Ach Mensch Alexandra Iwan - Die lässige Oldtimer-Königin

Donnerstag, 05. Februar 2015
Alexandra Iwan
Alexandra Iwan
Foto: Jens Pussel für Mercedes-Benz Düsseldorf
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Alexandra Iwan Textschwester Mercedes-Benz


In Düsseldorf weiß eigentlich jeder immer, wo Alexandra Iwan sich gerade so aufhält. Das liegt nicht nur daran, dass die umtriebige und umwerfend charmante Inhaberin der PR-Agentur Textschwester auf allen wichtigen roten Teppichen der rheinische Metropole zu finden ist, sondern vor allem an ihrem Auto: einem kaffeebraunen Mercedes-Benz 280 CEL aus dem Jahr 1981.
Iwan, die alle nur lässig Alex rufen, ist Liebhaberin von Mercedes-Oldtimern. Während sich Männer gerne vom ersten Gehalt protzige Status-Autos kaufen, investierte Iwan noch als Studentin im verschlafenen Braunschweig 1000 Mark, um einen Mercedes-Benz/8 zu ergattern. Kaum ein paar Kilometer gefahren, fiel ihr der Auspuff ab. Doch damals wie heute ist das Modell ein Kultauto des Stuttgarter Autoproduzenten. Und Iwan war mit dem Oldtimer-Gen infiziert. Mit strategischer Lifestyle-Kommunikation hat sich die Düsseldorferin weit über die Landesgrenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus einen Namen gemacht. Durch ihr „Schlachtschiff“ (Iwan) ist sie aber längst selbst zur Marke geworden. Obwohl sie beruflich für viele Luxusmarken und Lifestyle-Label wie Thomas Rath, das Fashion-Net, die Stiftung von Christoph Metzelder, Audi und das Architektur-Renommierprojekt Kö-Bogen arbeitet, verzichtet sie bei ihrem heißgeliebten Oldtimer auf beinahe jeglichen Komfort. Der Wagen hat keine Sitzheizung und schon gar kein Licht im Kofferraum. Meist muss sie auch unkonventionell parken.. Ihre Leidenschaft geht sogar so weit, dass sie schon in Stilettos das Auto in eine Parklücke geschoben hat. „Man muss so ein Auto wirklich wollen“, lacht die gut gelaunte Oldtimer-Liebhaberin. „So ein Auto enthebt man ein bisschen davon, Gebrauchsgegenstand zu sein. Es ist ein Teil von mir, hat viele Eigenarten und ist eigentlich eine Geldvernichtungsmaschine. Es geht aber nicht um Status, sondern um Liebe.“ Viel Aufmerksamkeit beschert ihr das Auto allemal. Alte Opis bleiben entzückt am Straßenrand stehen und kleine Kinder winken und lachen ihr hinterher. Man lässt sie an der Ampel vor oder ermöglicht ihr nonchalent den Spurenwechsel. Der Mercedes-Oldtimer ist für sie ein Kommunikationsvehikel. „Man erlebt viele lustige Geschichten. Es ist fast so, als hätte man einen Hund“, erzählt die Mutter von zwei Kindern.
Alexandra Iwan
Alexandra Iwan (Bild: Jens Pussel für Mercedes-Benz Düsseldorf)

Mit regionalen PR-Konzepten gewachsen

Es entspricht ihrer Grundhaltung, keine Statussymbole für sich zu brauchen. Das zeigt sich auch in ihrer Karriere. Ursprünglich als Textbüro gestartet, gewann sie 2006 ihr erstes großes PR-Projekt mit einem neuartigen Mix aus Gastronomie und Kunst. Kurz danach holte sich Iwan, die immer auch mit entwaffnender Natürlichkeit punktet, mit dem Metropolenkonzept den Renommierkunden Audi. Frühzeitiger als andere erkannte sie, dass sich Lifestyle-PR hervorragend eignet, um Themenfelder wie Architektur, Design, Fashion, Kunst und Real Estate miteinander zu verknüpfen.
„Viele Agenturen waren sich zu fein für regionale Themen. Wir haben die Lücke gefüllt und sind damit gewachsen.“
Alexandra Iwan, Inhaberin Textschwester
„Lifestyle macht interessante Cluster auf.“ Stetig größer geworden ist die Agentur, die heute 13 Mitarbeiter hat, vor allem mit lokalen Aufgaben. „Viele Agenturen waren sich zu fein für regionale Themen. Wir haben die Lücke gefüllt und sind damit gewachsen.“ Gewachsen mit den regionalen Themen sind auch ihre Kontakte, die bis ins Düsseldorfer Rathaus reichen. Sie kennt jeden, der wichtig und interessant ist. Und jeder kennt inzwischen Alex Iwan und ihre Agentur. Ein Teil ihres Selbstverständnisses als PR-Beraterin ist es, Kunden untereinander zu vernetzen. Ihre Gästelisten für den roten Teppich gehören zu den spannendsten der Rhein-Metropole. „Bei uns wissen die Leute, dass sie auf eine besondere Mischung von Leuten treffen. Es wird nie langweilig.“ Obwohl sie heute längst deutschlandweit positioniert ist, übernimmt Textschwester ganz uneitel noch immer ab und an Jobs im Hintergrund für andere Agenturen, deren Kunden in Düsseldorf Fuß fassen wollen. „Wir sind uns für nichts zu schade“, demonstriert Alex Iwan eine bodenständige Bescheidenheit.

Boomtown Düsseldorf

Gerade bei wichtigen Shop-Eröffnungen mischen die Textschwestern eigentlich immer mit. Iwans Agentur profitiert dabei auch vom „Boomtown Düsseldorf“. Als Wirtschaftsstandort geht es der Landeshauptstadt exzellent. Doch noch immer halten sich zahlreiche Vorurteile. „Düsseldorf ist eine quirrlige Metropole und wird noch immer unterschätzt. Dabei gibt es hier die höchste Dichte an Kunstsammlern. Wir erleben eine sensationelle Entwicklung der Kö mit einem extrem starken Einzelhandel und bei einer Weltpremiere eines Luxusautos wurden innerhalb von vier Stunden 25 Autos verkauft, die jeweils 240 000 Euro kosten“, macht sich Alex Iwan für ihren Standort stark. Auch im Modebusiness ist Düsseldorf immer noch die Nummer Eins, während die Fashionweek in Berlin immer weiter ausblutet. 300 Mode-Showrooms belegen die Kompetenz und die Geschäftsbedeutung. Viele teure Modemarken haben ihre tollsten Flagship-Stores an der berühmten Königsallee, einige Marken sind nur hier exklusiv in Deutschland vertreten wie etwa MIU MIU. In diesem Jahr macht Dior einen neuen Laden auf, Hermes hat gerade mit viel Tam Tam den größten Shop in Deutschland an der Kö eröffnet. Nina Ricci und Lanvin sollen in den Startlöchern stehen. Viel Potential also für Düsseldorf und für das Portfolio der Textschwestern. Jüngst gewann die Agentur die Betreuung der Luxus-Beilage NRW Select der Welt am Sonntag. Die Redaktionsleitung liegt bei der ehemaligen Journalistin, grafisch umgesetzt wird das Heft von Niehaus, Knüwer & Friends. Mit einer solchen Beilage liegt die WamS NRW im Trend. Denn der geht eindeutig zur Lokalisierung, gerade auch in Großstädten. “Community-Bindung und die Vernetzung lokaler Meinungsmacher wird immer wichtiger“, ist sich die Agenturberaterin sicher.

Ein weiteres Vorzeige-Beispiel ist der Kö-Bogen. Textschwester gewann den Kunden mit einem Lifestyle-Konzept, anstatt klassische Immobilien-PR vorzuschlagen. Die Arbeit für das bekannte Architektur-Projekt wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem MIPIM-Award in Cannes. Auch hier verknüpfte Iwans Team gutes Storytelling mit der Bildung interessanter Allianzen. Bei Red-Carpet-Events steht Iwan sogar noch selbst am Teppich und macht das VIP-Handling und inszeniert für die Medienkollegen ganz unaufgeregt Foto-Geschichten, die jeder gerne druckt.

Portfolio um strategisches Lifestyle-Consulting erweitern

Pläne hat Alex Iwan noch viele. Dabei geht es ihr weniger darum, extrem zu wachsen oder die Mannschaft zu verdoppeln. Sie denkt vielmehr über neue Module nach und möchte Kunden in diesem Jahre eine Luxury-Lifestyle-Consulting-Unit anbieten. „Wir haben so viel Know-how in dem Bereich und würden dieses gerne weitergeben und Unternehmen dabei helfen, wie sie sich besser positionieren. Manchmal kann man intern mehr machen als das gesamte Geschäft zu holen“, denkt Iwan laut nach.

Dann muss sie schon wieder zum nächsten Termin eilen und lässt sich trotz Bleistiftrock elegant auf die Sitze ihres Mercedes-Oldimer gleiten. Ein Neuwagen käme übrigens für sie nie in Frage. „Autos müssen für mich das Autohimmel-Gen haben. Sie riechen anders und haben eine andere Geschichte. Das mag ich einfach.“ Und während ihr Auto vom Hinterhof in Pempelford auf die Straße rollt, bleiben gegenüber schon die ersten Menschen stehen und staunen über den kaffeebraunen Oldtimer-Traum, der gerade an ihnen vorbeirauscht. Wenig später drücken sich Kinder mit ihren Vätern die Nasen platt, als das Auto am Kö-Bogen parkt. Alex Iwan kann nicht weit weg sein. Ingeborg Trampe

www.textschwester.de

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt. www.trampe-communication.de
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