Aaron Troschke Vom "Wer wird Millionär?"-Kandidaten zum Agenturgründer

Dienstag, 01. März 2016
Wollte zu Viva: Aaron Troschke
Wollte zu Viva: Aaron Troschke
Foto: Reachhero

Vor vier Jahren plauderte sich Aaron Troschke durch drei Sendungen bei „Wer wird Millionär?“ und wurde schlagartig einem breiten Publikum bekannt. Anschließend rissen sich die Medien um den redseligen Berliner, der daraufhin seinen Backshop aufgab und sich bei Spree Radio, Sat 1 und RTL probierte. Mittlerweile hat er auf Youtube eine Viertel Million Fans hinter sich geschart und gründete 2014 mit zwei Freunden die Influencer-Agentur ReachHero. Im Interview mit HORIZONT Online erzählt Troschke unter anderem, warum er nichts gegen Schleichwerbung auf Youtube hat.

Herr Troschke, haben Sie noch Kontakt zu Günther Jauch? Nein. Es ist nicht so, dass wir uns jeden Sonntag zum Frühstück treffen. Ich habe ihn vor kurzem auf einem Flug nach Berlin getroffen und wir haben uns nett unterhalten. Beste Freunde sind wir allerdings nicht. Ich freue mich aber immer wieder, wenn er mich in seinen Sendungen erwähnt.

Nachdem Sie sich über drei „WWM“-Sendungen hinweg mit Jauch verquasselt hatten, rissen sich die Medien um Sie. Wie sind Sie mit dem Rummel umgegangen? Ich wollte schon immer zum Fernsehen, vor allem zu Viva. Insofern habe ich das genossen. Bei Jauch war ich eigentlich nur, um Geld zu verdienen, damit mein Laden nebenbei weiterlaufen kann, während ich Praktika bei den TV-Anstalten mache. „WWM“ war also gar nicht als Sprungbrett per se gedacht. Dass ich nun diese Entwicklung gemacht habe, ist natürlich umso besser. 
„Auf Youtube funktioniert genau das, was im Fernsehen auch funktioniert: Titten, Tiere, Tränen und Tot – die vier großen RTL-„T“s.“
Aaron Troschke
Sie wollten also in erster Linie zu Viva? Ja, die wollten mich aber nicht (lacht). Ich hatte mich insgesamt dreimal dort beworben, aber nie kam eine Antwort. Eine Genugtuung war es für mich deshalb, als die „B.Z.“ nach meiner letzten Jauch-Sendung groß titelte mit „Und den wollte Viva nicht“. 

Gibt es denn Ihren Berliner Backshop noch? Ja, aber der gehört schon ewig nicht mehr mir. Ich hatte ihn 2013 verkauft, weil durch den Hype um meine Person die Verkaufspreise in die Höhe schossen. Das Geld konnte ich außerdem gut gebrauchen, weil ich kurz darauf bei der Moderatorenschule von Frank Elstner teilgenommen hatte. 

Sie waren anschließend unter anderem Backstage-Reporter bei RTL und haben für „Galileo“ gedreht. Zur gleichen Zeit haben Sie zudem mit Youtube experimentiert. Wieso? Sony Music hatte mich gefragt, ob ich nicht ein paar Youtube-Videos drehen möchte. Ich hatte keine Ahnung von der Plattform und war erst einmal skeptisch. Ich mag es nicht, wenn Redakteure mich versuchen in Formen zu pressen, in die ich nicht hineinpasse. Weil Sony mir aber alle Freiheiten gelassen und mich finanziell unterstützt hatte, war ich sofort Feuer und Flamme. Mir wurde sogar ein eigener Redakteur zur Seite gestellt, der für mich gefilmt und geschnitten hat.

Wie würden Sie sich nun bezeichnen? Sind Sie Youtuber, Moderator oder Agenturgründer? Ich bezeichne mich als Aaron und mache das, worauf ich Lust habe (lacht). Ich mag es, viele Baustellen zu haben. Würde ich mich nur auf Youtube oder nur auf die Agentur fokussieren, wäre mir ziemlich langweilig. Deshalb habe ich bei Reach Hero nur unter der Prämisse angefangen, dass ich nebenbei noch TV und Youtube machen kann. 

Was ist ReachHero?

2014 von Christian Chyzyk, Philipp John und Aaron Troschke in Berlin gegründet, bezeichnet sich ReachHero als größter Online-Marketingplatz Deutschlands. Das Start-up vermittelt werbungtreibende Unternehmen mit Social-Media-Künstlern und verdient an der Provision. 400 Kampagnen sind bereits umgesetzt worden, vor allem mit Kosmetikherstellern oder E-Commerce-Anbietern. Seit Beginn des Jahres kooperiert Reach Hero mit Axel Springer und der Funke Mediengruppe und erhielt von Business Angels ein sechsstelliges Investement.
Warum haben Sie sich dazu entschlossen, eine Influencer-Agentur mitzugründen? Durch die Moderatorenschule von Frank Elstner hatte ich über mehrere Ecken Christian (Christian Chyzyk, CEO von ReachHero, Anm. d. Red.) kennengelernt. Er hat mir auf einer Party seine Idee zu Reach Hero vorgestellt und ich fand sie sehr gut. Und so wurde ich Mitgründer und konnte auch gleich mit meinem recht großen Youtube-Netzwerk behilflich sein. Mittlerweile fragen sogar TV-Sender nach meiner Expertise zum Thema Influencer-Marketing und anderen Trend-Themen im Web. Das zeigt doch, dass ich vieles richtig gemacht habe.

Bei Reach Hero vermitteln Sie Kooperationen zwischen Influencern und Marken. Arbeiten Sie persönlich auch als Influencer für Unternehmen? Ja, aber ich muss schon Bock darauf haben. Es sind mittlerweile ein paar Kooperationen zusammengekommen wie etwa mit Tetra Pack oder Dildo King. Für Letzteres war ich mit einer anderen Youtuberin in einem Erotik-Shop und habe ein bisschen Spaß gemacht

Wenn man sich Ihre Videos anschaut, fällt auf, dass es häufig um anzügliche Themen geht. Auf Youtube funktioniert genau das, was im Fernsehen auch funktioniert: Titten, Tiere, Tränen und Tot – die vier großen RTL-„T“s. Ich verstehe ohnehin nicht, warum die ältere Generation über Youtube spottet und Youtube-Zuschauer über das Fernsehen meckern. Es gibt nämlich inhaltlich keinen großen Unterschied - die Jüngeren schauen den ganzen Tag Dner (bekannter Youtuber, Anm. d. Red.) und die Eltern sehen „Die Geissens“. Nur das Medium ist ein anderes.

Vielen Youtubern wird illegale Schleichwerbung vorgeworfen. Wie verfolgen Sie die Diskussionen? Über das Thema habe ich mit Frank Elstner ein ellenlanges Gespräch geführt. Das war zu der Zeit, als „Wetten, dass…?“ der Schleichwerbung überführt wurde. Ich kann diese Diskussionen nicht wirklich nachvollziehen, wahrscheinlich, weil ich für Produktplatzierungen nicht sehr empfänglich bin. Gerade auf Youtube finde ich Produktplatzierungen völlig in Ordnung, vor allem, wenn es dem Content hilft und der Künstler von seinen Videos leben kann. 
„Ich denke, dass Werbung und Content auf Youtube nicht zu trennen ist.“
Aaron Troschke
Braucht Youtube klarere Regulierungen? Youtube ist eine Grauzone und wenn jemand klarere Regeln schafft ist das natürlich gut. Ich habe jedoch Angst, dass diese Regeln das Youtube-Business komplett kaputt machen. Ich denke, dass Werbung und Content auf Youtube nicht zu trennen ist, denn die Werbung ist oftmals der Content. Sprich, wenn sich eine Dame vor der Kamera schminkt und die Marke nennt, ist das nicht immer Werbung.

Nun sind Influencer auch noch auf anderen Plattformen unterwegs, neuerdings auch auf Snapchat. Sie ebenfalls? Dort bin ich auch seit kurzem. Aber ich glaube, ich bin zu dumm für diese App (lacht). Zwei gute Freundinnen haben mir versprochen, demnächst eine Schulung zu machen.

Welche Relevanz hat Snapchat für ReachHero? Wir schauen derzeit noch, wie man Snapchat besser auswerten kann. Die ersten Kampagnen haben wir bereits realisiert, aber mit denen kann man nicht zum Kunden gehen. Dennoch: Für Influencer Marketing hat die App definitiv Potenzial. Letztendlich ist nämlich alles eine Frage der Reichweite. Man könnte auch auf Youporn Influencer Marketing betreiben, sofern die Reichweite vorhanden ist und Kunden dort werben möchten.

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