Ach Mensch Francois Hartz - Der glückliche Auswanderer

Mittwoch, 08. Januar 2014
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"Ach Mensch" heißt die Kolumne von HORIZONT.NET, in der die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen porträtiert. Diesmal: Francois Hartz, Ex-Werbemanager und Auswanderer nach Namibia.
Francois Hartz (Alle Fotos: privat)
Francois Hartz (Alle Fotos: privat)
Seine Dienstfahrten dürften zu den spektakulärsten Autofahrten der Welt gehören. Von seinem Wohnort Swakomund, dem "Travemünde von Namibia" (Francois Hartz), bis zu seinem bisherigen Arbeitsplatz in Windhoek fuhr der langjährige Agenturberater über drei Stunden. Dabei sah er vor allem Natur pur. Manchmal saßen auch ein paar Affen und Warzenschweine am Straßenrand. Ein Jahr lang hatte der gebürtige Berliner die Position als Managing- Director beim Goethe-Institut in der namibischen Hauptstadt inne. Dass der Job neu besetzt werden sollte, hatte seine älteste Tochter, die in Brasilien lebt, per Zufall mitbekommen. Und so bewarb sich Hartz, der gerne neue Dinge ausprobiert, und bekam prompt den Zuschlag, das Institut mit seinen vielfältigen Aufgaben zu führen.

Seit vier Jahren lebt Francois Hartz mit seiner Frau, seiner jüngsten Tochter und den beiden jüngsten Söhnen in dem Land am südlichen Zipfel Afrikas, das doppelt so groß ist wie Deutschland, aber nur 2,1 Millionen Einwohner hat. Seit seine Schwiegereltern vor 20 Jahren dorthin auswanderten, träumte der Werber, der unter anderem bei Scholz & Friends, Publicis und McCann als Geschäftsführer arbeitete und zuletzt bei Gramm in Düsseldorf als CEO tätig war, davon, seine Zelte ebenfalls in Namibia aufzuschlagen. Bei manchen Kollegen erntete er dafür durchaus Spott - ganz nach dem Motto: " Komm, der redet seit Jahren davon, dass er auswandern will. Das wird doch eh nix mehr." Hartz, kein Mann der großen Worte, dachte sich seinen Teil und verfolgte still weiter seinen Plan. Selbst auf dem Zenith seiner Karriere in der deutschen Werbung stand für ihn fest, dass dieser Job endlich sein würde. Auch, weil ihm irgendwann "nur noch die Controller auf dem Schoß saßen".

Hartz mit der U11-Auswahl des Landes
Hartz mit der U11-Auswahl des Landes
Jedes Jahr zu Weihnachten besuchten er und seine Familie die Schwiegereltern und lernten so über zwei Jahrzehnte das Land kennen und lieben. Und wenn es in seinem Werbejob mal zu stressig wurde, drehte sich Hartz in seinem Büro einfach um, schaute auf seine Namibia-Bilder an der Wand und dachte nur bei sich: "Was soll die ganze Aufregung? Ist doch alles nicht so wichtig." Parallel legte er kontinuierlich Geld zur Seite, um seinen Out-of-Afrika-Traum zu verwirklichen.

Sein Haus am Meer in der zweitgrößten Stadt Namibias kaufte er dann vor sechs Jahren. In der Community haben sich die Deutschen schnell etabliert. Neben der Landessprache Afrikaans und Englisch wird in Nambia auch viel Deutsch gesprochen. Viele gebürtige Deutsche sind bereits in der 3. Generation im Land. "Wir haben hier viel mehr Freunde. Jeder kennt jeden und jeder hilft jedem. Es ist einfach easy-living", erzählt der Auswanderer. Als die Familie in Namibia ankam, hatte Hartz gar nicht vor zu arbeiten. Aber nur zu Hause herum zu sitzen kam für ihn auch nicht in Frage. "Ich wollte nie Rentner sein, sondern immer etwas machen. Das hält einen auch jung", so der 62-Jährige. Und schwuppdiwupp hatte Hartz ganz schnell zahlreiche Vorstandsaufgaben und Ehrenämter inne. Auch im neuen Jahr dürfte es ihm kaum langweilig werden. So begleitet er als Coach die U11-Fußball-Auswahl des Landes. Außerdem will er mit einem NBC-Moderator bald eine Radiosendung realisieren, in der Yesterday-Pop-Rock-Musik gespielt wird und sie parallel die Historie der jeweiligen Band und deren Hits erzählen wollen. Abgesehen davon hat er schon weitere Job-Angebote. "Wenn man offen ist, geht es immer weiter" ist seine Erfahrung.

Küstenimpression aus Namibia
Küstenimpression aus Namibia
Den Kontakt zur deutschen Werbeindustrie hat er trotz der Distanz nie verloren. Nach wie vor berät er phasenweise deutsche Agenturen und kommt noch regelmäßig nach Deutschland und dann am liebsten nach Düsseldorf, wo er zuletzt gelebt und gearbeitet hat. Würde ihn denn ein Job als Agenturboss zurück locken können? Francois Hartz überlegt. "Wenn es ein interessanter Job wäre auf jeden Fall. Auf der anderen Seite lebe ich jetzt dort, wo andere Urlaub machen. Die Leute hier sind supernett und man hat nie das Gefühl, sich durchkämpfen zu müssen." Bei so einem relaxten Alltag dürfte es jedes Job-Profil aus Deutschland recht schwer haben. Auch seine Frau hat sich längst eine eigene Existenz aufgebaut und verkauft hochwertigen losen Tee aus Hamburg in ihrem eigenen Laden in Swakomund. Das hat sich bis ins Nachbarland Südafrika herumgesprochen und so kommen selbst Leute aus Johannesburg oder Windhoek, um bei ihr Tee zu kaufen, den es sonst in der Region nicht zu finden gibt. Darüber hinaus liebt es die Familie, immer wieder durch das Land zu reisen. Denn die Natur ist es vor allem, die Francois Hartz in seiner neuen Heimat zutiefst berührt. "Dieses Land ist riesig und wunderschön mit einer unglaublichen Vielfalt bei Tierwelt und Landschaft und einem unfassbaren Sternenhimmel", schwärmt der sonst eher nüchterne Berater. Aber angesichts der Namib-Wüste, die zweimal die Größe von Kalifornien aufweist und die älteste der Welt ist, Sonnenuntergängen, die von Orange in feuriges Rot bis hin zu Lila wechseln und einem spektakulären nächtlichen Sternenhimmel bekommt wohl jeder in diesem Land ein Gefühl von Glück und Demut gleichzeitig. Und während Francois Hartz die Landschaftsbilder in seinem Inneren noch nachwirken lässt, wehen draußen die Palmen sanft im Wind. Und irgendwo sitzen ein paar Affen am Straßenrand und kratzen sich entspannt den Hintern.

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt.
www.trampe-communication.de

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