Ach Mensch Ivonne Grunewald - Die Flammkuchenmeisterin

Dienstag, 11. Februar 2014
Ivonne Grunewald (Foto: privat)
Ivonne Grunewald (Foto: privat)

"Ach Mensch" heißt die Kolumne von HORIZONT.NET, in der die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen porträtiert. Diesmal: Ivonne Grunewald, Besitzerin des Lokals "Flammkuchentraum" und ehemalige PR-Beraterin beim Deutschen Dialogmarketing Verband (DDV) und der Agentur DDB Tribal. Der gute alte Gastone brachte alles ins Rollen. Hinter dem Namen versteckt sich aber nicht ein Hund wie bei Signor Rossi, sondern der wunderbar verschrobene Oldtimer Citroën HY, den Ivonne Grunewald per Zufall mit ihrem Mann Jens entdeckte und der ihrem Leben die entscheidende Wende gab. Schon länger hatte die gelernte Industriekauffrau, die als PR-Managerin beim DDV und später bei der Agenturgruppe DDB Tribal die Öffentlichkeitsarbeit steuerte, nach einer Alternative zu ihrem Job in der Kommunikationsbranche gesucht. Es fehlte ihr jedoch die zündende Idee - zumindest bis sie Gastone entdeckte. Coup de foudre.

Ein Bäcker war lange mit dem kultigen 42 Jahre alten Wagen unterwegs gewesen, so dass das Auto bereits mit einem Backofen ausgerüstet war. Da Ivonne Grunewald, 39, schon immer ein Faible für die französische Lebensart hatte, beschloss sie, in dem Wagen Flammkuchen zu backen. "Wir waren am Anfang ganz schön blauäugig", lacht sie heute. Die ersten Erfahrungen machten sie und ihr Mann zunächst am Wochenende auf Märkten und Volksfesten. "Es war eine superspannende Zeit, man hat supernette, manchmal auch skrurrile Leute kennengelernt. Aber natürlich war man nach so einem Wochenende körperlich total fertig". Das lag freilich auch daran, dass das Ehepaar mit den Flammkuchen eine willkommene Alternative zu den herkömmlichen Essensangeboten auf Märkten bot und sich schnell lange Schlangen vor Gastone bildeten. Während die Flammkuchen-Kultur heute fest in der deutschen Gastronomie verankert ist, war das Angebot an herzhaften und süßen Tarte flambée vor ein paar Jahren noch ein Novum.

Ivonne Grunewald in ihrem Gastone (Foto: privat)
Ivonne Grunewald in ihrem Gastone (Foto: privat)
Als Ivonne Grunewald 2010 Knall auf Fall ihren Job aufgab, war das ein ganz schönes Risiko. Aber sie hatte Glück, denn Catering kam als weiteres Standbein neben dem Verkauf auf Märkten und Volksfesten schnell hinzu. Gleichzeitig wuchs der Traum von einem festen Ort für ihre Flammkuchen-Leidenschaft. Auch hier half das Schicksal nach, denn Ivonne Grunewald entdeckte ein charmantes Häuschen in Hamburg Lehmsahl, wo das Paar früher gewohnt hatte. Hinter dem ehemaligen Wohnhaus hatte sich schon Jahre vorher ein Shop mit guten Weinen niedergelassen, die perfekte Ergänzung zum französischen Menue-Angebot des "Flammkuchentraums".

In Eigenarbeit gestaltete ihr Mann Jens, der eigentlich als Werbeberater arbeitet, die Räume komplett im rustikalen Stil neu. Mitte 2012 eröffneten die Grunewalds ihr kleines Restaurant mit 27 Plätzen. Atmosphäre wird groß geschrieben und so essen die Gäste an langen Holztischen, die aus alten Schiffsböden gebaut wurden. "Zum Glück haben wir uns in kürzester Zeit etabliert und ich kann davon leben", konstatiert die Restaurant-Besitzerin nicht ohne Stolz. Sie steht bis heute noch selbst in der Küche, auch wenn ihr inzwischen Personal unter die Arme greift. Zwar serviert die ehemalige PR-Frau auch Flammkuchen-Klassiker. Bekannt und beliebt wurde das Restaurant jedoch durch die raffinierten Eigenkreationen. "Man muss sich schon was einfallen lassen, um sich von anderen abzuheben", erzählt die Restaurant-Besitzerin. Und so gibt es jede Woche eine neue Karte mit ungewöhnlichen Belegen. In der Vorweihnachtszeit war beispielsweise Flammkuchen mit hauchzarten Gänsebrustscheiben und Rotkohl der Renner. Aber auch Varianten mit Ziegenkäse, Cranberries und Walnüssen kommen immer wieder gut an, genauso wie Kombinationen mit Erdbeeren und Tomate.

Der "Flammkuchentraum" von innen (Foto: privat)
Der "Flammkuchentraum" von innen (Foto: privat)
Die leckere Verbindung von süßen und herzhaften Zutaten ist ein Erfolgsfaktor, warum der "Flammkuchentraum" gut besucht ist. Ein anderer ist - so betont Grunewald - der Teig, der nicht zu dick und nicht zu dünn sein darf und perfekt ausgerollt werden muss. Auch die Creme fraîche muss mit Fingerspitzengefühl dosiert werden, um die typische Krossheit des Flammkuchens zu gewährleisten, ohne zu trocken zu werden. Dass Ivonne Grunewald sich alles durch "learning by doing" beigebracht hat, merkt man ihr heute nicht mehr an. Auf kleinstem Küchenraum werden routiniert mehrere Sorten Flammkuchen produziert, darüber hinaus bietet das Restaurant Baguettes und frische Salate. Mit dem einfachen, aber variantenreichen Essensangebot passt der "Flammkuchentraum" gut in den aktuellen Zeittrend, wo das Geld knapper ist und der Wunsch nach gemütlichen unprätentiösen Orten groß.

Neben den immer wieder neuen Kombinationen, die vorab meistens Freunde oder Mitarbeiter der Grunewalds zum Testen bekommen, macht es der Flammkuchen-Meisterin auch Spaß, sich Rahmenprogramme zu überlegen. So veranstaltet sie etwa regelmäßig in der Vorweihnachtszeit kleine Konzerte. So ganz lässt sie eben ihre Vergangenheit als Kommunikationsprofi nicht los. Manchmal wünscht sie sich dennoch Aufgaben, die "meinen Kopf fordern" und denkt darüber nach, ob sie einen spannenden Bürojob wohl mit dem Restaurant in Einklang bringen könnte. Doch dann kommt ihr Herzblut als Gastwirtin wieder durch und die schwarze Tafel im Restaurant füllt sich schnell mit neuen Flammkuchen-Kreationen. Und aus der Küche strömt der Geruch von krossem Teig, Ziegenkäse und Rote Beete. Wenn man die Augen schließt, könnte man meinen, man sei mitten im Elsass.

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt.
www.trampe-communication.de

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