Ach Mensch Eva Jung - die Botschafterin Gottes

Freitag, 04. Juli 2014
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"Ach Mensch" heißt die Kolumne von HORIZONT.NET, in der die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen porträtiert. Diesmal: Eva Jung, Agenturinhaberin und bekennende Christin.
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Eines der beliebtesten Formate in den Medien ist es, Menschen überfallartig auf der Straße nach der Bedeutung von Feiertagen zu fragen. Zu Weihnachten fällt den meisten noch etwas halbwegs Richtiges ein, bei Pfingsten oder gar Feiertagen wie Fronleichnam ist das Wissen auf den deutschen Straßen verdammt dünn.

Eva Jung
, Kommunikationsdesignerin und ADC-Mitglied, wurmt es, dass es so eine Unkenntnis über Gott gibt. Als bekennende Christin setzt sie sich nicht nur selbst erfrischend unkonventionell mit dem Glauben und Gottes Wort auseinander, sondern berät mit ihrer Agentur gobasil auch eine Reihe von konfessionellen Kunden wie die Deutsche Bibelgesellschaft, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche Deutschland. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund und sagt selbst, dass sie durchaus für ihre konfessionellen Kunden auch mal ein Dorn im Auge ist.

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Nichtsdestotrotz dürfte die Kirche der streitbaren Werberin mehr als dankbar sein. Hat die Kommunikationsdesignerin durch ihr Engagement doch maßgeblich mit dazu beigetragen, die Botschaft Gottes in eine zeitgemäße Form zu übertragen. Vor zwei Jahren etwa gestaltete ihre Agentur die sogenannte BasisBibel neu, nahm Erklärungen zu Begriffen wie etwa Weihnachten auf, die in der Bibel eigentlich nicht vorkommen, von vielen Lesern aber mit ihr verbunden werden und verknüpfte das Ganze crossmedial. Dafür gewann gobasil nicht nur beim Werbefestival in Cannes Gold, sondern half der Stiftung, deutlich mehr Exemplare als sonst zu verkaufen. Wurde die Bibel vor dem Re-Design rund 500 Mal bestellt, konnte die Deutsche Bibelgesellschaft von der neu gestalteten Version innerhalb von nur sechs Monaten 30.000 Exemplare unters Volk bringen. Auch weil sich Eva Jung und ihr Team gestalterisch aus der sonst üblichen Schubladendenke hinaus wagte. Das wurde von vielen Gläubigen und am Glauben Interessierten entsprechend goutiert.

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Eva Jung wuchs in einem Evangelisch-reformierten-Haushalt auf, ihren Weg zur Bibel und zu Gott fand sie mit 16 Jahren angeregt von ihrem Bruder. "Sich mit Gott zu beschäftigen, ist wie auf eine Reise zu gehen - man kann so viel entdecken. Gott wirkt noch heute", sagt die 45-Jährige mit der markanten Brille völlig ohne Pathos. Sie möchte ihren konfessionellen Kunden vor allem dabei helfen, die Botschaft Gottes so zu erzählen, dass sie verstanden wird und nicht an Aktualität einbüßt. Die Kirchen haben viele Leute verloren, weil sie altbacken über ihre Themen sprechen. Darüber hinaus ärgert sich die Kreative, die früher unter anderem bei den Agenturen Springer & Jacoby, Elephant Seven, Philipp und Keuntje und Red Rabbit gearbeitet hat, dass der Glaube für viele Menschen mit Aspekten wie Bestrafung und Reglementierungen verbunden ist. "Menschen zu sagen, wenn du dieses und jenes nicht tust, kommst du nicht in den Himmel, ist totaler Quatsch und Manipulation. Gott will nicht reglementieren, er ist den Menschen zugewandt. In der Bibel stehen Empfehlungen, wie das Leben miteinander besser gelingt. Diese Deutung ist aber total ins Hintertreffen geraten", konstatiert Eva Jung.

Ihren Weg, sich verstärkt mit christlicher Kommunikation zu beschäftigen, hat sie gefunden, als sie nach ihrem Ausstieg bei Red Rabbit ein Sabbatical machen wollte und dann feststellte, "dass ich nicht Nichts machen kann". Für eine Freundin gestaltete sie ein paar Postkarten. In modernem Look ohne die sonst üblichen Sonnenuntergänge und Blumenwiesen und mit christlichen Aussagen, die jeder verstehen konnte. Diese Karten kamen im Freundeskreis so gut an, dass sie anfing, sie über eine Internet-Seite zu verkaufen. Es dauerte nicht lange, bis ein Verlag sie kontaktierte. Auch für die Landeskirche Hessen-Nassau stellte die Werberin die Kommunikation erfolgreich auf den Kopf. Das Leitmotto Glück & Segen verwandelte sie in mannigfaltiges Material, das bei den Gemeinden und den Gläubigen super ankam. Über Instagram etwa kann jeder seine eigene Interpretation des Themas mitteilen. Wer Twitter benutzt, erhält regelmäßig Botschaften und Anregungen. Bei Eva Jung darf im Zusammenhang mit Glauben auch mal gelacht werden, wenn zum Beispiel Sätze wie "Sie suchen Segen im Baumarkt?" auftauchen. "Die Leute sind wie ausgetrocknete Schwämme. Sie freuen sich, wenn sie mal Zuspruch bekommen", erklärt Jung. Sie selbst ist zur Zeit kein Kirchenmitglied, will niemanden missionieren, aber eben auch deutlich machen, dass in der Bibel Vieles beweglicher und leidenschaftlicher ist, als man denkt . Sie liest viel und gerne in der Bibel.

Jung betreut mit ihrem Geschäftspartner Nico Mühlan und 15 Leuten an den beiden Standorten Hamburg und Hannover aber nicht nur fromme Kunden. "Der Mix ist spannend", konstatiert die Hamburgerin. So stehen etwa die Volkswagen- und Audi Bank sowie Random House und Skoda ebenfalls auf der Kundenliste der Agentur, die als Wappentier den "Basiliskus", die "Jesus-Christus-Echse", gewählt hat. Der Echse wird die Fähigkeit nachgesagt, übers Wasser laufen zu können. Die Werbe-Profis wollen damit vor allem ausdrücken, dass sie gerne auch mal andere Wege einschlagen als die Konkurrenz. Das gilt im Übrigen auch für Eva Jungs private Projekte. So brachte sie mit Hilfe von Crowd-Funding ihr auf 1965 Exemplare limitiertes Buch Alltagstourist heraus. Ursprünglich für einen Verlag konzipiert, dem es dann aber zunächst zu unkonventionell war, erlaubt es vor allem über Bilder die Gedanken zu Themen wie Freiheit, Glaube und Lebensphilosophie spazieren gehen zu lassen. Fast alle Exemplare sind verkauft, was den Verlag überzeugte, das Buch jetzt doch in einer zweiten Auflage herauszubringen. Die Bilder zum Buch hat Eva Jung dabei alle auf ihren Reisen und Alltagsstreifzügen selbst fotografiert.

In Konflikt mit ihrem Job als Werberin ist die Christin noch nicht gekommen, auch wenn sie in der Vergangenheit einige Kunden abgelehnt hat, das aber eher aus ethischen Gründen. Vielmehr nutzt sie ihr Kommunikations-Know-how eben auch, um das Wort Gottes weiter zu verbreiten. Sie ist dabei angenehm pragmatisch, fast lässig und alles andere als bigott. Vor allem ist Eva Jung dort angekommen, "wo es mich hingetrieben hat, auch wenn es nicht mein Ziel war". Wie heißt es auf einer ihrer Postkarten so schön: Jesus, der Fahrlehrer: Er weiß die Zeichen zu deuten, kennt Auswege aus verfahrenen Situationen und zur Not übernimmt er auch mal das Gaspedal Johannes, 14,6.

Die Autorin:

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt.
www.trampe-communication.de


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