Accenture/Sinner Schrader "Es ist ein Abenteuer"

Donnerstag, 27. April 2017
Partner: Rainer Balensiefer (rechts), Matthias Schrader
Partner: Rainer Balensiefer (rechts), Matthias Schrader
© Foto: Oliver Reetz

Accenture übernimmt Sinner Schrader: Im Februar wurde der Deal bekannt gegeben. In HORIZONT erläutern Rainer Balensiefer und Matthias Schrader erstmals die Hintergründe der Übernahme. HORIZONT Online bringt einige Kernsätze aus dem Interview.
Wenn eine Agentur von einer anderen Agentur oder einem Unternehmen übernommen wird, ist das in der Regel eine interessante News. Nicht mehr und nicht weniger. Doch als im Februar das Beratungsunternehmen  Accenture verlautete, die Internet-Traditionsagentur Sinner Schrader zu übernehmen, gab es in der Agenturlandschaft – metaphorisch gesprochen  – ein ganz schönes Beben.

HORIZONT Digital Marketing Days 2017

Wie sieht das Agenturbusiness der Zukunft aus? Diese Frage ist auch Thema bei den Digital Marketing Days, die HORIZONT am 29. und 30. Juni 2017 in Berlin veranstaltet. Bei dem Pflicht-Termin für Digital-Entscheider diskutieren führende Branchenexperten darüber, wie Automatisierung, Globalisierung und Fragmentierung die Zusammenarbeit von Mediaagenturen und Werbungtreibenden verändert. Jetzt hier anmelden! 

Manchmal hat man das Gefühl, alle wichtigen Industriezweige werden gerade mal disruptiert; jeder Manager und selbst so betuliche Vereine wie der ADC kümmert sich um "Disrupting Germany" – warum sollte also eine so konservative Branche wie die Agenturbranche von den digitalen Umbrüchen verschont bleiben.

Noch ist überhaupt nicht erkennbar, was die Übernahme für das Business und für die Kultur von Sinner Schrader bedeutet. Das Kartellamt hat dem Deal zwar zugestimmt, finalisiert ist er aber noch lange nicht. Dennoch hängt man sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man sagt: Dies könnte ein wegweisender Deal für den gesamten Internet-Agenturmarkt bedeuten – weg vom Media- und Kreativbusiness hin zu stärkerem Beratungs- und Technologie-Geschäft.

HORIZONT Online dokumentiert einige Auszüge aus dem HORIZONT-Interview.

Die Manager

Die Manager Rainer Balensiefer leitet als Managing Director Accenture Interactive in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Rainer Balensiefer hat über 17 Jahre Erfahrung in der Beratung mit Fokus auf Marke, Marketing und Vertrieb. Bevor er 2012 die Leitung von Accenture Interactive übernahm, war er im Management-Team des Beratungsteams für Marketing & Vertrieb bei Roland Berger Strategy Consultants. Matthias Schrader gehört zu den digitalen Pionieren in Deutschland. Mitte der 1990er-Jahre gründete er Sinner Schrader. 1999 ging Sinner Schrader an die Börse. Heute unterstützt Schrader zusammen mit über 500 Beratern, Designern und Software-Entwicklern hauptsächlich Dax-Konzerne bei der Entwicklung digitaler Produkte. Im Februar 2017 gab Accenture bekannt, Sinner Schrader für einen dreistelligen Millionenbetrag zu übernehmen.

Warum Accenture der richtige Partner für Sinner Schrader ist

Matthias Schrader: Als Agentur stellt sich die Frage: Will ich als strategischer Partner mit der Transformation der Kunden wachsen oder will ich zum Zulieferer in der zweiten Reihe werden? Wir wollen natürlich vorne bleiben und selbst steuern – und dafür ist Accenture genau der richtige Partner.

Warum Sinner Schrader der richtige Partner für Accenture ist

Rainer Balensiefer: Ich glaube, dass die Philosophie und das Grundverständnis von Accenture Interactive dem von Sinner Schrader sehr ähnlich ist.

Wie sich das gemeinsame Grundverständnis in Stichworten umreißen lässt

Balensiefer: Kundenzentriert, kreativ, innovativ, agil und sehr teamorientiert.

Wie man im digitalen Kommunikationsmarkt mit Google und Facebook noch mithalten will

Schrader: Unternehmen muss es gelingen, digitale Produkte zu entwickeln, die im Alltag der Menschen abseits von Search, Social Media und E-Commerce eine wichtige Rolle spielen. Und sich mit einer außergewöhnlichen User-Experience von Konkurrenzprodukten abzuheben.

Balensiefer: Gerade Markenartikler haben in den vergangenen Jahren gelernt, eigene differenzierende Kanäle und Interaktionspunkte aufzubauen. Stichwort Content Marketing: Es ist doch erstaunlich, mit welcher Qualität und Resonanz manche Unternehmen ihre Servicewelt in eigenen Kanälen in Szene setzen – allen Googles und Facebooks zum Trotz.

Konkurrenzsituation: Eher IBM oder Plan.Net?

Balensiefer: Weder noch. Es gibt nicht den einen Hauptkonkurrenten, sondern wir müssen je nach Kundensituation genau verstehen, wo der Schwerpunkt der relevanten Services und auch der potenziellen Wettbewerber liegt. Mit unserem Leistungsspektrum – gerade in der Kombination mit Sinner Schrader – verfügen wir über das volle End-to-End-Spektrum an notwendigen Dienstleistungen für die kundenzentrische digitale Transformation.

Das komplette Interview

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Vom Unternehmer zum Manager - wie befremdelnd ist das für Matthias Schrader?

Schrader: Es ist für mich erst einmal ein Abenteuer, in einem neuen Umfeld zu arbeiten. Als Unternehmer ist man intrinsisch orientiert, Dinge zu bewegen. Wie viele Anteile man am Unternehmen besitzt, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Ich habe das selbst erlebt: Je mehr Anteile von Sinner Schrader ich im Laufe der Zeit abgegeben habe, desto stärker sind wir geworden und wuchs mein Gestaltungsspielraum. Jetzt habe ich alle Anteile abgegeben und bin Mitarbeiter einer Organisation, die extrem viel Power hat. Das ist superspannend! 

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