wird für viele immer schwieriger und komplexer. Sie suchen Inspiration und eine Leitplanke im Ernährungs-Dschungel. Als Kompensation konzentrieren sich Menschen darum auch gern auf leichte und positive Sachen", erklärt Mel Buml und spielt damit auch auf den Erfolg der Kochshows an. "Den Boom, den wir früher bei Models hatten, haben wir jetzt bei Köchen."

Wenn sie mal selbst nicht Hand in der Küche anlegt, geht sie gerne ins Hamburger Restaurant Der Juwelier, wo sie das gute Preis-Leistungsverhältnis überzeugt und dass die Küche inspiriert, aber eben gerade nicht überambitioniert ist. Für das wichtigste Utensil in der Küche hält sie übrigens das Messer und nicht etwa den populären Thermomix, der heute in kaum einer gutbürgerlichen Küche fehlt. Und beweist damit einmal mehr ihre sympathisch bodenständige Grundhaltung.

Und sollte es ihr doch einmal zu viel mit dem Bloggen werden, hat sie eigentlich schon einen Nachfolger im eigenen Haushalt. Ihren kleinen Sohn hat nämlich jüngst auch das Kochfieber gepackt. Mit seinen neun Jahren tritt er mit seiner Leidenschaft für selbstgemachte Omeletts fast direkt in die Fußstapfen seiner Mutter. Wenn das mal kein gutes Omen ist.
Ein bunter Strauss
Ein bunter Strauss (Bild: GourmetGuerilla)
Mel Buml dort, wo sie mit am liebsten sitzt: am Küchentisch
Mel Buml dort, wo sie mit am liebsten sitzt: am Küchentisch (Bild: GourmetGuerilla)

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt. www.trampe-communication.de
Meist gelesen
stats