Ach Mensch Manuela Maurer - Die Optimistin

Montag, 15. September 2014
Manuela Maurer
Manuela Maurer
Foto: Volker Wenzlawski

"Ach Mensch" heißt die Kolumne von HORIZONT.NET, in der die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen porträtiert. Diesmal: Manuela Maurer, Gründerin der Hundebande und ehemalige Mitarbeiterin bei Kolle Rebbe.

Wer in diesen Tagen im Netz versucht, Geld für eine gute Sache zu sammeln, hat schlechte Karten. Zwar sind die großen Ferien vorbei. Doch bis vor kurzem dominierte die IceBucketChallenge sämtliche Plattformen mit lustigen Videos, die gleichzeitig für Spenden zur Bekämpfung der Nervenkrankheit ALS aufriefen. Die scheinbar immer optimistisch gelaunte Manuela Maurer ficht das nicht an. Mit einem einfachen, aber sehr persönlichen Spendenaufruf auf der Crowdfunding-Plattform für soziales Unternehmertum Startnext bittet die Ex-Werberin um Unterstützung für ihr Projekt Hundebande. Im ersten Schritt benötigte die 44-jährige ausgebildete Pädagogin 20.000 Euro, um die Zukunft des Hamburger Vereins zu sichern, der Strafgefangene und Ex-Knackis durch die Ausbildung und Betreuung von späteren Blindenhunden den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen will. Doch für den weiteren Ausbau ihres Projektes und der Community sind noch wesentlich mehr Spenden nötig.

Training
Training (Bild: Volker Wenzlawski )
Der Kinofilm "Underdogs" von Jan Hinrik Drevs war für die gebürtige Hessin dabei die Initialzündung für ihre Idee. Dafür gab sie ihren langjährigen Job im Award-Management bei Kolle Rebbe in Hamburg auf, überredete aber gleichzeitig Agenturchef Stefan Kolle als Vorstandsmitglied den Verein zu unterstützen. Auch Regisseur Drevs gehörte zum Gründerteam der Hundebande 2010, ebenso Andreas Heinecke von "Dialog im Dunkeln" und Kolle Rebbe Kreativgeschäftsführer Stefan Wübbe.  

Menschen eine zweite Chance im Leben geben

Die "Pädagogin aus Leidenschaft" war nach ihrem Studium durch Zufall in die Werbebranche gerutscht. Ihre Diplomarbeit hatte sie über ihre Zeit geschrieben, als sie in Wiesbaden in der Obdachlosenszene arbeitete. "Ich bin damals an Grenzen gestoßen. Vor zehn Jahren war der Pädagogik-Bereich noch nicht so innovativ, sondern klassisch geprägt, es wurde wenig vernetzt gearbeitet. Ich hatte das Gefühl, mir noch anderen Stallgeruch holen zu müssen".  Sechs Jahre arbeitet sie bei der Hamburger Werbeagentur und leitete unter Kreativchef Stefan Kolle das Award-Management.  Auch wenn sie die Arbeit in der Agentur und mit Kolle sehr mochte, merkte sie doch irgendwann, dass sie sich "innerlich auf den Weg machte". Denn von Anfang an war klar gewesen, dass sie zurück in den Pädagogikbereich gehen würde. Angeregt durch den Kinofilm "Underdogs", schrieb sie 2010 das Konzept für "Welpen hinter Gittern" und hatte dabei ursprünglich im Kopf, Jugendlichen, die auf die schiefe Bahn geraten waren, eine zweite Chance im Leben zu verschaffen.

Bei der Filmpremiere lernte Maurer Astrid Barth, die ehemalige Leiterin der Sozialtherapeutischen Anstalt in Bergedorf, kennen, die ihr viele Erfahrungen und konkrete Kontakte vermitteln konnte. Schließlich landete die lebhafte Pädagogin im Gefängnis Hahnöfersand, wo allerdings nur die Verantwortliche des Frauenvollzugs grünes Licht für eine Pilotphase gab. Parallel hatte Maurer ihr Konzept bei der Körber-Stiftung eingereicht und das große Glück, finanzielle Unterstützung sowie den HSV mit deren CSR-Projekt Hamburger Weg als Paten zu erhalten. Mit Hilfe der Blindenhund-Trainerin Nadja Steffen begann die Idee der Hundebande, wie der Verein dann final hieß, Gestalt anzunehmen. "Ich hatte die innere Überzeugung, dass schon alles gutgehen wird und wollte die positiven Zeichen nutzen, um anzufangen." Parallel zum Gefängnis Hahnöfersand, wo vier Frauen sich ein Jahr lang um drei Welpen kümmerten, werden heute zwei weitere Hunde an einem Standort in Altona von vier ehemaligen Knackies trainiert. Dabei sind die Hunde stets an der Seite ihrer Paten und lernen, sich angstfrei in der Großstadt zu bewegen, auch regelmäßige Trainingseinheiten gehören zur Erziehung der Hunde dazu. "Durch die Sozialisierung der Hunde werden sie selbst sozialisiert", erzählt Manuela Maurer über den Effekt der Arbeit auf die Hundebetreuer. Während es bei den Frauen im Knast häufig darum geht, etwas in der Gesellschaft wieder gutmachen zu wollen, erleben die Ex-Strafgefangenen in Altona, dass sie über die Hunde problemlos Kontakte zur Außenwelt bekommen, ohne gleich stigmatisiert zu werden. Gleichzeitig hilft ihnen die Verantwortung für die Hunde, Struktur in ihren Alltag zu bringen und sich bei Rückschlägen auf dem Weg zurück ins wirkliche Leben nicht hängenzulassen.
Einzug bei der Hundebande
Einzug bei der Hundebande (Bild: Volker Wenzlawski )
Bis März 2015 ist dieses tolle und durchaus viel beachtete Projekt durch Unterstützung der MainFirst Bank abgesichert. Seit einem halben Jahr arbeitet Maurer, die begeistert, aber ohne aufdringlichen Pathos für ihre Sache wirbt, festangestellt beim Verein, was wichtig für die vielschichte Arbeit ist. "Theorie und Praxis haben wenig miteinander zu tun. Jeden Tag tauchen neue Fragen auf", erzählt sie offen von ihrem Alltag. Zuvor hatte Maurer ihre gesamten Ersparnisse in die Arbeit für die Hundebande gesteckt, so sehr glaubt sie an ihre Sache. "Manuela ist eine fantastische, immer optimistische und humorvolle Frau, die zu den wenigen Menschen gehört, die genau das macht, was sie erfüllt", sagt denn auch Stefan Kolle über seine ehemalige Mitarbeiterin, die ab und an noch immer bei der Agentur jobbt und vom Kolle Rebbe-Team immer wieder tatkräftig unterstützt wird. Auch wenn die Hundebande am Anfang viel Aufmerksamkeit durch die Medien bekommen hat, ist der Verein noch weit davon entfernt etabliert zu sein. Maurer: "Wir haben die Pilotphase hinter uns und sind keine Newcomer mehr. Die Hundebande hat viel Potenzial und will wachsen, aber jetzt muss erstmal die Existenz gesichert werden." Bislang kam über ihren Aufruf auf startnext nur ein Bruchteil des Geldes zusammen, das für das Projekt benötigt wird. Auch deshalb will Manuela Maurer im September kräftig in ihrer alten Branche für die Sache trommeln. Ihre Zeit in der Werbung ist ihr durchaus wertvoll nicht nur wegen der vielen Kontakte. Der Umgang mit Budgets, unterschiedlichen Menschen und toughen Timings hilft ihr heute ganz praktisch bei der Vereinsarbeit. Und man kann sich gut vorstellen, dass die quirrlige Frau gleichzeitig mit ihrem ungewöhnlichen Lebensweg eine Inspiration für frühere Branchenkollegen ist. In die nächste Phase will Manuela Maurer vor allem Learnings aus der Pilotzeit einfließen lassen. Dazu gehört, dass die Insassinnen des Frauengefängnisses die Chance bekommen, mit ihren Welpen Außentrainingseinheiten zu absolvieren. Was auch ein erster wichtiger Schritt zum Öffnen des Vollzugs für die Frauen in Hahnöfersand wäre. Darüber hinaus will das Kriminologische Institut die Arbeit der Hundebande begleiten, um festzustellen, wieviel das Programm zur Wiedereingliederung von Strafgefangenen tut. Pläne, wie man die Hundebande noch überall einbinden kann, hat Manuela Maurer natürlich noch viele. Doch die Chance, den Verein etwa zum Franchise-Prinzip auszubauen, bekommt sie nur wenn kontinuierlich genug Spendengelder sammeln kann. Es wäre mehr als schade, wenn Manuela Maurers Arbeit nah an den Menschen, die von der Gesellschaft gerne vergessen und verdrängt werden, von ein paar Eimern mit Eiskübeln einfach weggespült würde.

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt. www.trampe-communication.de

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